(Kiel) Der unter ande­rem für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat soeben ent­schie­den, dass der Han­del mit Mar­ken­par­fü­mi­mi­ta­ten nicht als unlau­te­re ver­glei­chen­de Wer­bung nach § 6 Abs. 2 Nr. 6 UWG unter­sagt wer­den kann, wenn kei­ne kla­re und deut­li­che Imi­ta­ti­ons­be­haup­tung erfolgt, son­dern ledig­lich Asso­zia­tio­nen an die Ori­gi­na­le geweckt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 5. Mai 2011 — I ZR 157/09 — Crea­ti­on Lamis

Die Beklag­ten bie­ten im Inter­net unter der Mar­ke “Crea­ti­on Lamis” nied­rig­prei­si­ge Par­füms an, deren Duft dem­je­ni­gen bestimm­ter teu­re­rer Mar­ken­par­füms ähnelt. Dabei hat­ten sie zunächst Bestell­lis­ten ver­wen­det, in denen den Imi­ta­ten jeweils ein teu­re­res Mar­ken­pro­dukt gegen­über­ge­stellt wur­de. Seit meh­re­ren Jah­ren benut­zen sie der­ar­ti­ge Bestell­lis­ten aber nicht mehr. Die Klä­ge­rin, die hoch­prei­si­ge Par­füms bekann­ter Mar­ken ver­treibt, hält das Ange­bot, die Wer­bung und den Ver­trieb der Par­fü­mi­mi­ta­te für wett­be­werbs­wid­rig, weil sie als Nach­ah­mung der Ori­gi­na­le zu erken­nen sei­en.

Soweit den Beklag­ten der Han­del mit den Imi­ta­ten auch ohne Benut­zung von Ver­gleichs­lis­ten unter­sagt wer­den soll, ist die Kla­ge in den Vor­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat auf die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, so Dr. Ise­le.

Das Ver­bot des § 6 Abs. 2 Nr. 6 UWG rich­tet sich nicht dage­gen, ein Ori­gi­nal­pro­dukt nach­zu­ah­men. Für eine nach die­ser Bestim­mung unlau­te­re ver­glei­chen­de Wer­bung genügt es des­halb nicht, dass das Ori­gi­nal­pro­dukt auf­grund der Auf­ma­chung und Bezeich­nung der Imi­ta­te ledig­lich erkenn­bar wird und mit der Wer­bung ent­spre­chen­de Asso­zia­tio­nen geweckt wer­den. Ver­bo­ten ist viel­mehr eine deut­li­che Imi­ta­ti­ons­be­haup­tung, aus der — ohne Berück­sich­ti­gung sons­ti­ger, erst zu ermit­teln­der Umstän­de — her­vor­geht, dass das Pro­dukt des Wer­ben­den gera­de als Imi­ta­ti­on des Ori­gi­nal­pro­dukts bewor­ben wird.

Für die Fra­ge, ob eine kla­re und deut­li­che Imi­ta­ti­ons­be­haup­tung vor­liegt, hat das Beru­fungs­ge­richt allein auf die Sicht der End­ver­brau­cher abge­stellt und die Fra­ge inso­weit im Streit­fall ver­neint. Die zugrun­de lie­gen­den Fest­stel­lun­gen hat das Beru­fungs­ge­richt — so der BGH — rechts­feh­ler­frei getrof­fen. Das Beru­fungs­ur­teil ent­hielt jedoch kei­ne Fest­stel­lun­gen zum Vor­trag der Klä­ge­rin, die Beklag­ten hät­ten sich mit ihren Par­fü­mi­mi­ta­ten auch an Händ­ler gewandt, die wegen ihrer spe­zi­el­len Kennt­nis­se auf­grund der Bezeich­nun­gen und Aus­stat­tung der Par­fü­mi­mi­ta­te in der Wer­bung eine kla­re Imi­ta­ti­ons­be­haup­tung erkannt hät­ten. Rich­tet sich die bean­stan­de­te Wer­bung an ver­schie­de­ne Ver­kehrs­krei­se, reicht es für die Unlau­ter­keit aus, wenn deren Vor­aus­set­zun­gen im Hin­blick auf einen die­ser Ver­kehrs­krei­se erfüllt sind. Der BGH hat daher das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt wird auch noch zu prü­fen haben, ob die Wer­bung der Beklag­ten gegen­über Händ­lern eine unan­ge­mes­se­ne Aus­nut­zung des Rufs der Mar­ken der Klä­ge­rin dar­stellt.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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