(Kiel) Apo­the­ken dür­fen ein sog. Medi-Ter­mi­nal nur zum Ver­kauf und zur Aus­ga­be nicht ver­schrie­be­ner Arz­nei­mit­tel ein­set­zen. Das hat der 9. Senat des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg (VGH) durch ein am 12.08.2009 bekannt gege­be­nes Urteil vom 28.07.2009 ent­schie­den. Damit hat der VGH ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he geän­dert und der Beru­fung des kla­gen­den Apo­the­kers teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel.


Der Klä­ger betreibt in der Mann­hei­mer Innen­stadt einer Apo­the­ke, die seit Okto­ber 2007 über ein Medi-Ter­mi­nal ver­fügt. Damit kann inner­halb wie außer­halb der Laden­öff­nungs­zei­ten das Ange­bot der Apo­the­ke ein­schließ­lich apo­the­ken- und rezept­pflich­ti­ger Medi­ka­men­te (mit Aus­nah­me von Betäu­bungs­mit­teln) über den Außen­schal­ter eines Auto­ma­ten bezo­gen wer­den. Der Kun­de tritt dabei nicht unmit­tel­bar, son­dern über Mikro­phon und Laut­spre­cher sowie Kame­ra und Bild­schirm in akus­ti­schen und opti­schen Kon­takt zu einem Apo­the­ker, der in der Apo­the­ke oder auch in einem ent­fernt lie­gen­den Ser­vice-Zen­trum tätig sein kann. Die­ser berät den Kun­den auf des­sen Wunsch, kon­trol­liert ggf. das von ihm in den Auto­ma­ten ein­ge­führ­te und dort ein­be­hal­te­ne Rezept über den Bild­schirm und gibt das gewünsch­te Pro­dukt  soweit nicht frei ver­käuf­lich, nach Kon­trol­le frei. Die­ses Sys­tem wird vom Klä­ger rund um die Uhr außer an Sonn- und Fei­er­ta­gen betrie­ben.


Das Regie­rungs­prä­si­di­um sieht dar­in einen Ver­stoß gegen apo­the­ken­recht­li­che Vor­schrif­ten. Es hat dem Klä­ger ver­bo­ten, Arz­nei­mit­tel — von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen — auf die­sem Weg in Ver­kehr zu brin­gen. Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt ist die Kla­ge gegen die­sen Unter­sa­gungs­be­scheid erfolg­los geblie­ben.


Der VGH hat nun ent­schie­den, dass ledig­lich die Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen oder ver­schrie­be­nen Arz­nei­mit­teln über ein Medi-Ter­mi­nal nicht zuläs­sig sei, betont Klar­mann.


Nach der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung müs­se der für die Aus­ga­be des Arz­nei­mit­tels Ver­ant­wort­li­che auf der Ver­schrei­bung unmit­tel­bar hand­schrift­li­che abzeich­nen. Das sei hier nicht mög­lich. Im Übri­gen soweit die Aus­ga­be des Arz­nei­mit­tels nicht auf der Vor­la­ge einer Ver­schrei­bung beru­he sei der Ein­satz eines sol­chen Ter­mi­nals als Zusatz­an­ge­bot einer bestehen­den und in ihren Öff­nungs­zei­ten unver­än­der­ten Apo­the­ke zuläs­sig. Damit wer­de das gesetz­ge­be­ri­sche Leit­bild des „Apo­the­kers in sei­ner Apo­the­ke“, das sich bereits durch Zulas­sung eines „Auto­schal­ters“ und des Ver­sand­han­dels mit Arz­nei­mit­teln ver­än­dert habe, wei­ter modi­fi­ziert. Mit Sinn und Zweck der ein­schlä­gi­gen apo­the­ken­recht­li­chen Nor­men ins­be­son­de­re auch zur Kun­den­be­ra­tung und ‑infor­ma­ti­on und dem ein­zu­set­zen­den Apo­the­ken­per­so­nal sei dies ver­ein­bar.
Mit die­ser Rechts­auf­fas­sung weicht der VGH von einer Ent­schei­dung des OVG Rhein­land-Pfalz vom 07.07.2009 ab, in der sich das OVG all­ge­mein gegen den Ein­satz eines Arz­nei­mit­tel-Abga­be­ter­mi­nals wen­det. Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung die­ser Fra­ge hat der VGH   in glei­cher Wei­se wie das OVG die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig zuge­las­sen, die der Klä­ger bereits ein­ge­legt hat (Az.: 9 S 2852/08).


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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