(Kiel) Der für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat über die Berech­nung des Rück­kaufs­werts von Lebens­ver­si­che­run­gen nach erfolg­ter Kün­di­gung ent­schie­den.


Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 11.09.2013 zu sei­nen Urtei­len vom sel­ben Tage, Az.: IV ZR 17/13 und IV ZR 114/13.


In den zur Beur­tei­lung anste­hen­den Fäl­len schlos­sen die kla­gen­den Ver­si­che­rungs­neh­mer jeweils im Jahr 2004 Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge, die sie 2009 kün­dig­ten. Die beklag­ten Ver­si­che­rer rech­ne­ten den von ihnen auf der Grund­la­ge der ver­ein­bar­ten All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ermit­tel­ten Rück­kaufs­wert ab und zahl­ten die­sen aus. Die Klä­ger ver­lan­gen eine höhe­re Zah­lung und beru­fen sich dar­auf, dass der Bun­des­ge­richts­hof mit sei­nem Urteil vom 25. Juli 2012 (IV ZR 201/10, BGHZ 194, 208; Pres­se­mit­tei­lung Nr. 122/12) Klau­seln, die vor­se­hen, dass die Abschluss­kos­ten im Wege des so genann­ten Zill­mer­ver­fah­rens mit den ers­ten Bei­trä­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers ver­rech­net wer­den, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers für unwirk­sam erach­tet hat. Um der­ar­ti­ge Klau­seln han­delt es sich auch in den hier zu beur­tei­len­den Fäl­len.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te in sei­ner Ent­schei­dung vom 25. Juli 2012 nicht zu beur­tei­len, wel­che Rechts­fol­gen sich aus der mate­ri­el­len Unwirk­sam­keit die­ser Klau­seln für die Berech­nung des Rück­kaufs­werts bei vor­zei­ti­ger Kün­di­gung erge­ben. Die­se Fra­ge hat er nun­mehr ent­schie­den. Danach ist die Ver­trags­lü­cke, die durch die Unwirk­sam­keit der Klau­seln über die Berech­nung des Rück­kaufs­werts und der Ver­rech­nung der Abschluss­kos­ten ent­steht, im Wege ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung dahin zu schlie­ßen, dass dem Ver­si­che­rungs­neh­mer für den Fall der vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung zunächst die ver­spro­che­ne Leis­tung zusteht. Der ver­ein­bar­te Betrag der bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­sum­me und des Rück­kaufs­werts darf aber einen Min­dest­be­trag nicht unter­schrei­ten, der durch die Hälf­te des mit den Rech­nungs­grund­la­gen der Prä­mi­en­kal­ku­la­ti­on berech­ne­ten unge­zill­mer­ten Deckungs­ka­pi­tals bestimmt wird. Der Bun­des­ge­richts­hof hat inso­weit sei­ne Recht­spre­chung zur Berech­nung des Rück­kaufs­werts bei wegen Intrans­pa­renz unwirk­sa­men Klau­seln aus der Tarif­ge­nera­ti­on 1994 – 2001 (Urteil vom 12. Okto­ber 2005 – IV ZR 162/03, BGHZ 164, 297) fort­ge­führt und auch auf die Berech­nung des Rück­kaufs­werts von bis Ende 2007 geschlos­se­nen Ver­trä­gen erstreckt, bei denen die Klau­seln über die Berech­nung des Rück­kaufs­werts und die Ver­rech­nung der Abschluss­kos­ten wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers unwirk­sam sind. Damit wer­den bei der Berech­nung des Rück­kaufs­werts alle bis Ende 2007 geschlos­se­nen Ver­trä­ge, denen die genann­ten unwirk­sa­men Klau­seln zugrun­de lagen, nach den­sel­ben Grund­sät­zen behan­delt.


Erst bei ab 2008 geschlos­se­nen Ver­trä­gen ist für die Berech­nung des Rück­kaufs­werts die Rege­lung des § 169 Abs. 3 Satz 1 VVG maß­geb­lich. Eine rück­wir­ken­de Anwen­dung der Vor­schrift auf vor dem 1. Janu­ar 2008 geschlos­se­ne Ver­trä­ge kommt dem­ge­gen­über aus­weis­lich des gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens nicht in Betracht.
Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

 

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