(Kiel) In einem Urteil vom 22.09.2009 hat­te sich das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Karls­ru­he mit der Fra­ge eines ent­gan­ge­nen Gewinns aus Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­ten mit Opti­ons­schei­nen als Ver­zugs­scha­den zu beschäf­ti­gen.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des OLG Karls­ru­he vom 22.09.2009, Az.: 8 U 233/07.


Der Klä­ger ver­langt von der beklag­ten Rechts­an­walts­so­zie­tät Scha­dens­er­satz wegen schuld­haf­ter Ver­let­zung ihrer Pflich­ten aus einem Anwalts­ver­trag. Er führ­te vor dem Land­ge­richt Hei­del­berg einen Rechts­streit gegen sei­nen Archi­tek­ten X auf Scha­dens­er­satz, in dem er von der Beklag­ten ver­tre­ten wur­de. Im Jahr 2005 sprach das Land­ge­richt dem Klä­ger einen Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe von ca. 65.000 € nebst Ver­zugs­zin­sen von 30.000 € zu. Die­ses Urteil wur­de rechts­kräf­tig. Der Klä­ger beauf­trag­te die beklag­ten Anwäl­te mit der Abwick­lung die­ses Urteils.


Trotz Zah­lungs­auf­for­de­rung und Frist­set­zung durch die Beklag­te zahl­ten weder Herr X noch des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung frist­ge­recht. Der Klä­ger wies dar­auf­hin die Beklag­te auf sei­ne Absicht hin, mit der Urteils­sum­me Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te mit Opti­ons­schei­nen an der Bör­se durch­füh­ren zu wol­len, die er — man­gels Erhalt des Gel­des — zunächst nur in einem fik­ti­ven „Depot X” auf­lis­te­te, wobei er behaup­te­te, bereits nach kur­zer Zeit erheb­li­che (fik­ti­ve) Gewin­ne erzielt zu haben. Er for­der­te die Beklag­te des­halb auf, Herrn X und des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung auf die Gefahr hoher Ver­mö­gens­schä­den hin­zu­wei­sen. Die Beklag­te unter­ließ die­sen Hin­weis. Gleich­wohl über­wies die Haft­pflicht­ver­si­che­rung kur­ze Zeit spä­ter den größ­ten Teil des geschul­de­ten Betra­ges auf das Kon­to des Klä­gers. Die­ser erwarb noch am sel­ben Tag Opti­ons­schei­ne im Gegen­wert der Zah­lung und erziel­te bin­nen drei Tagen einen Gewinn von rund 21.000 € sowie inner­halb der fol­gen­den drei Mona­te einen wei­te­ren Gewinn von ca. 15.000 €. Herr X zahl­te den — nicht von sei­ner Haft­pflicht­ver­si­che­rung gedeck­ten — Rest­be­trag rund zwei Mona­te nach einer Mah­nung der Beklag­ten, wobei die Mah­nung kei­nen Warn­hin­weis ent­hielt.


Nach­fol­gend ver­klag­te der Klä­ger Herrn X auf Ersatz des hypo­the­ti­schen Spe­ku­la­ti­ons­ge­winns. Das Land­ge­richt Hei­del­berg wies die­se Kla­ge rechts­kräf­tig ab, weil der behaup­te­te Scha­den zwar grund­sätz­lich denk­bar sei, den Klä­ger jedoch ein Mit­ver­schul­den in Höhe von 100% tref­fe, nach­dem er Herrn X nicht auf die Gefahr eines unge­wöhn­lich hohen Scha­dens hin­ge­wie­sen habe.


Hier­auf nahm der Klä­ger die Beklag­te als sei­ne ehe­ma­li­gen Anwäl­te auf Ersatz des ihm ent­gan­ge­nen Spe­ku­la­ti­ons­ge­winns in Anspruch. Zur Begrün­dung trug er vor, dass die Beklag­te schuld­haft die Bei­trei­bung sei­ner For­de­rung ver­zö­gert und ins­be­son­de­re den gebo­te­nen Hin­weis an den Schuld­ner auf die Gefahr eines unge­wöhn­lich hohen Scha­den unter­las­sen habe. Das ange­ru­fe­ne Land­ge­richt Hei­del­berg wies die Kla­ge ab.


Auch die dage­gen erho­be­ne Beru­fung des Klä­gers zum 8. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he blieb ohne Erfolg, betont Kroll: Der Klä­ger hat gegen die Anwalts­so­zie­tät kei­nen Anspruch auf Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns aus Opti­ons­scheins­ge­schäf­ten infol­ge ver­spä­te­ter Zah­lung des Schuld­ners X.


Es kann offen blei­ben, ob ein ent­gan­ge­ner Gewinn aus fik­ti­ven Opti­ons­schein­ge­schäf­ten über­haupt einen ersatz­fä­hi­gen, von der Rechts­ord­nung geschütz­ten Ver­zugs­scha­den im Sin­ne der §§ 288 Abs. 4, 252 BGB dar­stellt. Zwar sind sol­che Geschäf­te gesetz­mä­ßig, doch sind sie Wet­ten und Spie­len sehr ähn­lich und haben damit eine ande­re Qua­li­tät als Anla­gen in Stan­dard­wer­ten. Des­halb ist ent­gan­ge­ner Gewinn aus Opti­ons­schein­ge­schäf­ten — wenn über­haupt — nur dann als Ver­zugs­scha­den ersatz­fä­hig, wenn der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner vor­her einen Warn­hin­weis erteilt und eine ange­mes­se­ne Frist ein­ge­räumt, um den ange­kün­dig­ten außer­ge­wöhn­lich hohen Scha­den abzu­wen­den. Ersatz­fä­hig ist nur der Scha­den, der nach Ablauf der Frist ein­tritt.


Danach war die beklag­te Rechts­an­walts­so­zie­tät zwar grund­sätz­lich ver­pflich­tet, die kla­re Auf­for­de­rung des Klä­gers zur Ertei­lung eines Warn­hin­wei­ses an die Gegen­sei­te in die Tat umzu­set­zen, denn der Anwalt muss den sichers­ten Weg wäh­len, vor­aus­seh­ba­re und ver­meid­ba­re Nach­tei­le für den Man­dan­ten zu ver­hin­dern. Dass die Beklag­te die­sen Hin­weis nicht erteilt hat, war jedoch nicht ursäch­lich für den vom Klä­ger gel­tend gemach­ten ent­gan­ge­nen Gewinn. Der Klä­ger konn­te weder dar­le­gen noch bewei­sen, dass die beklag­ten Anwäl­te vor sei­nem aus­drück­li­chen Hin­weis auf die beab­sich­tig­ten Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te wuss­ten, dass er einen fik­ti­ven Gewinn mit Opti­ons­schein­ge­schäf­ten bele­gen wol­le. Eine nach Ein­gang die­ses Hin­wei­ses ver­an­lass­te War­nung an den Rechts­an­walt des Schuld­ners X mit einer Frist­set­zung hät­te nicht zu einer frü­he­ren Über­wei­sung des geschul­de­ten Geld­be­tra­ges geführt, da die­ser bereits unab­hän­gig hier­von inner­halb weni­ger Tage — jeden­falls zum größ­ten Teil — von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung begli­chen wur­de. Soweit der geschul­de­te Rest­be­trag erst im Jahr 2006 gezahlt wur­de, konn­te sich der Senat nicht davon über­zeu­gen, dass der Klä­ger die­sen Teil­be­trag noch auf eige­nes Risi­ko für den Kauf von Opti­ons­schei­nen ein­ge­setzt hät­te, nach­dem er die von ihm tat­säch­lich erziel­ten Gewin­ne nicht erneut für Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te ver­wen­det habe.


Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch besteht jedoch auch aus einem wei­te­ren Grund nicht: Der Klä­ger, der ent­gan­ge­nen Gewinn auf der Grund­la­ge von behaup­te­ten fik­ti­ven Spe­ku­la­tio­nen gel­tend machen will, muss grund­sätz­lich dar­le­gen, dass die­se fik­ti­ven Spe­ku­la­tio­nen sei­nem „Spe­ku­la­ti­ons­pro­fil” ent­spre­chen. Dazu ist es unter ande­rem erfor­der­lich, dass er bereits vor der Erstel­lung eines fik­ti­ven Depots regel­mä­ßig Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te in Opti­ons­schei­nen getä­tigt hat. Das war hier nicht der Fall. Das Ver­hal­ten des Klä­gers hat viel­mehr den Cha­rak­ter der Ein­ma­lig­keit, des Ver­suchs einer risi­ko­lo­sen Spe­ku­la­ti­on auf Kos­ten des säu­mi­gen Schuld­ners, die nicht sei­nem Risi­ko­pro­fil ent­sprach.


Der Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof nicht zuge­las­sen


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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