(Kiel) Der unter ande­rem für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die Hono­rar­be­din­gun­gen, die der Axel-Sprin­ger-Ver­lag sei­nen Ver­trä­gen mit frei­en Jour­na­lis­ten zugrun­de legt, teil­wei­se unwirk­sam sind.

Hier­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Mathi­as Zim­mer-Goertz von der Kanz­lei Bei­ten Burk­hardt und Mit­glied der Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die Mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. (DASV) unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 31.05.2012 zu sei­nem Urteil vom 31. Mai 2012 — I ZR 73/10 — Hono­rar­be­din­gun­gen freie Jour­na­lis­ten.

Der Klä­ger ist der Deut­sche Jour­na­lis­ten­ver­band, der die Inter­es­sen ange­stell­ter und frei­er Jour­na­lis­ten wahr­nimmt. Der beklag­te Axel-Sprin­ger-Ver­lag legt seit Janu­ar 2007 den Ver­trä­gen, die er mit frei­en Jour­na­lis­ten über die Lie­fe­rung von Text- und Bild­bei­trä­gen abschließt, sei­ne “Hono­rar­re­ge­lun­gen Zei­tun­gen” und “Hono­rar­re­ge­lun­gen Zeit­schrif­ten” zugrun­de.

Der Klä­ger hält eine Viel­zahl der in den Hono­rar­re­ge­lun­gen ent­hal­te­nen Klau­seln für unwirk­sam. Er hat des­we­gen den Beklag­ten auf Unter­las­sung der Ver­wen­dung die­ser Hono­rar­re­ge­lun­gen in Anspruch genom­men. Das Land­ge­richt Ber­lin hat der Kla­ge hin­sicht­lich eini­ger Klau­seln statt­ge­ge­ben. Beim Kam­mer­ge­richt hat­ten sowohl der Klä­ger als auch der Beklag­te mit ihren Beru­fun­gen teil­wei­se Erfolg.

Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat der Bun­des­ge­richts­hof nun­mehr eini­ge wei­te­re Klau­seln, die das Kam­mer­ge­richt für unbe­denk­lich erach­tet hat­te, für unwirk­sam erklärt, so Zim­mer-Goertz.

Hin­sicht­lich ande­rer Klau­seln hat­te die Revi­si­on dage­gen kei­nen Erfolg. Im Mit­tel­punkt steht dabei die Bestim­mung, mit der sich der beklag­te Ver­lag umfas­sen­de urhe­ber­recht­li­che Nut­zungs­rech­te an den von den frei­en Jour­na­lis­ten erstell­ten Bei­trä­gen ein­räu­men lässt (“Soweit … nicht anders ver­ein­bart, hat der Ver­lag das zeit­lich, räum­lich und inhalt­lich unbe­schränk­te Recht, die Bei­trä­ge im In- und Aus­land in kör­per­li­cher und unkör­per­li­cher Form digi­tal und ana­log zu nut­zen …”). Die­se Bestim­mung hat der BGH für wirk­sam erach­tet. Im Gegen­satz zum Kam­mer­ge­richt hat der Bun­des­ge­richts­hof jedoch die Ver­gü­tungs­re­ge­lung bean­stan­det, die unter ande­rem bestimmt, dass im ver­ein­bar­ten Hono­rar ein ange­mes­se­ner Anteil für die Ein­räu­mung der umfas­sen­den Nut­zungs­rech­te ent­hal­ten ist.

Der umfas­sen­den Rechts­ein­räu­mung steht ins­be­son­de­re der Schutz­ge­dan­ke des § 31 Abs. 5 UrhG nicht ent­ge­gen, wonach der Urhe­ber mög­lichst weit­ge­hend an den wirt­schaft­li­chen Früch­ten der Ver­wer­tung sei­nes Wer­kes zu betei­li­gen ist. Die­se Bestim­mung kommt — so der Bun­des­ge­richts­hof — als Maß­stab einer Inhalts­kon­trol­le von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB nicht in Betracht. Zum einen han­delt es sich dabei um eine Aus­le­gungs­re­gel, die Inhalt und Umfang der ein­zu­räu­men­den Rech­te grund­sätz­lich der Dis­po­si­ti­on der Ver­trags­par­tei­en über­lässt. Zum ande­ren geht es bei den Klau­seln um Rege­lun­gen, die unmit­tel­bar den Umfang der ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflicht bestim­men. Sie gehö­ren zum Kern­be­reich pri­vat­au­to­no­mer Ver­trags­ge­stal­tung und sind regel­mä­ßig der Inhalts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB ent­zo­gen. Dar­an hat die Ein­füh­rung des § 11 Satz 2 UrhG nichts geän­dert, wonach das Urhe­ber­recht auch der Siche­rung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung für die Nut­zung des Werks dient.

Die Unwirk­sam­keit der Ver­gü­tungs­re­ge­lung hat der Bun­des­ge­richts­hof des­halb auch nur mit dem Trans­pa­renz­ge­bot begrün­det. Danach kann sich eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung einer Bestim­mung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen dar­aus erge­ben, dass die Rege­lung nicht klar und ver­ständ­lich ist; der Ver­wen­der sol­cher Geschäfts­be­din­gun­gen ist viel­mehr gehal­ten, Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners klar, ein­fach und prä­zi­se dar­zu­stel­len. Nach den Hono­rar­re­ge­lun­gen des beklag­ten Ver­la­ges ist jedoch völ­lig unklar, ob der Jour­na­list für wei­ter­ge­hen­de Nut­zun­gen eine geson­der­te Ver­gü­tung erhal­ten soll oder nicht. Die­se Rege­lun­gen ent­hal­ten eine Bestim­mung, nach der inso­fern zu dif­fe­ren­zie­ren ist: Ein­zel­ne in einer Klau­sel auf­ge­führ­te Nut­zun­gen sol­len “in jedem Fall” abge­gol­ten sein. Nach einer wei­te­ren Klau­sel, die das Kam­mer­ge­richt bereits rechts­kräf­tig für unwirk­sam erklärt hat, soll sich die Fra­ge, ob für dar­über hin­aus­ge­hen­de Nut­zun­gen eine geson­der­te Ver­gü­tung geschul­det wird, danach rich­ten, was zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en abge­spro­chen ist. Nach die­ser Rege­lung bleibt es letzt­lich offen, ob und für wel­che wei­ter­ge­hen­den Nut­zun­gen der Ver­lag eine geson­der­te Ver­gü­tung zu zah­len hat.

Das bedeu­tet — so der Bun­des­ge­richts­hof — jedoch nicht, dass undif­fe­ren­zier­te Ver­gü­tungs­re­geln recht­lich unbe­denk­lich sind, bei denen mit dem ver­ein­bar­ten Hono­rar sämt­li­che wei­ter­ge­hen­den Nut­zun­gen abge­gol­ten sind. Denn eine sol­che pau­scha­le Ver­gü­tung wird sich häu­fig nicht als ange­mes­sen erwei­sen und daher zu einer nach­träg­li­chen Ver­trags­an­pas­sung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG füh­ren müs­sen.

Rechts­an­walt Zim­mer-Goertz emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. www.mittelstands-anwaelte.de ver­weist.

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