(Kiel) Der u. a. für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat über die Wirk­sam­keit von Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen u.a. betref­fend die Rück­kaufs­wer­te, den Stor­no­ab­zug sowie die Ver­rech­nung von Abschluss­kos­ten (so genann­te Zill­me­rung) ent­schie­den.

Betrof­fen sind Klau­seln in All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen für eine kapi­tal­bil­den­de Lebens­ver­si­che­rung, eine auf­ge­scho­be­ne und eine fonds­ge­bun­de­ne Ren­ten­ver­si­che­rung für den Fall der Kün­di­gung sowie der Umwand­lung in eine bei­trags­freie Ver­si­che­rung.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 25.07.2012 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az. IV ZR 201/10.

Der Klä­ger ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­brau­cher­schutz­ver­ein. Die Beklag­te ist eine deut­sche Lebens­ver­si­che­rungs-AG. Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Bestim­mun­gen der genann­ten Art, die die Beklag­te jeden­falls zeit­wei­se im Zeit­raum 2001 bis Ende 2006 ver­wen­de­te. Der Klä­ger nimmt die Beklag­te auf Unter­las­sung der Ver­wen­dung der ange­grif­fe­nen Klau­seln sowohl beim Abschluss neu­er Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge als auch bei der Abwick­lung bereits geschlos­se­ner Ver­trä­ge in Anspruch. Die Kla­ge hat in den Vor­in­stan­zen über­wie­gend Erfolg gehabt. Das Beru­fungs­ge­richt hat die ange­grif­fe­nen Klau­seln im Wesent­li­chen für intrans­pa­rent und damit unwirk­sam erach­tet. Es hat aber die Kla­ge abge­wie­sen, soweit der Klä­ger sich gegen die Ver­ur­tei­lung bezüg­lich der Ver­wen­dung der Klau­seln für Neu­ab­schlüs­se ab 1. Janu­ar 2008 wen­det. Dage­gen haben bei­de Par­tei­en Revi­si­on ein­ge­legt, soweit zu ihrem Nach­teil erkannt wur­de.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten im Wesent­li­chen zurück­ge­wie­sen, der­je­ni­gen des Klä­gers dage­gen statt­ge­ge­benm so Kroll.

Der Senat hat ent­schie­den, dass Bedin­gun­gen, nach wel­chen die Abschluss­kos­ten, bei denen es sich zu einem erheb­li­chen Teil um Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen han­delt, mit den ers­ten Bei­trä­gen ver­rech­net wer­den, eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers dar­stel­len und des­halb unwirk­sam sind. Die Zill­me­rung führt dazu, dass Ver­si­che­rungs­neh­mer, die ihren Ver­trag bereits nach weni­gen Jah­ren und vor Ablauf der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit kün­di­gen, nur einen gerin­gen oder gege­be­nen­falls gar kei­nen Rück­kaufs­wert erhal­ten. Der Senat hat inso­weit sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung in den Urtei­len vom 9. Mai 2001 (IV ZR 121/00 und 138/99) und vom 12. Okto­ber 2005 (IV ZR 162/03 und 177/03) unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Beschluss vom 15. Febru­ar 2006 (1 BvR 1317/96) wei­ter­ent­wi­ckelt.

Wegen Ver­sto­ßes gegen das Trans­pa­renz­ge­bot hat der Senat fer­ner Klau­seln für unwirk­sam erklärt, die nicht hin­rei­chend deut­lich zwi­schen dem im Fall einer vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung nach den aner­kann­ten Regeln der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik zu berech­nen­den Rück­kaufs­wert (§ 176 Abs. 3 VVG a.F.) einer­seits und ande­rer­seits dem so genann­ten Stor­no­ab­zug, der ver­ein­bart und ange­mes­sen sein muss (§ 176 Abs. 4 VVG a.F.) dif­fe­ren­zie­ren.

Wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers sind fer­ner Bestim­mun­gen unwirk­sam, die vor­se­hen, dass dem Ver­si­che­rungs­neh­mer nach allen Abzü­gen ver­blei­ben­de Beträ­ge unter 10 € nicht erstat­tet wer­den.

Schließ­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass der beklag­te Ver­si­che­rer sich nicht nur bei der Abwick­lung bestehen­der Ver­trä­ge, son­dern auch bei deren Neu­ab­schluss nicht auf die für unwirk­sam erklär­ten Klau­seln beru­fen darf.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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