(Kiel) Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat am 27. Okto­ber 2010 in drei Fäl­len ent­schie­den, dass für inter­net­fä­hi­ge PC Rund­funk­ge­büh­ren zu zah­len sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts (BVerwG) vom 27.10.2010, Az.: BVerwG 6 C 12.09, 6 C 17.09 und 6 C 21.09.

Die Rund­funk­an­stal­ten hal­ten die Besit­zer von inter­net­fä­hi­gen PC für gebüh­ren­pflich­tig, weil sich mit die­sen Gerä­ten Sen­dun­gen emp­fan­gen las­sen, die mit sog. Live­stream in das Inter­net ein­ge­speist wer­den. Im Rah­men der Zweit­ge­rä­te-Befrei­ung wird die Rund­funk­ge­bühr aller­dings nicht ver­langt, wenn der Besit­zer bereits über ein ange­mel­de­tes her­kömm­li­ches Rund­funk­ge­rät in der­sel­ben Woh­nung oder dem­sel­ben Betrieb ver­fügt. Die Klä­ger waren zwei Rechts­an­wäl­te und ein Stu­dent, die in ihren Büros bzw. in der Woh­nung kein ange­mel­de­tes Rund­funk­ge­rät bereit hiel­ten, aber dort jeweils inter­net­fä­hi­ge PC besa­ßen.

Der 6. Senat hat die Revi­sio­nen der drei Klä­ger gegen abschlä­gi­ge Urtei­le der Vor­in­stan­zen zurück­ge­wie­sen. so betont Klar­mann.

Bei inter­net­fä­hi­gen PC han­delt es sich um Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te i.S.d. Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trags. Für die Gebüh­ren­pflicht kommt es nach des­sen Rege­lun­gen ledig­lich dar­auf an, ob die Gerä­te zum Emp­fang bereit gehal­ten wer­den, nicht aber dar­auf, ob der Inha­ber tat­säch­lich Radio- bzw. Fern­seh­sen­dun­gen mit dem Rech­ner emp­fängt. Eben­so wenig ist es erheb­lich, ob der PC mit dem Inter­net ver­bun­den ist, wenn er tech­nisch nur über­haupt dazu in der Lage ist.

Die­se sich aus dem Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trag erge­ben­de Rechts­la­ge ver­stößt auch nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Ins­be­son­de­re ver­letzt sie nicht in rechts­wid­ri­ger Wei­se die Rech­te der Klä­ger auf Frei­heit der Infor­ma­ti­on (Art. 5 Abs. 1 GG) und der Berufs­aus­übung (Art. 12 Abs. 1 GG) oder den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (Art. 3 Abs. 1 GG).

Zwar greift die Erhe­bung von Rund­funk­ge­büh­ren für inter­net­fä­hi­ge PC in die Grund­rech­te der Klä­ger aus Art. 5 Abs. 1 und 12 Abs. 1 GG ein, indem sie die Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht an die — jeden­falls auch — beruf­li­chen und infor­ma­to­ri­schen Zwe­cken die­nen­de Nut­zung oder auch nur den Besitz der Rech­ner knüpft. Die­ser Ein­griff ist jedoch gerecht­fer­tigt durch die — eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich begrün­de­te — Finan­zie­rungs­funk­ti­on der Rund­funk­ge­büh­ren für die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten. Der Ein­griff ist auch nicht unver­hält­nis­mä­ßig, son­dern von der Typi­sie­rungs­be­fug­nis des Gebüh­ren­ge­setz­ge­bers gedeckt.

Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz wird vom Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trag eben­falls nicht ver­letzt. Zwar wer­den inso­fern unglei­che Sach­ver­hal­te gleich behan­delt, als die her­kömm­li­chen mono­funk­tio­na­len Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te mit den mul­ti­funk­tio­na­len inter­net­fä­hi­gen PC gebüh­ren­recht­lich gleich behan­delt wer­den. Ent­schei­dend für die Gebüh­ren­er­he­bung ist jedoch nicht die tech­ni­sche Unter­schied­lich­keit der Emp­fangs­ge­rä­te, son­dern die glei­che Mög­lich­keit zum Emp­fang von Rund­funk­sen­dun­gen durch die­se ver­schie­den­ar­ti­gen Gerä­te.

Der Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ver­langt für das Abga­ben­recht, dass die Gebüh­ren­pflich­ti­gen durch ein Gebüh­ren­ge­setz recht­lich und tat­säch­lich gleich belas­tet wer­den. Wird die Gleich­heit im Belas­tungs­er­folg durch die recht­li­che Gestal­tung des Erhe­bungs­ver­fah­rens prin­zi­pi­ell ver­fehlt, kann dies die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der gesetz­li­chen Gebüh­ren­grund­la­ge nach sich zie­hen. Die Rund­funk­an­stal­ten kön­nen an der Gebüh­ren­pflich­tig­keit von inter­net­fä­hi­gen PC daher auf Dau­er nur fest­hal­ten, wenn die­se sich auch tat­säch­lich durch­set­zen lässt. Inso­weit wird der Gesetz­ge­ber die Ent­wick­lung zu beob­ach­ten haben.

Klar­mann emp­fahl, die Urtei­le zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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