(Kiel) Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat soeben in zwei par­al­le­len Ver­fah­ren ent­schie­den, dass ein GmbH-Gesell­schaf­ter, der gegen­über einer Bank der Gesell­schafts­schuld bei­getre­ten ist, einem Mit­ge­sell­schaf­ter, an den die Bank ihre For­de­rung gegen die Gesell­schaft abge­tre­ten hat, auch dann per­sön­lich haf­tet, wenn die Antei­le an der Gesell­schaft spä­ter fast voll­stän­dig (hier: 99,94 %) auf den Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter über­ge­hen.


Fer­ner wur­de ent­schie­den, dass der haf­ten­de Gesell­schaf­ter bei ent­spre­chen­der Sat­zungs­ge­stal­tung aus der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen und sein Geschäfts­an­teil ein­ge­zo­gen wer­den kann, wenn des­we­gen die Zwangs­voll­stre­ckung in sei­nen Geschäfts­an­teil von dem Mit­ge­sell­schaf­ter betrie­ben wird und die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen für die­se Maß­nah­men gege­ben sind, ins­be­son­de­re eine Abfin­dung ohne Ver­stoß gegen das Kapi­tal­erhal­tungs­ge­bot (§ 34 Abs. 3, § 30 Abs. 1 GmbHG) gezahlt wer­den kann.


Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter-ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 5. April 2011 — II ZR 263/08 und II ZR 279/08.


In dem einen Ver­fah­ren (II ZR 279/08) geht es um die Haf­tung. Die bei­den Klä­ger und der Beklag­te sind Gesell­schaf­ter einer GmbH, die Mit­te der 90er Jah­re ein Wohn- und Geschäfts­zen­trum in Ber­lin errich­te­te. Für die Finan­zie­rungs­dar­le­hen der GmbH über­nah­men die Klä­ger, die damals mit zusam­men 26,6 % an der GmbH betei­ligt waren, in Höhe von 1,52 Mio. DM die per­sön­li­che Haf­tung und unter­war­fen sich der sofor­ti­gen Zwangs­voll­stre­ckung in ihr gesam­tes Ver­mö­gen. Durch eine Kapi­tal­erhö­hung im Jah­re 2003 sank die Betei­li­gungs­quo­te der Klä­ger an der GmbH auf 0,06 %; die übri­gen Antei­le hält seit­dem der Beklag­te unmit­tel­bar und mit­tel­bar über eine von ihm beherrsch­te ande­re Gesell­schaft. Der Beklag­te, der die Dar­le­hens­for­de­run­gen gegen die GmbH von der Bank erwor­ben hat, betreibt die Zwangs­voll­stre­ckung gegen die Klä­ger. Dage­gen haben die Klä­ger Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge erho­ben.


In dem Par­al­lel­ver­fah­ren (II ZR 263/08) geht es um die Aus­schlie­ßung der Klä­ger aus der GmbH und die Ein­zie­hung ihrer Geschäfts­an­tei­le. Nach der Sat­zung der GmbH schei­det ein Gesell­schaf­ter aus der Gesell­schaft aus, wenn sein Anteil gepfän­det wird und es ihm – wie hier — nicht gelingt, die Pfän­dung inner­halb von 6 Wochen abzu­wen­den. Die Klä­ger haben ihre — gestützt auf die­se Sat­zungs­be­stim­mung — beschlos­se­ne Aus­schlie­ßung und die Ein­zie­hung ihrer Geschäfts­an­tei­le ange­foch­ten.


Im Ver­fah­ren II ZR 279/08 hat das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen, das Beru­fungs­ge­richt ihr aber im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben, weil die Zwangs­voll­stre­ckung durch den Beklag­ten treu­wid­rig sei. Im Ver­fah­ren II ZR 263/08 hat das Land­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Beru­fungs­ge­richt hat hin­ge­gen nur die Ein­zie­hung der Geschäfts­an­tei­le für unwirk­sam erklärt, die Aus­schlie­ßung aber bestä­tigt.


Die Beru­fungs­ge­rich­te haben die Fra­ge, ob den Klä­gern gegen die GmbH ein Anspruch auf Befrei­ung von der Mit­haf­tung für die Schul­den der GmbH zusteht und ob die­ser Befrei­ungs­an­spruch auch gegen den Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter durch­greift, unter­schied­lich beant­wor­tet. Wäh­rend das OLG Hamm in dem Aus­schlie­ßungs­pro­zess einen Durch­griff wegen der Tren­nung von Gesell­schafts- und Gesell­schaf­ter­sphä­re ablehnt, durch­bricht das OLG Düs­sel­dorf in dem Pro­zess über die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge die­ses Prin­zip unter Beru­fung auf Treu und Glau­ben.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge abge­wie­sen, betont Dr. Gie­se­ler.


Er hat einen Befrei­ungs­an­spruch der in Anspruch genom­me­nen Gesell­schaf­ter gegen den voll­stre­cken­den Mit­ge­sell­schaf­ter abge­lehnt. Der Mit­ge­sell­schaf­ter tritt den Gesell­schaf­tern als Rechts­nach­fol­ger der Bank ent­ge­gen. Des­halb hat er die­sel­ben Rech­te wie die Bank. Aus dem Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter ergibt sich hier nichts ande­res.


Der Anfech­tungs­kla­ge gegen den Aus­schlie­ßungs- und Ein­zie­hungs­be­schluss hat der Bun­des­ge­richts­hof dage­gen ins­ge­samt statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat­te rich­tig gese­hen, dass der Ein­zie­hungs­be­schluss unwirk­sam ist, weil bei sei­ner Fas­sung fest­stand, dass die Abfin­dung nicht aus frei­em Ver­mö­gen der GmbH gezahlt wer­den kann. Dann aber ist auch der Beschluss über die Aus­schlie­ßung der Klä­ger unwirk­sam. Denn auch dafür muss es zumin­dest mög­lich sein, dass die Abfin­dung aus frei­em Ver­mö­gen gezahlt wer­den kann. Das war hier nicht der Fall, weil die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung den Aus­schlie­ßungs­be­schluss mit dem Ein­zie­hungs­be­schluss ver­bun­den hat­te. Damit bestand kei­ne ande­re Mög­lich­keit, als die Aus­schlie­ßung durch die — unwirk­sa­me — Ein­zie­hung der Geschäfts­an­tei­le umzu­set­zen.


Gie­se­ler mahn­te, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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