(Kiel) Der BGH hat­te bereits am 30. April 2009 ent­schie­den, dass einem Flug­gast kei­ne pau­scha­lier­te Aus­gleichs­zah­lung nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen (im Fol­gen­den: Ver­ord­nung) zusteht, wenn er wegen Ver­spä­tung des Zubrin­ger­flugs einen Anschluss­flug nicht erreicht.

Am 28.05.2009, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat­te der BGH über einen wei­te­ren Fall die­ser Art zu ent­schei­den. (BGH Urteil vom 28.05.2009 – Az.: Xa ZR 113/08)

In dem jetzt zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fall buch­te der Klä­ger bei dem beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men für sich, sei­ne Ehe­frau und sei­ne bei­den Kin­der einen Flug von Frank­furt am Main nach Phoe­nix (Ari­zo­na) über Washing­ton D.C. und zurück. Der Flug von Washing­ton D.C. nach Phoe­nix soll­te nicht von der Beklag­ten, son­dern von United Air­lines durch­ge­führt wer­den. Der Hin­flug wur­de für den 7. Okto­ber 2006 um 13.25 Uhr von Frank­furt am Main mit Ankunft in Washing­ton D.C. um 16.40 Uhr Orts­zeit bestä­tigt. Tat­säch­lich erfolg­te der Abflug erst gegen 17.00 Uhr, so dass der Klä­ger und sei­ne Fami­lie den Anschluss­flug nicht erreich­ten. Die Rei­sen­den ver­brach­ten die Nacht auf Kos­ten der Beklag­ten in einem Hotel. Der Wei­ter­flug nach Phoe­nix star­te­te am 8. Okto­ber 2006 um 7.00 Uhr. Die Rei­sen­den erreich­ten Phoe­nix ca. 14,5 Stun­den spä­ter als geplant; ihr Gepäck kam auf dem Flug nach Phoe­nix abhan­den und konn­te ihnen erst mit vier­tä­gi­ger Ver­spä­tung aus­ge­lie­fert wer­den.


Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob es eine “Nicht­be­för­de­rung” im Sin­ne der Ver­ord­nung dar­stellt, wenn ein Flug­gast einen Anschluss­flug nicht erreicht, weil der gemein­sam mit dem Anschluss­flug gebuch­te Zubrin­ger­flug erheb­lich ver­spä­tet erfolgt. Der Klä­ger hat Aus­gleichs­zah­lun­gen in der – für die ver­wei­ger­te Beför­de­rung auf einem Flug über eine Ent­fer­nung von mehr als 3.500 km vor­ge­se­he­nen – Höhe von je 600 Euro für sich, sei­ne Ehe­frau und sei­ne Kin­der bean­sprucht. Außer­dem hat er einen Betrag in Höhe von 446,13 € als Min­de­rung des Flug­prei­ses sowie ihm ent­stan­de­ne Anwalts­kos­ten gel­tend gemacht.


Das Amts­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung ist ohne Erfolg geblie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit dem heu­ti­gen Urteil die Kla­ge­ab­wei­sung, soweit sie den Anspruch auf eine Aus­gleichs­zah­lung nach der Ver­ord­nung betraf, aus den bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 30. April ange­führ­ten Grün­den bestä­tigt, betont Klar­mann.
Auch einen Anspruch auf Min­de­rung des Flug­prei­ses hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint, weil die Ver­spä­tung eines Flu­ges die Beför­de­rungs­leis­tung nicht man­gel­haft macht. Es kom­men des­halb nur – im Streit­fall nicht gel­tend gemach­te – Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Flug­gas­tes wegen ver­spä­te­ter Leis­tung (wegen Ver­zugs) in Betracht, die vor­aus­set­zen, dass das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men die Ver­spä­tung ver­schul­det hat und dem Flug­gast durch die Ver­spä­tung ein Scha­den ent­stan­den ist.
Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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