(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat soeben eine Ent­schei­dung zu der Fra­ge getrof­fen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Inha­ber eines eBay-Mit­glieds­kon­tos ver­trag­lich für Erklä­run­gen haf­tet, die ein Drit­ter unter unbe­fug­ter Ver­wen­dung die­ses Mit­glieds­kon­tos abge­ge­ben hat.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Gewerb­li­chen Rechts­schutz und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL.M. von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) zum Urteil vom 11. Mai 2011 – VIII ZR 289/09.

Die Beklag­te unter­hielt beim Inter­net­auk­ti­ons­haus eBay ein pass­wort­ge­schütz­tes Mit­glieds­kon­to. Am 3. März 2008 wur­de unter Nut­zung die­ses Kon­tos eine kom­plet­te Gas­tro­no­mie­ein­rich­tung mit einem Ein­gangs­ge­bot von 1 € zum Ver­kauf ange­bo­ten, wor­auf der Klä­ger ein Maxi­mal­ge­bot von 1.000 € abgab. Einen Tag danach wur­de die Auk­ti­on vor­zei­tig durch Rück­nah­me des Ange­bots been­det. Der Klä­ger war zu die­sem Zeit­punkt der Höchst­bie­ten­de. Er for­der­te die Beklag­te mit Schrei­ben vom 25. Mai 2008 zur Eigen­tums­ver­schaf­fung an der Gas­tro­no­mie­ein­rich­tung, deren Wert er mit 33.820 € bezif­fert, Zug um Zug gegen Zah­lung von 1.000 € auf. Nach erfolg­lo­sem Ablauf der hier­für gesetz­ten Frist ver­langt er Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung in Höhe von 32.820 €.

Zwi­schen den Par­tei­en steht im Streit, ob das Ange­bot über eine Gas­tro­no­mie­ein­rich­tung von der Beklag­ten oder ohne deren Betei­li­gung und Wis­sen von ihrem Ehe­mann auf der Inter­net­platt­form von eBay ein­ge­stellt wor­den ist. In den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen von eBay heißt es in § 2 Zif­fer 9:

Mit­glie­der haf­ten grund­sätz­lich für sämt­li­che Akti­vi­tä­ten, die unter Ver­wen­dung ihres Mit­glieds­kon­tos vor­ge­nom­men wer­den.” …

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers hat­te kei­nen Erfolg, so Leis.

Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass auch bei Inter­net-Geschäf­ten die Regeln des Stell­ver­tre­tungs­rechts anwend­bar sind, wenn durch die Nut­zung eines frem­den Namens beim Geschäfts­part­ner der Anschein erweckt wird, es sol­le mit dem Namens­trä­ger ein Geschäft abge­schlos­sen wer­den. Erklä­run­gen, die unter dem Namen eines ande­ren abge­ge­ben wor­den sind, ver­pflich­ten den Namens­trä­ger daher nur, wenn sie in Aus­übung einer bestehen­den Ver­tre­tungs­macht erfol­gen oder vom Namens­trä­ger nach­träg­lich geneh­migt wor­den sind oder wenn die Grund­sät­ze über die Dul­dungs- oder die Anscheins­voll­macht ein­grei­fen. Hin­ge­gen hat allein die unsorg­fäl­ti­ge Ver­wah­rung der Kon­takt­da­ten eines eBay-Mit­glieds­kon­tos noch nicht zur Fol­ge, dass der Inha­ber des Kon­tos sich die von einem Drit­ten unter unbe­fug­ter Ver­wen­dung die­ses Kon­tos abge­ge­be­nen Erklä­run­gen zurech­nen las­sen muss. Eine Zurech­nung frem­der Erklä­run­gen an den Kon­to­in­ha­ber ergibt sich auch nicht aus § 2 Zif­fer 9 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen von eBay. Da die­se All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen jeweils nur zwi­schen eBay und dem Inha­ber des Mit­glieds­kon­tos ver­ein­bart sind, haben sie kei­ne unmit­tel­ba­re Gel­tung zwi­schen dem Anbie­ter und dem Bie­ter. Aus­ge­hend hier­von war vor­lie­gend zwi­schen den Par­tei­en kein Kauf­ver­trag über die Gas­tro­no­mie­ein­rich­tung zustan­de gekom­men. 

Leis emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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