(Kiel) Das Bun­des­ka­bi­nett hat am 18.02.2009 einen Gesetz­ent­wurf beschlos­sen, mit dem die Rech­te von Anle­gern gestärkt wer­den. So soll die Durch­setz­bar­keit von Ansprü­chen im Fall einer Falsch­be­ra­tung bei Wert­pa­pier­ge­schäf­ten ver­bes­sert wer­den. Dane­ben wird das Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz neu gefasst.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Steu­er- sowie Bank- und Kapi­tal­markt­recht Prof. Dr. Tho­mas Zacher, MBA, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel. Nach den Wor­ten von Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zypries habe die aktu­el­le Finanz­markt­kri­se gezeigt, dass es bei der Anla­ge­be­ra­tung Defi­zi­te gibt. Es gebe zahl­rei­che Beschwer­den von Anle­gern, die gel­tend machen, dass sie eigent­lich eine risi­ko­lo­se Anla­ge woll­ten, ihnen aber tat­säch­lich ris­kan­te Anla­gen emp­foh­len wor­den sei­en, was sie erst jetzt auf­grund der Ver­lus­te in der Finanz­markt­kri­se gemerkt haben. Berech­tig­te Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen sol­cher Falsch­be­ra­tung dürf­ten nicht dar­an schei­tern, dass der Anle­ger die feh­ler­haf­te Bera­tung nicht nach­wei­sen kann oder dass die bis­he­ri­ge kur­ze Ver­jäh­rungs­frist schon abge­lau­fen sei.


Der beschlos­se­ne Gesetz­ent­wurf, so Zacher, ent­hal­te im Wesent­li­chen fol­gen­de Rege­lun­gen:


• Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­pflicht
Ban­ken wer­den künf­tig ver­pflich­tet, den Inhalt jeder Anla­ge­be­ra­tung zu pro­to­kol­lie­ren und dem Kun­den eine Aus­fer­ti­gung des Pro­to­kolls aus­zu­hän­di­gen. Der wesent­li­che Her­gang des Bera­tungs­ge­sprächs muss nach­voll­zieh­bar pro­to­kol­liert wer­den. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Anga­ben und Wün­sche des Kun­den sowie die von Bera­ter erteil­ten Emp­feh­lun­gen und die für die­se Emp­feh­lun­gen maß­geb­li­chen Grün­de. Die Doku­men­ta­ti­ons­pflicht soll den Anla­ge­be­ra­ter zu höhe­rer Sorg­falt ver­an­las­sen, so dass ins­ge­samt die Qua­li­tät der Bera­tung erhöht wird. In einem Pro­zess wegen schlech­ter Bera­tung kann sich der Kun­den zudem auf das Bera­tungs­pro­to­koll beru­fen. Geht aus dem Pro­to­koll ein Bera­tungs­feh­ler her­vor, hat der Anle­ger das erfor­der­li­che Beweis­mit­tel in den Hän­den. Ist das Pro­to­koll lücken­haft oder in sich unschlüs­sig — zum Bei­spiel weil nach den Kun­den­an­ga­ben eine risi­ko­lo­se Anla­ge gewünscht war, aber tat­säch­lich eine hoch­ris­kan­te Anla­ge emp­foh­len wur­de — muss die Bank bewei­sen, dass sie gleich­wohl ord­nungs­ge­mäß bera­ten hat.


• Abschaf­fung der kur­zen Son­der­ver­jäh­rungs­frist
Dane­ben wird die bestehen­de kur­ze Son­der­ver­jäh­rungs­frist bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Falsch­be­ra­tung bei Wert­pa­pier­an­la­gen gestri­chen. Künf­tig gilt auch für sol­che Ansprü­che die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rung. Das bedeu­tet: Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen Falsch­be­ra­tung ver­jäh­ren nicht mehr in drei Jah­ren seit Ver­trags­schluss. Die Drei­jah­res­frist beginnt viel­mehr erst dann zu lau­fen, wenn der Anle­ger von dem Scha­den erfah­ren hat. Unab­hän­gig von der Kennt­nis des Anle­gers vom Scha­den ver­jäh­ren die Ansprü­che jedoch spä­tes­tens in zehn Jah­ren.


• Neu­fas­sung des Schuld­ver­schrei­bungs­ge­set­zes
Im Übri­gen ent­hält das Gesetz eine Neu­fas­sung des Schuld­ver­schrei­bungs­ge­set­zes von 1899. Das alte Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz schränkt die Befug­nis­se der Gläu­bi­ger aus heu­ti­ger Sicht zu stark ein und ist ver­fah­rens­recht­lich ver­al­tet. Da die Märk­te für Schuld­ver­schrei­bun­gen inter­na­tio­nal gewor­den sind, soll das Schuld­ver­schrei­bungs­recht inter­na­tio­nal übli­chen Anfor­de­run­gen soweit wie mög­lich ange­passt wer­den. Die Neu­fas­sung stellt klar, dass Anlei­he­be­din­gun­gen von Schuld­ver­schrei­bun­gen inter­na­tio­nal übli­che Klau­seln über Mehr­heits­ent­schei­dun­gen der Anlei­he­gläu­bi­ger in einer Gläu­bi­ger­ver­samm­lung zur Ände­rung der Anlei­he­be­din­gun­gen ent­hal­ten dür­fen. Hier­zu wer­den zum Schutz der Schuld­ver­schrei­bungs­gläu­bi­ger ver­bind­li­che Min­dest­stan­dards auf­ge­stellt. Die Rech­te der Gläu­bi­ger sol­len gestärkt wer­den, indem ihre Befug­nis­se, mit Mehr­heit über die Anlei­he­be­din­gun­gen zu ent­schei­den, inhalt­lich erwei­tert wer­den. Zusätz­lich ent­hält der Gesetz­ent­wurf Vor­schrif­ten dar­über, wer stimm­be­rech­tigt ist, und führt die Mög­lich­keit eines gemein­sa­men Ver­tre­ters der Gläu­bi­ger ein. Die Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen zur Ein­be­ru­fung, Frist, Bekannt­ma­chung von Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen wer­den moder­ni­siert, die Anfech­tung von Gläu­bi­ger­be­schlüs­sen zuge­las­sen sowie die Mög­lich­keit einer vir­tu­el­len Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ein­ge­führt.
Schließ­lich wer­de im Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz ein Trans­pa­renz­ge­bot hin­sicht­lich der in der Schuld­ver­schrei­bung ver­spro­che­nen Leis­tung ver­an­kert, so Zacher.  Auch dies sol­le dem Anle­ger hel­fen, mög­li­che Risi­ken aus einer Schuld­ver­schrei­bung bes­ser erken­nen zu kön­nen. Gera­de im Zusam­men­hang mit der Finanz­markt­kri­se habe sich gezeigt, dass vie­le Anle­ger die Risi­ken der teil­wei­se hoch­kom­ple­xen Pro­duk­te nicht hin­rei­chend ver­ste­hen. Das Gesetz bedür­fe  nicht der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes. Ziel der Bun­des­re­gie­rung sei es, das par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode abzu­schlie­ßen.
Zacher emp­fahl, das wei­te­re Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zu beob­ach­ten und bei Unsi­cher­hei­ten sowohl im Ban­ken­sek­tor als auch auf der Anlger­sei­te auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -



Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Prof. Dr. Tho­mas Zacher, MBA
Rechts­an­walt, Fach­an­walt für Steuerrecht/
Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht
DASV — Vize­prä­si­dent
Zacher & Part­ner Rechts­an­wäl­te
Richard-Wag­ner-Stra­ße 12
50674 Köln (Deutsch­land)
Tele­fon: 0221/943890–0
Fax: 0221/943890–60
eMail: info@zpanwaelte.de
www.zpanwaelte.de