(Kiel) Der für das Bank- und Bör­sen­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Grund­sät­ze für eine Haf­tung des Kar­ten­in­ha­bers bei miss­bräuch­li­chen Abhe­bun­gen von Bar­geld an Geld­au­to­ma­ten mit Kar­te und Geheim­zahl fort­ent­wi­ckelt sowie über die Aus­le­gung von Klau­seln in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­schie­den, die die­se Haf­tung regeln.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf eine Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 29.11.2011 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: XI ZR 370/10.

In dem der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall wur­de dem Beklag­ten von der kla­gen­den Bank eine Kre­dit­kar­te zur Ver­fü­gung gestellt, die zur Abhe­bung von Bar­geld an Geld­au­to­ma­ten zuge­las­sen war. In den zugrun­de lie­gen­den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen hat die Bank den Höchst­be­trag für Bar­geld­aus­zah­lun­gen auf 1.000 € pro Tag begrenzt. Wei­ter war danach der Kar­ten­in­ha­ber ver­pflich­tet, Ver­lust oder fest­ge­stell­ten Miss­brauch der Kar­te der Bank unver­züg­lich anzu­zei­gen. Bis zum Ein­gang die­ser Ver­lust­mel­dung soll­te er grund­sätz­lich nur bis zu einem Höchst­be­trag von 50 € haf­ten.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 2009 kam es an Geld­au­to­ma­ten von Kre­dit­in­sti­tu­ten in Ham­burg zu ins­ge­samt sechs Abhe­bun­gen zu je 500 €, wobei die per­sön­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (PIN) des Beklag­ten ver­wen­det wur­de. Die Klä­ge­rin belas­te­te das Giro­kon­to des Beklag­ten mit den abge­ho­be­nen Beträ­gen im Last­schrift­ver­fah­ren. Der Beklag­te wider­sprach den Abbu­chun­gen und kün­dig­te den Kre­dit­kar­ten­ver­trag.

Die kla­gen­de Bank begehrt von dem Beklag­ten im Wege des Scha­dens­er­sat­zes Aus­gleich der Belas­tungs­bu­chun­gen und der Gebüh­ren für Rück­last­schrif­ten sowie für die Erstel­lung eines Kon­to­aus­zugs in Höhe von ins­ge­samt noch 2.996 €. Sie ist der Ansicht, der Beklag­te habe die Geheim­hal­tungs­pflicht hin­sicht­lich der ver­wen­de­ten PIN ver­letzt. Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Beru­fung des Beklag­ten ist erfolg­los geblie­ben.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auf die Revi­si­on des Beklag­ten das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit an das Land­ge­richt zur erneu­ten Ent­schei­dung zurück­ver­wie­sen, betont Hün­lein.

Zwar kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (Senats­ur­teil vom 5. Okto­ber 2004 – XI ZR 210/03, BGHZ 160, 308, 314 f.; Senats­be­schluss vom 6. Juli 2010 – XI ZR 224/09, WM 2011, 924 Rn. 10) in Fäl­len, in denen an Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten unter Ver­wen­dung der zutref­fen­den Geheim­zahl Geld abge­ho­ben wur­de, der Beweis des ers­ten Anscheins dafür spre­chen, dass ent­we­der der Kar­ten­in­ha­ber die Abhe­bun­gen selbst vor­ge­nom­men hat oder – was hier nach der Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts allein in Betracht kam – dass ein Drit­ter nach der Ent­wen­dung der Kar­te von der Geheim­num­mer nur wegen ihrer Ver­wah­rung gemein­sam mit der Kar­te Kennt­nis erlan­gen konn­te. Das setzt aber vor­aus, dass bei der miss­bräuch­li­chen Abhe­bung die Ori­gi­nal­kar­te ein­ge­setzt wor­den ist, da bei Abhe­bung mit­hil­fe einer ohne Kennt­nis des Inha­bers gefer­tig­ten Kar­ten­ko­pie (z.B. durch Skim­ming) kein typi­scher Gesche­hens­ab­lauf dafür spricht, Ori­gi­nal­kar­te und Geheim­zahl sei­en gemein­sam auf­be­wahrt wor­den. Den Ein­satz der Ori­gi­nal­kar­te hat dabei die Scha­dens­er­satz begeh­ren­de Bank zu bewei­sen.

Wei­ter erfasst eine von der kon­to­füh­ren­den Bank im kon­kre­ten Fall in ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ver­wen­de­te Klau­sel, nach der bis zum Ein­gang einer Ver­lust­mel­dung der Kar­ten­in­ha­ber nur bis zu einem Höchst­be­trag von 50 EUR haf­ten soll, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts auch die Haf­tung des Kar­ten­in­ha­ber bei schuld­haf­ter Ver­let­zung sei­ner Sorg­falts­pflich­ten. Der beklag­te Kar­ten­in­ha­ber kann sich damit auf die Haf­tungs­gren­ze von 50 Euro unab­hän­gig davon beru­fen, ob er schuld­haft gehan­delt hat.

Schließ­lich schützt ein in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Bank fest­ge­leg­ter Höchst­be­trag für Bar­geld­aus­zah­lun­gen pro Tag mit einer kon­kre­ten Kar­te auch den Kar­ten­in­ha­ber, sodass des­sen Haf­tung im Fal­le eines Kar­ten­miss­brauchs auf die­sen Betrag begrenzt sein kann, wenn die die Kar­te aus­stel­len­de Bank ihrer Pflicht, die Ein­hal­tung die­ses Höchst­be­trags zu sichern, nicht genügt hat.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies und den wei­te­ren Fort­gang zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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