(Kiel) Ein nord­deut­scher Ver­lag ist nicht ver­pflich­tet, einen in die­ser Regi­on agie­ren­den Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten­ver­trieb aus­schließ­lich mit Pres­se­er­zeug­nis­sen zu belie­fern.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Cel­le vom 11. Febru­ar 2010, Az.: 13 U 92/09 (Kart).
Der Senat hat damit auf die Beru­fung des Ver­lags das anders­lau­ten­de Urteil der 1. Kam­mer für Han­dels­sa­chen des Land­ge­richts Han­no­ver vom 13. Mai 2009 (Akten­zei­chen: 21 O 6/09) abge­än­dert und die Kla­ge abge­wie­sen.


Eine ent­spre­chen­de münd­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en aus den sieb­zi­ger Jah­ren war wegen eines bis zum Jah­re 1999 gel­ten­den gesetz­li­chen Schrift­form­erfor­der­nis­ses unwirk­sam. Das Land­ge­richt hat­te jedoch ange­nom­men, dass die Par­tei­en die Ver­ein­ba­rung nach Auf­he­bung des Ver­bots durch die Fort­set­zung der Geschäfts­be­zie­hun­gen und täg­li­che Prak­ti­zie­rung der Ver­triebs­re­ge­lung still­schwei­gend als gül­tig aner­kannt hät­ten.


Dem hat der Kar­tell­se­nat wider­spro­chen, betont Scheel-Pötzl.


Eine nach­träg­li­che Bestä­ti­gung der form­un­wirk­sa­men Allein­ver­triebs­re­ge­lung setz­te vor­aus, dass die Par­tei­en den Grund der Nich­tig­keit ken­nen, oder zumin­dest Zwei­fel an der Rechts­be­stän­dig­keit des Ver­tra­ges haben. Dies konn­te der Pres­se­gros­sist vor­lie­gend nicht nach­wei­sen. Dass der Ver­lag über eine qua­li­fi­zier­te Rechts­be­ra­tung ver­fü­ge, wor­auf das Land­ge­richt abge­stellt habe, rei­che für den erfor­der­li­chen Nach­weis der Kennt­nis nicht aus. Auch ver­stößt es nach Auf­fas­sung des Kar­tell­se­nats nicht gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben, wenn sich der Ver­lag nach über 10 Jah­ren auf die Unwirk­sam­keit der Rege­lung beruft.


Wei­ter erge­be sich auch kein Anspruch auf aus­schließ­li­che Belie­fe­rung wegen einer unzu­läs­si­gen Behin­de­rung oder Dis­kri­mi­nie­rung nach dem Kar­tell­recht (Gesetz gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen). Der Senat ent­schied inso­weit, dass der räum­lich rele­van­te Markt nicht das gesam­te Bun­des­ge­biet sei, wie die Ver­trei­be­rin mein­te, son­dern nur das Gebiet, in dem die­se tätig sei. Des­halb kom­me eine Ungleich­be­hand­lung mit den in den übri­gen Gebie­ten täti­gen Gros­sis­ten nicht in Betracht.


Schließ­lich bestehe auch kein Anspruch auf eine nicht aus­schließ­li­che Belie­fe­rung zu den Pres­se-Gros­so-Bedin­gun­gen, zumal die Ver­trei­be­rin auch kei­nen Antrag hin­sicht­lich einer Gleich­be­hand­lung mit dem jetzt in ihrem Gebiet mit dem Ver­trieb beauf­tra­gen Unter­neh­mens gestellt hat­te.


Der Senat hat die Revi­si­on zuge­las­sen. Die­se wäre inner­halb eines Monats beim Bun­des­ge­richts­hof ein­zu­le­gen.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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