(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gehal­ten sind, eine Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen, ob ein Aus­tausch eines Was­ser­zäh­lers im Inter­es­se des Kun­den vor­zu­neh­men ist, wenn sich der tech­ni­sche Stan­dard in einem wesent­li­chen Maße ändert und beach­tens­wer­te Inter­es­sen des Kun­den gel­tend gemacht wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 21. April 2010 – VIII ZR 97/09.


Die Klä­ge­rin, eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft, ver­langt von dem beklag­ten Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men den Aus­tausch eines Was­ser­zäh­lers. Die Beklag­te ver­sorgt die Woh­nungs­ei­gen­tums­an­la­ge der Klä­ge­rin seit Jah­ren mit Was­ser und ent­sorgt das Abwas­ser. Bei der Woh­nungs­ei­gen­tums­an­la­ge han­delt es sich um ein Mehr­fa­mi­li­en­haus mit 21 Woh­nun­gen. Das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men hat als Ent­nah­me­ar­ma­tur einen Was­ser­zäh­ler der Grö­ße Qn 6 (mit einem Nenn­durch­fluss von 6 m³/h) ein­ge­baut. Im Janu­ar 2007 bat die Klä­ge­rin um einen Ein­bau eines Was­ser­zäh­lers Qn 2,5 (mit einem Nenn­durch­fluss von 2,5 m³/h). Dies lehn­te das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men mit der Begrün­dung ab, dass es dadurch zu Beein­träch­ti­gun­gen der Ver­sor­gung nach Men­ge und Druck kom­men kön­ne. Nach dem ab 1. Janu­ar 2007 gül­ti­gen Preis­blatt des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens beträgt der Grund­preis für die Bereit­stel­lung des Was­sers bei Was­ser­zäh­lern mit einer Nenn­leis­tung von 2,5 m³/h ab 401 m³ pro Jahr 29,50 € net­to pro Monat. Bei Was­ser­zäh­lern mit einer Nenn­leis­tung bis Qn 6 beträgt der Grund­preis für die Bereit­stel­lung des Was­sers ab 501 m³ pro Jahr 68 € net­to pro Monat. Im erst­ge­nann­ten Fall beträgt der Ser­vice­preis für Schmutz­was­ser 15 € pro m³ und im letzt­ge­nann­ten Fall 36 € pro m³.


Die Klä­ge­rin meint, vor dem Hin­ter­grund der mehr als 130 Pro­zent höhe­ren Kos­ten beim Ein­bau eines Zäh­lers Qn 6 hät­te die Beklag­te bei Aus­übung ihres Ermes­sens nach § 18 AVB­Was­serV einen Zäh­ler der Grö­ße Qn 2,5 ein­bau­en müs­sen. Mit der Kla­ge hat die Klä­ge­rin ver­langt, den Was­ser­zäh­ler Qn 6 durch einen Was­ser­zäh­ler Qn 2,5 zu erset­zen. Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.


Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat das Beru­fungs­ur­teil auf die Revi­si­on der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft auf­ge­ho­ben, betont Klar­mann.


Denn nach der­zei­ti­gem Stand hat die Beklag­te mit der Ver­wei­ge­rung des Ein­baus eines Was­ser­zäh­lers der Dimen­sio­nie­rung Qn 2,5 ihr Leis­tungs­be­stim­mungs­recht gemäß § 18 Abs. 2 Satz 2 und 4 AVB­Was­serV nicht ermes­sens­feh­ler­frei aus­ge­übt.


In dem Ver­trags­ver­hält­nis der Par­tei­en bestehen Schutz- und Rück­sicht­nah­me­pflich­ten. Aus die­sen folgt ein Anspruch auf erneu­te Aus­übung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts jeden­falls dann, wenn sich der tech­ni­sche Stan­dard, der einen Ein­fluss auf die Aus­wahl der Mess­ge­rä­te hat, in einem wesent­li­chen Maße ändert und beach­tens­wer­te Inter­es­sen des Kun­den gel­tend gemacht wer­den. Ein sol­ches Inter­es­se ist hier ins­be­son­de­re dar­in zu sehen, dass der Grund- und Ser­vice­preis für die Leis­tun­gen der Beklag­ten und damit die Kos­ten­be­las­tung des Kun­den von der Dimen­sio­nie­rung des Was­ser­zäh­lers abhän­gen. Das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ist danach gehal­ten, eine neue Ermes­sens-ent­schei­dung zu tref­fen, ob ein Aus­tausch des Was­ser­zäh­lers unter Berück­sich-tigung des aktu­el­len Stan­des der Tech­nik im Inter­es­se des Kun­den vor­zu­neh­men ist. Das Land­ge­richt hat zu Unrecht eine feh­ler­freie Ermes­sens­ent­schei­dung des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens ange­nom­men. Es hat ins­be­son­de­re kei­ne aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zum aktu­el­len Stand der Tech­nik getrof­fen.


Die Sache ist an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen wor­den, damit nähe­re Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen wer­den kön­nen, ob ein Was­ser­zäh­ler Qn 2,5 in der Wohn­an­la­ge der Klä­ge­rin dem Stand der Tech­nik ent­spricht.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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