(Kiel) Der unter ande­rem für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass ein Pres­se­un­ter­neh­men einen von einem Unter­neh­men bezahl­ten redak­tio­nel­len Bei­trag in einer Zei­tung deut­lich mit dem Begriff “Anzei­ge” kenn­zeich­nen muss.


Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 6.02.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. I ZR 2/11 — GOOD NEWS II.


Die Klä­ge­rin gibt das “Stutt­gar­ter Wochen­blatt” her­aus. Die Beklag­te ist Ver­le­ge­rin des kos­ten­lo­sen Anzei­gen­blatts “GOOD NEWS”. Sie ver­öf­fent­lich­te in der Aus­ga­be Juni 2009 zwei Bei­trä­ge, für die sie von Spon­so­ren ein Ent­gelt erhal­ten hat­te. Das hat­te die Beklag­te mit dem Hin­weis “spon­so­red by” und der gra­phisch her­vor­ge­ho­be­nen Anga­be des wer­ben­den Unter­neh­mens kennt­lich gemacht.


Die Klä­ge­rin ist der Auf­fas­sung, die­ses Ver­hal­ten ver­sto­ße gegen § 4 Nr. 11 UWG in Ver­bin­dung mit § 10 Lan­des­pres­se­ge­setz Baden-Würt­tem­berg (LPres­seG BW), weil die Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht hin­rei­chend als Anzei­ge gekenn­zeich­net sei­en. Sie hat die Beklag­te des­halb auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.


Das Land­ge­richt hat die Beklag­te antrags­ge­mäß ver­ur­teilt. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung ist ohne Erfolg geblie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Vor­schrift des § 10 LPres­seG BW, die neben dem Ver­brau­cher­schutz auch dem Schutz der Unab­hän­gig­keit der Pres­se dient und zum Teil stren­ge­re Anfor­de­run­gen an die Kennt­lich­ma­chung redak­tio­nel­ler Wer­bung stellt als die Richt­li­nie 2005/29/EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken, im Ein­klang mit die­ser Richt­li­nie steht. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat hier­zu ent­schie­den, dass für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on der Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken nicht eröff­net ist.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen und damit das von den Vor­in­stan­zen aus­ge­spro­che­ne Ver­bot bestä­tigt, so Dr. Ise­le.


Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts hat­te die Beklag­te für die Ver­öf­fent­li­chung der bei­den redak­tio­nell auf­ge­mach­ten Bei­trä­ge ein Ent­gelt erhal­ten. § 10 LPres­seG BW erfor­dert nicht, dass das Ent­gelt für einen bestimm­ten Inhalt der Ver­öf­fent­li­chung oder für einen im Vor­hin­ein fest­ge­leg­ten Arti­kel bezahlt wur­de. Es kommt nur dar­auf an, dass der Ver­le­ger eines peri­odi­schen Druck­werks für eine Ver­öf­fent­li­chung ein Ent­gelt erhal­ten hat.


Das strik­te Gebot der Kennt­lich­ma­chung von Anzei­gen wird ver­letzt, wenn der prä­zi­se Begriff der “Anzei­ge” ver­mie­den und statt­des­sen ein unschar­fer Begriff gewählt wird. Die Kenn­zeich­nung der Bei­trä­ge mit den Wör­tern “spon­so­red by” reich­te daher zur Ver­deut­li­chung des Anzei­gen­cha­rak­ters der Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht aus.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 


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