(Kiel) Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat am 25.06.2009  ent­schie­den, dass die in der Öffent­lich­keit viel­fach als Praxis¬gebühr (§ 28 Abs 4 iVm § 61 Satz 2 SGB V) bezeich­ne­te vier­tel­jähr­li­che Zuzah­lung von 10 Euro für den Arzt­be­such von Ver­si­cher­ten nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 25.06.2009, Az.: B 3 KR 3/08 R.  


Der bei der beklag­ten Kran­ken­kas­se ver­si­cher­te Klä­ger begehr­te die Rück­zah­lung von 30 Euro, die er als Pra­xis­ge­bühr für das 1. — 3. Quar­tal 2005 hat ent­rich­ten müs­sen. Er hält die Pra­xis­ge­bühr für grund­sätz­lich ver­fas­sungs­wid­rig und bean­trag­te bei der Beklag­ten schon Ende 2004, ihn von die­ser frei zu stel­len. Die Beklag­te lehn­te dies ab, weil die Vor­aus­set­zun­gen einer Befrei­ung gemäß § 62 SGB V nicht vor­lä­gen und die Erhe­bung der Pra­xis­ge­bühr nicht ver­fas­sungs­wid­rig sei.


Die Kla­ge hier­ge­gen ist in allen Instan­zen erfolg­los geblie­ben. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die Pra­xis­ge­bühr sieht auch der Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht, so Klar­mann.


Die Pra­xis­ge­bühr fügt sich nach Auf­fas­sung des Gerichts naht­los ein in das Sys­tem der sons­ti­gen Zuzah­lun­gen, die von den Ver­si­cher­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung bei der Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­sen (zB Arz­nei­mit­tel, Heil­mit­tel und Hilfs­mit­tel) zu ent­rich­ten sind. Zur Fra­ge der Recht­mä­ßig­keit sol­cher Zuzah­lun­gen haben das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und das Bun­des­so­zi­al­ge­richt schon mehr­fach Stel­lung genom­men.


Die Kran­ken­kas­sen sind weder nach dem SGB V noch von Ver­fas­sungs wegen gehal­ten, alles zu leis­ten, was an Mit­teln zur Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit ver­füg­bar ist. Der Leis­tungs­ka­ta­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung darf viel¬mehr auch von finan­zi­el­len Erwä­gun­gen mit­be­stimmt sein. Gera­de im Gesund­heits­we­sen hat der Kos­ten­as­pekt für gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dun­gen erheb­li­ches Gewicht. Dem Gesetz­ge­ber ist es im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­spiel­rau­mes grund­sätz­lich erlaubt, die Ver­si­cher­ten über den Bei­trag hin­aus zur Ent­las­tung der Kran­ken­kas­sen und zur Stär­kung des Kos­ten­be­wusst­seins an bestimm­ten Kas­sen­leis­tun­gen in der Form von Zuzah­lun­gen zu betei­li­gen, jeden­falls soweit dies dem Ein­zel­nen finan­zi­ell zuge­mu­tet wer­den kann und der Ver­si­che­rungs­schutz durch die Höhe der Zuzah­lun­gen nicht aus­ge­höhlt wird.


Davon kann bei einer vier­tel­jähr­li­chen Zuzah­lung von 10 Euro für den Pra­xis­be­such und einer Begren­zung der Gesamt­sum­me aller Zuzah­lun­gen auf 2 % der jähr­li­chen Brut­to­ein­nah­men zum Lebens­un­ter­halt (§ 62 SGB V)   bei chro­nisch Kran­ken, die wegen der­sel­ben schwer­wie­gen­den Krank­heit in Dau­er­be­hand­lung sind, auf nur 1 %   nicht die Rede sein.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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