(Kiel) Nach einer Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Mün­chen vom 08.07.2009, 11 Sa 54/09, kön­nen EDV-Admi­nis­tra­to­ren frist­los ent­las­sen wer­den, wenn sie ihre Zugriffs­rech­te miss­brau­chen.

Dar­auf ver­weist der der Ham­bur­ger Rechts­an­walt und Lehr­be­auf­trag­te für Arbeits­recht Ste­fan Engel­hardt, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter Ham­burg der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Bezug­nah­me auf die Ent­schei­dung.


Ein sol­cher Miss­brauch liegt bei­spiels­wei­se dann vor, wenn sie unbe­fugt auf Daten des Per­so­nal­be­reichs zugrei­fen oder gezielt bestimm­te E‑mails eines Geschäfts­füh­rers lesen und an den zwei­ten Geschäfts­füh­rer wei­ter­lei­ten, um eine angeb­li­che Pflicht­ver­let­zung zu bele­gen.


Geklagt hat­te ein als Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor Beschäf­tig­ter. Anfang August 2007 hat­te die Beklag­te den Klä­ger wegen diver­ser arbeits­ver­trag­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen abge­mahnt. Im Rah­men der Dis­kus­si­on um die Abmah­nung hat der Klä­ger auf das Fir­men­lauf­werk zugrif­fen und Daten ein­ge­se­hen. Am 20.08.2007 begab sich der Klä­ger wäh­rend der Urlaubs­ab­we­sen­heit des einen Geschäfts­füh­rers zum ande­ren Geschäfts­füh­rer und leg­te die­sem eine Rei­he von Mails vor, die er gele­sen und aus­ge­druckt hat­te. Er wies dabei den Geschäfts­füh­rer dar­auf­hin, dass sich sein Kol­le­ge offen­bar ver­trags­wid­rig ver­hal­te und die Beklag­te schä­di­ge.


Die Beklag­te kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger wegen die­ses Zugriffs auf die E‑mails des einen Geschäfts­füh­rers und die Daten der Per­so­nal­stel­le frist­los. Die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge hat­te weder vor dem Arbeits­ge­richt, noch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Erfolg, betont Engel­hardt.


Das Arbeits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­führt, dass das Arbeits­ver­hält­nis durch die frist­lo­se Kün­di­gung wirk­sam gewor­den ist, weil der Klä­ger in schwer­wie­gen­der Wei­se gegen sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­sto­ßen hat, weil er unter Miss­brauch der ihm über­tra­gen­den Befug­nis und tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten auf inter­ne Kor­re­spon­denz des einen Geschäfts­füh­rers zuge­grif­fen hat.  Ein sol­cher Miss­brauch von Zugriffs­rech­ten durch Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren recht­fer­tigt regel­mä­ßig auch ohne vor­her­ge­hen­de Abmah­nung eine frist­lo­se Kün­di­gung.


Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en ist durch die Pflicht­ver­let­zung des Klä­gers irrepa­ra­bel zer­stört. Arbeit­ge­ber müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ihre Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren auch in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen ihre Zugriffs­rech­te nicht miss­brau­chen und nicht nach Mate­ri­al suchen, dass Arbeit­neh­mer oder sogar den Geschäfts­füh­rer belas­tet.


Engel­hardt emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Rechts­an­walt
Lehr­be­auf­trag­ter für Arbeits­recht
Ste­fan Engel­hardt
Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Ham­burg“ der Deut­schen
Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V.
Rog­ge­lin & Part­ner
Alte Raben­stra­ße 32
20148 Ham­burg
Tel.: 769999–26
Fax: 769999–36
e‑mail: stefan.engelhardt@roggelin.de