(Kiel) Der unter ande­rem für das Kenn­zei­chen­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat soeben ent­schie­den, ob der admi­nis­tra­ti­ve Ansprech­part­ner, der bei Regis­trie­rung eines Domain­na­mens immer dann benannt wer­den muss, wenn der Anmel­der nicht im Inland wohnt, in Fäl­len in Anspruch genom­men wer­den kann, in denen der regis­trier­te Domain­na­me Rech­te Drit­ter ver­letzt.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Gewerb­li­chen Rechts­schutz und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL.M. von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 9.11.2011 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage – Az.: I ZR 150/09 — Bas­ler Haar­kos­me­tik.

Die Klä­ge­rin betreibt unter der Bezeich­nung “Bas­ler Haar-Kos­me­tik” unter ande­rem im Inter­net einen Ver­sand­han­del für Haar­kos­me­tik­pro­duk­te und Fri­seur­be­darf. Sie fühlt sich durch eine unter dem Domain­na­men www.baslerhaarkosmetik.de regis­trier­te Inter­net­sei­te in ihrem Namens­recht ver­letzt. Der Domain­na­me ist von einer in Groß­bri­tan­ni­en ansäs­si­gen Gesell­schaft bei der DENIC, der Genos­sen­schaft, die die Domain­na­men mit dem Top-Level-Domain “.de” ver­gibt, ange­mel­det wor­den. Als admi­nis­tra­ti­ver Ansprech­part­ner (soge­nann­ter Admin‑C) für den Domain­na­men war der Beklag­te regis­triert.

Die Klä­ge­rin wand­te sich mit einem Schrei­ben ihres Rechts­an­walts an den Beklag­ten und for­der­te die­sen zur Löschung des Domain­na­mens auf. Der Domain­na­me wur­de dar­auf­hin gelöscht. Im vor­lie­gen­den Rechts­streit ver­langt die Klä­ge­rin von dem Beklag­ten Erstat­tung der ihr durch die Abmah­nung ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten. Das Land­ge­richt Stutt­gart hat den Beklag­ten antrags­ge­mäß zur Zah­lung ver­ur­teilt, das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat das land­ge­richt­li­che Urteil auf die Beru­fung des Beklag­ten abge­än­dert und die Kla­ge abge­wie­sen. Ein Anspruch auf Erstat­tung der Abmahn­kos­ten hängt davon ab, ob der Klä­ge­rin im Zeit­punkt der Abmah­nung ein Anspruch auf Löschung des Domain­na­mens nicht nur gegen den Domain­in­ha­ber, son­dern auch gegen den Beklag­ten als Admin‑C zustand. Das Ober­lan­des­ge­richt hat­te die­se Fra­ge ver­neint.

Die­se Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, so betont Leis.

Ein Anspruch gegen­über dem Admin‑C kann sich aus dem Gesichts­punkt der Stö­rer­haf­tung erge­ben. Die dafür erfor­der­li­che Ver­let­zung zumut­ba­rer Prü­fungs­pflich­ten ergibt sich aller­dings noch nicht aus der Stel­lung des Beklag­ten als Admin‑C an sich. Denn des­sen Funk­ti­ons- und Auf­ga­ben­be­reich bestimmt sich allein nach dem zwi­schen der DENIC und dem Domain­in­ha­ber abge­schlos­se­nen Domain­ver­trag, wonach sich der Auf­ga­ben­be­reich des Admin‑C auf die Erleich­te­rung der admi­nis­tra­ti­ven Durch­füh­rung des Domain­ver­tra­ges beschränkt. Unter bestimm­ten Umstän­den kann den Admin‑C aber — so der Bun­des­ge­richts­hof — eine beson­de­re Prü­fungs­pflicht hin­sicht­lich des Domain­na­mens tref­fen, des­sen Regis­trie­rung er durch sei­ne Bereit­schaft, als Admin‑C zu wir­ken, ermög­licht. Im Streit­fall hat­te sich der Beklag­te gegen­über der in Groß­bri­tan­ni­en ansäs­si­gen Inha­be­rin des Domain­na­mens gene­rell bereit erklärt, für alle von ihr regis­trier­ten Domain­na­men als Admin‑C zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Fer­ner hat­te die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen, dass die bri­ti­sche Gesell­schaft in einem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren frei­wer­den­de Domain­na­men ermit­telt und auto­ma­tisch regis­trie­ren lässt, so dass auf der Ebe­ne des Anmel­ders und Inha­bers des Domain­na­mens kei­ner­lei Prü­fung statt­fin­det, ob die ange­mel­de­ten Domain­na­men Rech­te Drit­ter ver­let­zen könn­ten. Bei die­ser Ver­fah­rens­wei­se besteht im Hin­blick dar­auf, dass auch bei der DENIC eine sol­che Prü­fung nicht statt­fin­det, eine erhöh­te Gefahr, dass für den Domain­in­ha­ber rechts­ver­let­zen­de Domain­na­men regis­triert wer­den. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof eine Pflicht des Admin‑C bejaht, von sich aus zu über­prü­fen, ob die auto­ma­ti­siert regis­trier­ten Domain­na­men Rech­te Drit­ter ver­let­zen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen, das nun noch klä­ren muss, ob die von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen beson­de­ren Umstän­de vor­lie­gen und der Beklag­te davon Kennt­nis hat­te oder haben muss­te.

Leis emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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