(Kiel) Der u.a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat am 01. Juni 2011 ent­schie­den, dass Lern­spie­le nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art urhe­ber­recht­lich geschützt sein kön­nen.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts zur Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 1. Juni 2011 — I ZR 140/09 – Lern­spie­le.

Die Klä­ge­rin ent­wi­ckelt und ver­treibt Lern­spie­le, die aus meh­re­ren Übungs­hef­ten und einem Kon­troll­ge­rät bestehen. Die Lern­spie­le wer­den in drei Vari­an­ten ange­bo­ten, denen die­sel­be Spiel­idee zugrun­de liegt. So besteht das Kon­troll­ge­rät eines der Lern­spie­le aus einem fla­chen Kunst­stoff­kas­ten, in dem zwölf qua­dra­ti­sche Plätt­chen in zwei Rei­hen zu je sechs Plätt­chen auf dafür vor­ge­se­he­nen Fel­dern lie­gen. Die Plätt­chen sind auf der Vor­der­sei­te von eins bis zwölf durch­num­me­riert und auf der Rück­sei­te mit roten, blau­en oder grü­nen Farb­mus­tern ver­se­hen. Die Auf­ga­be des Anwen­ders besteht dar­in, die Plätt­chen nach der Auf­ga­ben­stel­lung des Übungs­hef­tes einem bestimm­ten Feld zuzu­ord­nen. Hat der Anwen­der die Auf­ga­be rich­tig gelöst, kann er dies, wenn er das Kon­troll­ge­rät umdreht, dar­an erken­nen, dass die Rück­sei­ten der Plätt­chen ein har­mo­ni­sches, im Übungs­heft zur Kon­trol­le abge­bil­de­tes Mus­ter bil­den.

Die Beklag­te hat Lern­spie­le her­ge­stellt und ver­trie­ben, die weit­ge­hend nach dem­sel­ben Prin­zip wie die Lern­spie­le der Klä­ge­rin funk­tio­nie­ren. Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, die Beklag­te habe dadurch das Urhe­ber­recht an ihren Lern­spie­len ver­letzt. Sie nimmt die Beklag­te auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, so Scheel-Pötzl.

Nach Ansicht des BGH kön­nen die Lern­spie­le der Klä­ge­rin als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG urhe­ber­recht­lich geschützt sein. Für Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art ist es begriffs­we­sent­lich, dass sie der Ver­mitt­lung von beleh­ren­den oder unter­rich­ten­den Infor­ma­tio­nen die­nen. Die Kon­troll­ge­rä­te ver­mit­teln im Zusam­men­spiel mit den Übungs­hef­ten sol­che Infor­ma­tio­nen. Bereits der Dar­stel­lung ein­fachs­ter “wis­sen­schaft­li­cher” Erkennt­nis­se kann Urhe­ber­rechts­schutz zukom­men. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung sei aus­ge­schlos­sen, weil sich die Inhal­te und Auf­ga­ben der Übungs­hef­te der Beklag­ten von denen der Klä­ge­rin unter­schei­den. Nach Auf­fas­sung des BGH kann mit die­ser Begrün­dung eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung nicht ver­neint wer­den. Für den Urhe­ber­rechts­schutz einer Dar­stel­lung wis­sen­schaft­li­cher Art ist der dar­ge­stell­te Inhalt ohne Bedeu­tung. Es kommt nicht dar­auf an, was, son­dern wie etwas dar­ge­stellt wird. Nur die Form der Dar­stel­lung kann deren Urhe­ber­rechts­schutz begrün­den.

Das Beru­fungs­ge­richt wird daher zu prü­fen haben, ob die Lern­spie­le der Klä­ge­rin eine so eigen­tüm­li­che Form­ge­stal­tung auf­wei­sen, dass sie als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art Urhe­ber­rechts­schutz genie­ßen. Hier­für reicht es schon aus, dass sich die Gestal­tung vom all­täg­li­chen Schaf­fen im betrof­fe­nen Bereich der Lern­spie­le abhebt, auch wenn das Maß der geis­ti­gen Leis­tung und indi­vi­du­el­len Prä­gung gering ist. Soll­ten die Lern­spie­le der Klä­ge­rin aller­dings nur ein gerin­ges Maß an Eigen­tüm­lich­keit haben, könn­ten bereits ver­hält­nis­mä­ßig gering­fü­gi­ge Abwei­chun­gen in der Gestal­tung der Lern­spie­le der Beklag­ten zur Fol­ge haben, dass kei­ne Urhe­ber­rechts­ver­let­zung vor­liegt. Auch dies wird das Beru­fungs­ge­richt gege­be­nen­falls zu prü­fen haben. 

Scheel-Pötzl emp­fahl, dies zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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