(Kiel) Ein Steu­er­be­ra­ter darf nicht neben sei­ner Berufs­be­zeich­nung „Steu­er­be­ra­ter“ den slo­wa­ki­schen Titel „dok­tor filozo­fie“ in der abge­kürz­ten Form „Dr.“ füh­ren.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 8. August 2011 zu sei­nem Urteil vom 26.05.2011, Az. 6 U 6/10, in einer wett­be­werbs­recht­li­chen Strei­tig­keit zwi­schen der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer Schles­wig-Hol­stein und einem Steu­er­be­ra­ter.

Der beklag­te Steu­er­be­ra­ter ist Mit­glied der Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Steu­er­be­ra­ter­kam­mer. Er erwarb im Jahr 2004 an der Uni­ver­si­tät in Bratislava/Slowakei den aka­de­mi­schen Grad „dok­tor filozo­fie“ mit der zuge­las­se­nen Abkür­zung „PhDr.“. Er nutz­te anschlie­ßend den Titel „Dr.“ auf eige­nen Brief­bö­gen und in dem Brief­kopf der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft, für die er tätig ist. Die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer sah hier­in eine irre­füh­ren­de Wer­bung und ver­lang­te von dem Steu­er­be­ra­ter, den Titel nur in der ver­lie­he­nen Form unter zusätz­li­cher Anga­be der slo­wa­ki­schen Hoch­schu­le zu füh­ren. Sie begrün­de­te das Vor­lie­gen einer irre­füh­ren­den Wer­bung unter ande­rem damit, dass es sich bei dem „dok­tor filozo­fie“ um einen so genann­ten „klei­nen Dok­tor­grad“ han­de­le, der anders als in Deutsch­land kein abge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um vor­aus­set­ze. Als der Steu­er­be­ra­ter sich wei­ger­te, die Titel­füh­rung zu ändern, zog die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer vor Gericht und ver­lang­te Unter­las­sung der Titel­füh­rung in allen Bun­des­län­dern mit Aus­nah­me von Bay­ern und Ber­lin. In Bay­ern und Ber­lin sehen die Lan­des­ge­set­ze im Rah­men einer Über­gangs­re­ge­lung vor, dass der Steu­er­be­ra­ter sei­nen Titel ohne Her­kunfts­zu­satz in der deut­schen Form „Dr.“ füh­ren darf, weil er sei­nen Titel vor Sep­tem­ber 2007 erwor­ben hat­te.

In der Ent­schei­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt dem Steu­er­be­ra­ter unter­sagt, zu Wett­be­werbs­zwe­cken neben sei­ner Berufs­be­zeich­nung „Steu­er­be­ra­ter“ den slo­wa­ki­schen Titel „dok­tor filozo­fie“ in der abge­kürz­ten Form „Dr.“ zu füh­ren, so Dr. Ise­le.

Das Ober­lan­des­ge­richt sah in dem Ver­hal­ten des Steu­er­be­ra­ters einen Wett­be­werbs­ver­stoß. Poten­ti­el­le Kun­den sol­len aus der Berufs­be­zeich­nung und gege­be­nen­falls den zusätz­li­chen aka­de­mi­schen Gra­den erse­hen kön­nen, dass eine bestimm­te Qua­li­fi­ka­ti­on des Steu­er­be­ra­ters gege­ben ist. Führt der Steu­er­be­ra­ter den „Dr.“- Titel ohne Befug­nis, so liegt eine unlau­te­re geschäft­li­che Hand­lung vor. Wel­che aus­län­di­schen aka­de­mi­schen Titel in Deutsch­land geführt wer­den dür­fen, bestim­men die Hoch­schul­ge­set­ze der ein­zel­nen Bun­des­län­der. Die­se sehen (mit Aus­nah­me von Bay­ern und Ber­lin für Alt­fäl­le) vor, dass der slo­wa­ki­sche Titel „dok­tor filozo­fie“ nur in der Ori­gi­nal­form oder in der Ori­gi­nal­ab­kür­zung „PhDr.“ geführt wer­den darf. Denn der slo­wa­ki­sche Abschluss steht ledig­lich einem Auf­bau­stu­di­en­gang gleich, beinhal­tet nicht aber eine eigen­stän­di­ge wis­sen­schaft­li­che For­schungs­leis­tung wie bei einer wis­sen­schaft­li­chen Pro­mo­ti­on (soge­nann­te 3. Stu­fe der Bolo­gna-Klas­si­fi­ka­ti­on).

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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