(Kiel) Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer, sowie die Kos­ten der Aus­stat­tung dür­fen den Gewinn steu­er­lich nicht min­dern. Dies gilt nicht, wenn die betrieb­li­che oder beruf­li­che Nut­zung des Arbeits­zim­mers mehr als 50 vom Hun­dert der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit beträgt oder wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht. In die­sen Fäl­len wird die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 2.400 Deut­sche Mark (ab 1.1.2002: 1.250 €) begrenzt; die Beschrän­kung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, ist die Kon­se­quenz eines am 15.03.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteils des Finanz­ge­richts Köln vom 04.03.2009 (AZ.:3 K 3980/05).


In dem Fall strit­ten die Par­tei­en über die Höhe der abzugs­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer der Klä­ge­rin. Die­se ist Dipl.-Sozialpädagogin und war in den Streit­jah­ren als Berufs­be­treue­rin tätig. Sie betreu­te in den Streit­jah­ren auf­grund ent­spre­chen­der Beschlüs­se der Vor­mund­schafts­ge­rich­te durch­schnitt­lich etwa 40 Per­so­nen. Die Betreu­ung nahm die Klä­ge­rin durch­ge­hend selbst vor; sie beschäf­tig­te kein Per­so­nal. Einen Teil ihrer Tätig­keit ver­rich­te­te sie in einem in ihrer Woh­nung befind­li­chen Arbeits­zim­mer. Dabei han­del­te es sich ins­be­son­de­re um Schrift­ver­kehr und Tele­fo­na­te mit Ämtern, Ban­ken, Kran­ken­kas­sen und Ärz­ten. In Ein­zel­fäl­len such­ten die betreu­ten Per­so­nen die Klä­ge­rin in ihrem Arbeits­zim­mer auf.


Den ande­ren Teil ihrer Tätig­keit übte die Klä­ge­rin außer­halb des Arbeits­zim­mers aus. So wur­den u.a. Behör­den­gän­ge, Bank- und Arzt­be­su­che — sowohl in Beglei­tung der betreu­ten Per­so­nen als auch ohne die­se — durch­ge­führt. Fer­ner besuch­te die Klä­ge­rin die von ihr betreu­ten Per­so­nen in deren Woh­nun­gen, bzw. in den Ein­rich­tun­gen (Senio­ren­zen­tren, Wohn­grup­pen, etc.), in wel­chen die­se leb­ten. Sie führ­te dort, sowohl mit den Betreu­ten selbst, als auch mit den Lei­tern und Mit­ar­bei­tern der Ein­rich­tun­gen, Gesprä­che.


Die Klä­ge­rin ermit­tel­te ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG und mach­te Auf­wen­dun­gen für ihr häus­li­ches Arbeits­zim­mer in vol­ler Höhe gel­tend, was ihr das Finanz­amt ver­sag­te und auf  1.250 € als Betriebs­aus­ga­ben beschränk­te.


Hier­ge­gen rich­te­te sich ihre Kla­ge, die das Finanz­ge­richt Köln jedoch jetzt abwies, so Pas­sau.


Zu Recht habe das Finanz­amt den Abzug der auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer der Klä­ge­rin ent­fal­len­den Betriebs­aus­ga­ben auf 1.250 € begrenzt. Die über­stei­gen­den Auf­wen­dun­gen sei­en nicht abzugs­fä­hig. Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer, sowie die Kos­ten der Aus­stat­tung dürf­ten den Gewinn nach § 4 Abs. 5 Nr. 6 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) nicht min­dern. Dies gel­te nicht, wenn die betrieb­li­che oder beruf­li­che Nut­zung des Arbeits­zim­mers mehr als 50 vom Hun­dert der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit beträgt oder wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht. In die­sen Fäl­len wer­de die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 2.400 Deut­sche Mark (ab 1.1.2002: 1.250 €) begrenzt; die Beschrän­kung der Höhe nach gel­te nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de.


Im Streit­fall bil­de der von der Klä­ge­rin betrieb­lich genutz­te Raum, wel­cher als häus­li­ches Arbeits­zim­mer i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG anzu­se­hen ist, nicht den Mit­tel­punkt ihrer gesam­ten betrieb­li­chen Betä­ti­gung. Das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines Steu­er­pflich­ti­gen, der ledig­lich eine ein­zi­ge Tätig­keit ‑teils im Arbeits­zim­mer, teils aus­wärts- aus­übe, ist Mit­tel­punkt sei­ner gesam­ten Betä­ti­gung, wenn er dort die­je­ni­gen Hand­lun­gen vor­nimmt und Leis­tun­gen erbringt, die für den kon­kret aus­ge­üb­ten Beruf wesent­lich und prä­gend sind. Die­ser Mit­tel­punkt bestim­me sich nach dem inhalt­li­chen (qua­li­ta­ti­ven) Schwer­punkt der Betä­ti­gung. Der Senat ver­kann­te nicht, dass ein häus­li­cher Arbeits­platz für die Klä­ge­rin unver­zicht­bar war und sie hier auch wesent­li­che Tei­le ihrer Tätig­keit aus­führ­te; jedoch erge­be sich aus dem Gesamt­bild ihrer Betä­ti­gung, dass der qua­li­ta­ti­ve Schwer­punkt der Tätig­keit außer­halb des Arbeits­zim­mers lie­ge. Die Hand­lun­gen und Leis­tun­gen, die für den Beruf der Betreue­rin wesent­lich und prä­gend sei­en, wur­den nicht inner­halb, son­dern außer­halb des häus­li­chen Arbeits­zim­mer der Klä­ge­rin, näm­lich durch Auf­nah­me und Pfle­ge des per­sön­li­chen Kon­takts, vor­ge­nom­men bzw. erbracht. Eine vol­le steu­er­li­che Aner­ken­nung des Arbeits­zim­mers sei daher nicht mög­lich.


Pas­sau emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Jörg Pas­sau
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