(Kiel) Die Fern­seh­mo­de­ra­to­rin und Buch­au­torin Eva Her­man hat am 28.07.2009 auch im Beru­fungs­ver­fah­ren gegen den Axel-Sprin­ger-Ver­lag vor dem Ober­lan­des­ge­richt Köln Recht erhal­ten.

Der 15. Zivil­se­nat ver­bot dem Ver­lag, die Mode­ra­to­rin wei­ter falsch in der Wei­se zu zitie­ren, wonach sie den Natio­nal­so­zia­lis­mus in Tei­len gut­ge­hei­ßen habe, näm­lich in Bezug auf die Wert­schät­zung der Mut­ter. Außer­dem muss der Sprin­ger-Ver­lag eine Geld­ent­schä­di­gung von 25.000,- Euro zah­len und in einer wei­te­ren Ver­öf­fent­li­chung rich­tig stel­len, dass Frau Her­man die Äuße­rung so nicht getä­tigt hat


Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Köln (OLG)  vom 28.07.2009, Az.: 15 U 37/09.


Im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz am 06.09.2007 in Ber­lin prä­sen­tier­te die Frau Her­man gemein­sam mit ihrem Ver­le­ger ihr Buch “Das Prin­zip Arche Noah — war­um wir die Fami­lie ret­ten müs­sen” und äußer­te sich dazu auch auf Fra­gen der anwe­sen­den Jour­na­lis­ten. Dar­über schrieb das von Sprin­ger ver­leg­te “Ham­bur­ger Abend­blatt” in sei­ner Print- sowie Inter­net­aus­ga­be in Bezug auf Her­mans Äuße­run­gen zur Poli­tik des Natio­nal­so­zia­lis­mus: “Da sei vie­les sehr schlecht gewe­sen, zum Bei­spiel Adolf Hit­ler, aber eini­ges eben auch sehr gut. Zum Bei­spiel die Wert­schät­zung der Mut­ter.” Die Fern­seh­mo­de­ra­to­rin hat den Axel-Sprin­ger-Ver­lag dar­auf­hin — gemein­sam mit der Redak­teu­rin des Arti­kels — auf Unter­las­sung und auf Zah­lung einer Geld­ent­schä­di­gung in Anspruch genom­men und dahin argu­men­tiert, dass ihr Per­sön­lich­keits­recht schwer dadurch beein­träch­tigt wer­den, dass sie durch das Falsch­zi­tat als Sym­pa­thi­san­tin der NS-Fami­li­en­po­li­tik dar­ge­stellt wer­de. In Wahr­heit habe sie sowohl im Ver­lauf der Pres­se­kon­fe­renz als auch bei ande­ren öffent­li­chen Auf­trit­ten stets deut­lich gemacht, dass sie den Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­ab­scheue.


Die Rich­ter des Ober­lan­des­ge­richts gaben am 28.07.2009 — wie in der Vor­in­stanz schon das Land­ge­richt Köln — im Wesent­li­chen der Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Recht, betont Schell-Pötzl.


Das Zitat, das ihr in dem Arti­kel im “Ham­bur­ger Abend­blatt” als eige­ne Äuße­rung in den Mund gelegt wer­de, sei falsch und ent­spre­che nicht den tat­säch­li­chen Äuße­run­gen Her­mans wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz. In Wahr­heit habe es sich um eine Inter­pre­ta­ti­on bzw. eine Aus­le­gung der tat­säch­lich von Her­man anläss­lich der Pres­se­kon­fe­renz gemach­ten mehr­deu­ti­gen Äuße­rung gehan­delt. Dies hät­te in dem Arti­kel aber deut­lich gemacht wer­den müs­sen. Die der Fern­seh­mo­de­ra­to­rin mit dem Falsch­zi­tat zuge­schrie­be­ne Aus­sa­ge und Ein­stel­lung beein­träch­tig­te sie mas­siv in ihrem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht und las­se sie in nega­ti­vem Licht erschei­nen, da die Äuße­rung letzt­lich den Unrechts­cha­rak­ter des NS-Regimes baga­tel­li­sie­re, indem sie die­sen auf ein in jeden­falls Tei­len erträg­li­ches, in Wirk­lich­keit dann doch nicht so schlech­tes Maß redu­zie­re. Mit dem Falsch­zi­tat wer­de Frau Her­man auch die inhalt­li­che Bil­li­gung der NS-Mut­ter­rol­le als Gebä­re­rin ari­schen Nach­wuch­ses zuge­schrie­ben. Dadurch wer­de sie in ihrer sozia­len Wert­gel­tung mas­siv beein­träch­tigt und her­ab­ge­wür­digt, was inso­fern beson­ders schwer wie­ge, als Frau Her­man als Nach­rich­ten­spre­che­rin eine hohe Bekannt­heit und Vor­bild­funk­ti­on genoss und beson­de­ren Anfor­de­run­gen an Serio­si­tät und Neu­tra­li­tät zu genü­gen hat­te.


Mit Rück­sicht auf die schwer wie­gen­de Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung und das Maß des Ver­schul­dens auf Sei­ten des Ver­lags hat der Senat auch eine Geld­ent­schä­di­gung in Höhe von 25.000,- Euro zuge­spro­chen. Da die Aus­sa­ge in hohem Maße geeig­net gewe­sen sei, das öffent­li­che Anse­hen Eva Her­mans mas­siv zu beschä­di­gen, hät­ten die ver­ant­wort­li­chen Redak­teu­re des Bei­trags sich durch ein­fa­che und zeit­na­he Nach­fra­ge ver­ge­wis­sern kön­nen und müs­sen, ob die Äuße­rung Her­mans tat­säch­lich so bei der Pres­se­kon­fe­renz gefal­len war, zumal dort kei­ne vor­be­rei­te­te Erklä­rung ver­le­sen wor­den sei, son­dern freie Rede­bei­trä­ge gewech­selt wor­den sei­en. Auch hät­te leicht klar­ge­stellt wer­den kön­nen, dass es sich um eine Inter­pre­ta­ti­on der Äuße­rung Her­mans gehan­delt habe. Bei der Bemes­sung der Ent­schä­di­gung hat der Senat aller­dings nicht berück­sich­tigt, dass die dem Arti­kel nach­fol­gen­de Medi­en­kam­pa­gne die beruf­li­che und pri­va­te Exis­tenz Her­mans erheb­lich beein­träch­tigt hat. Für die­se wei­te­ren Aus­wir­kun­gen sei nicht allein der Sprin­ger-Ver­lag ver­ant­wort­lich zu machen.


Die Revi­si­on gegen das heu­ti­ge Urteil wur­de vom Senat nicht zuge­las­sen; der Ver­lag kann aller­dings bin­nen eines Monats nach Zustel­lung des Urteils Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof erhe­ben.


In 3 wei­te­ren Ver­fah­ren muss­te das Ober­lan­des­ge­richt kein Urteil mehr fäl­len, da der Sprin­ger-Ver­lag bzw. die beklag­te Redak­teu­rin ihre Beru­fun­gen gegen die land­ge­richt­li­chen Urtei­le schon vor­her zurück­ge­nom­men hat­ten. Danach darf “Bild” bzw. die ent­spre­chen­de Inter­net­pu­bli­ka­tio­nen Her­man nicht mehr als “dum­me Kuh” bezeich­nen. Die­se For­mu­lie­rung hat­te Bild-Kolum­nist Franz Josef Wag­ner nach dem Raus­schmiss der TV-Mode­ra­to­rin aus der legen­dä­ren “Johan­nes B. Kerner”-Sendung in sei­ner Kolum­ne “Post von Wag­ner” ver­wen­det. Schon das Land­ge­richt hat­te dies als Belei­di­gung ange­se­hen und Her­man einen Scha­den­er­satz in Höhe von 10.000 Euro zuer­kannt.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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