(Kiel) Die Deut­sche Post AG kann grund­sätz­lich nicht ver­hin­dern, dass in unmit­tel­ba­rer Nähe ihrer eige­nen Filia­len oder Brief­käs­ten auch Brief­käs­ten ihrer Wett­be­wer­ber auf­ge­stellt wer­den.

Dies, so der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Mathi­as Zim­mer-Goertz von der Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. (DASV), hat der u. a. für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs am 12.05.2010 ent­schie­den. — I ZR 214/07 – Roter Brief­kas­ten -.


Die Beklag­te, die einen Brief­zu­stell­dienst betreibt, stell­te in Nürn­berg 52 rot lackier­te Brief­käs­ten auf. Sie sind in wei­ßer Far­be beschrif­tet mit der Auf­schrift “Brief24”, der Tele­fon­num­mer einer Ser­vice-Hot­line und dem Hin­weis “Lee­rung Mon­tag bis Frei­tag ab 18.30 Uhr”. Die Klä­ge­rin, die Deut­sche Post AG, wen­det sich dage­gen, dass sich 26 die­ser Brief­käs­ten, die gleich hoch sind wie die der Klä­ge­rin, in unmit­tel­ba­rer Nähe von Filia­len oder Brief­käs­ten der Klä­ge­rin befin­den. Sie meint, die Kun­den wür­den dadurch ver­un­si­chert und leg­ten Brie­fe mit Brief­mar­ken der Klä­ge­rin teil­wei­se in die Brief­käs­ten der Beklag­ten, was zu einer deut­lich län­ge­ren Brief­lauf­zeit füh­re.


Das Land­ge­richt hat­te der Kla­ge antrags­ge­mäß statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat­te der Beklag­ten ver­bo­ten, vier mit­tels Foto­gra­fi­en kon­kret bezeich­ne­te Brief­käs­ten wie dar­aus ersicht­lich auf­zu­stel­len.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen, so Zim­mer-Goertz.


Die roten Brief­käs­ten der Beklag­ten unter­schei­den sich in ihrer Gestal­tung klar von den gel­ben Brief­käs­ten der Klä­ge­rin. Eine Her­kunfts­täu­schung kann nicht mit einer Ähn­lich­keit in Merk­ma­len begrün­det wer­den, die selbst­ver­ständ­lich oder jeden­falls nahe­lie­gend sind, wie etwa Höhe und Grund­flä­che der Brief­käs­ten. Zudem hält die Beklag­te mit der roten Far­be, dem auf­fäl­lig anders gestal­te­ten, run­den Kas­ten­de­ckel und der Beschrif­tung einen deut­li­chen Abstand zu den Brief­käs­ten der Klä­ge­rin ein. Den­noch hat es der Bun­des­ge­richts­hof nicht für aus­ge­schlos­sen gehal­ten, dass ein Teil des Ver­kehrs das Ange­bot der Beklag­ten im Hin­blick auf die räum­li­che Nähe der roten Brief­käs­ten zu den Filia­len der Klä­ge­rin mit­tel­bar der Klä­ge­rin zuord­net und bei­spiels­wei­se annimmt, bei der Beklag­ten han­de­le es sich um eine Toch­ter­ge­sell­schaft der Klä­ge­rin, die eine beson­de­re Post­dienst­leis­tung anbie­te. Die­se Fehl­vor­stel­lung begrün­det aber kei­nen Unter­las­sungs­an­spruch, weil sie letzt­lich dar­auf beruht, dass die Bevöl­ke­rung noch nicht dar­an gewöhnt ist, dass die Dienst­leis­tung der Brief­be­för­de­rung nicht nur von der Klä­ge­rin, son­dern auch von Wett­be­wer­bern ange­bo­ten wird. Die Fehl­vor­stel­lun­gen stel­len damit eine zwangs­läu­fi­ge Fol­ge des bis 1998 bestehen­den und danach nur lang­sam gelo­cker­ten Mono­pols für die Post­be­för­de­rung dar. Nach Auf­he­bung oder Locke­rung eines Mono­pols kommt dem Inter­es­se neu hin­zu­tre­ten­der Wett­be­wer­ber des bis­he­ri­gen Mono­po­lis­ten, ihre Leis­tung ange­mes­sen anbie­ten zu kön­nen, bei der gebo­te­nen Inter­es­sen­ab­wä­gung maß­geb­li­ches Gewicht zu. Dabei besteht gera­de auch ein legi­ti­mes Inter­es­se der Wett­be­wer­ber dar­an, ihre Brief­käs­ten in der Nähe von Post-Filia­len auf­zu­stel­len, um Kun­den, die die Leis­tung sowohl der Klä­ge­rin als auch der Beklag­ten in Anspruch neh­men, die Brief­auf­ga­be zu erleich­tern.


Zim­mer-Goertz emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ver­wies bei hier­zu auf­kom­men­den Rechts­fra­gen u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. — www.mittelstands-anwaelte.de.


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