(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 21.12.2011 eine Ent­schei­dung zur Wirk­sam­keit von Lauf­zeit­ver­ein­ba­run­gen in Wär­me­ver­sor­gungs­ver­trä­gen getrof­fen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 21.12.2011 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: VIII ZR 262/09.

Die Klä­ge­rin ist eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft, die Beklag­te ein Ener­gie­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men. Die Beklag­te schloss am 17. Sep­tem­ber 2002 einen vor­for­mu­lier­ten Wär­me­lie­fe­rungs­ver­trag mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Klä­ge­rin. In dem Ver­trag ist die Gel­tung der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Ver­sor­gung mit Fern­wär­me (AVB­Fern­wär­meV) ver­ein­bart. Wei­ter sieht der Ver­trag vor, dass der Heiz­raum und die Heiz­sta­ti­on, in denen die Wär­me erzeugt wird, vom Kun­den gestellt und von der Beklag­ten für 1 €/Jahr gepach­tet wer­den und dass der Kun­de die Kos­ten der bau­li­chen Instand­hal­tung und künf­tig not­wen­dig wer­den­de Ersatz­in­ves­ti­tio­nen zu tra­gen hat. Die Lauf­zeit des Ver­tra­ges ist mit 10 Jah­ren ver­ein­bart. Die Klä­ge­rin hält die­se Lauf­zeit­ver­ein­ba­rung für unwirk­sam und hat den Ver­trag zum 31. August 2007 gekün­digt. Das Amts­ge­richt hat der auf Fest­stel­lung der Ver­trags­be­en­di­gung zum 31. August 2007 gerich­te­ten Kla­ge mit der Maß­ga­be statt­ge­ge­ben, dass der Ver­trag zum 31. Dezem­ber 2007 endet. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Kam­mer­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.

Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft hat­te Erfolg, so Klar­mann.

Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die in dem Ver­trag ent­hal­te­ne Lauf­zeit­ver­ein­ba­rung unwirk­sam ist. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts ergibt sich die Zuläs­sig­keit der zehn­jäh­ri­ge Ver­trags­bin­dung nicht aus § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV, weil das Ver­trags­ver­hält­nis nicht die Lie­fe­rung von Fern­wär­me zum Gegen­stand hat. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist für den gesetz­lich nicht defi­nier­ten Begriff Fern­wär­me ent­schei­dend, dass aus einer nicht im Eigen­tum des Gebäu­de­ei­gen­tü­mers ste­hen­den Hei­zungs­an­la­ge Wär­me gelie­fert wird. Das ent­spricht auch der Auf­fas­sung des Ver­ord­nungs­ge­bers, der die nach § 32 Abs. 1 AVB­Fern­wär­meV zuläs­si­ge Ver­trags­lauf­zeit von bis zu 10 Jah­ren des­we­gen als gerecht­fer­tigt ansieht, weil die Fern­wär­me­ver­sor­gung den Ver­sor­ger zu hohen Inves­ti­tio­nen zwingt. Hier­an fehl­te es im Streit­fall, weil die Beklag­te die der Klä­ge­rin gehö­ren­de und von die­ser zu unter­hal­ten­de Anla­ge nur zu einem sym­bo­li­schen Pacht­zins von 1 €/Jahr gepach­tet hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat wei­ter ent­schie­den, dass die Lauf­zeit­klau­sel nicht der Inhalts­kon­trol­le des § 307 BGB stand­hält, da es man­gels hoher Inves­ti­ti­ons- und Vor­hal­te­kos­ten auf Sei­ten der Beklag­ten an einer sach­li­chen Recht­fer­ti­gung für die zehn­jäh­ri­ge Ver­trags­bin­dung fehlt. Eine Auf­recht­erhal­tung der Klau­sel mit einer kür­ze­ren Lauf­zeit kam wegen des Ver­bots der gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on unan­ge­mes­se­ner All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht in Betracht.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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