(Kiel) Ein Unter­neh­men, des­sen Leis­tun­gen in Kon­kur­renz zu Leis­tun­gen eines als gemein­nüt­zig aner­kann­ten Ver­eins ste­hen, kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Finanz­amt Aus­kunft dar­über ver­lan­gen, mit wel­chem Steu­er­satz die von dem Ver­ein aus ent­spre­chen­den Tätig­kei­ten erziel­ten Umsät­ze besteu­ert wor­den sind.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 03.01.2011 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 7. Dezem­ber 2010 — (15 K 3614/07 U).

Die Klä­ge­rin, die gewerbs­mä­ßig Blut­kon­ser­ven, Blut­pro­ben und Orga­ne trans­por­tiert, hat­te Anlass zu der Annah­me, dass der als gemein­nüt­zig aner­kann­te Ver­ein, der Ver­gleich­ba­res tut, sei­ne Trans­port­leis­tun­gen ledig­lich mit dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz abrech­net und ver­steu­ert. Dar­in sah die Klä­ge­rin eine Wett­be­werbs­ver­zer­rung. Zur Vor­be­rei­tung einer Kon­kur­ren­ten­kla­ge wegen die­ser nach ihrer Ansicht unzu­tref­fen­den Besteue­rung des Ver­eins ver­lang­te die Klä­ge­rin vom Finanz­amt Aus­kunft dar­über, wie die Trans­port­um­sät­ze des Ver­eins in den Streit­jah­ren 2004 und 2005 besteu­ert wor­den waren.

Das Gericht gab der Kla­ge statt, betont Dr. Gie­se­ler.

Ein Steu­er­pflich­ti­ger habe einen Aus­kunfts­an­spruch hin­sicht­lich der Besteue­rung des Kon­kur­ren­ten, wenn er sub­stan­ti­iert und glaub­haft zwei­er­lei dar­le­ge: Zum einen, dass er durch eine auf­grund von Tat­sa­chen zu ver­mu­ten­de oder zumin­dest nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit aus­zu­schlie­ßen­de unzu­tref­fen­de Besteue­rung eines Kon­kur­ren­ten kon­kret beleg­ba­re Wett­be­werbs­nach­tei­le erlei­det; zum ande­ren, dass er gegen die Steu­er­be­hör­de mit Aus­sicht auf Erfolg eine Kon­kur­ren­ten­kla­ge erhe­ben kann. Das Steu­er­ge­heim­nis ste­he die­sem Anspruch nicht ent­ge­gen. Im Streit­fall lie­ge es nahe, dass die Trans­port­leis­tun­gen des Ver­eins mit dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz besteu­ert wor­den sei­en. Dies sei mög­li­cher­wei­se unzu­tref­fend. Es kön­ne jeden­falls nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass der Ver­ein sei­ne Trans­port­leis­tun­gen nicht im Rah­men eines begüns­tig­ten Zweck­be­trie­bes (§ 65 AO, § 12 Abs. 2 Nr. 8a UStG) erbracht habe, da zwi­schen dem Ver­ein und der Klä­ge­rin eine steu­er­schäd­li­che Kon­kur­renz­si­tua­ti­on bestan­den habe. Es sei auch nach­voll­zieh­bar, dass die Klä­ge­rin durch eine Besteue­rung des Ver­eins mit dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz Wett­be­werbs­nach­tei­le erlei­de. Nut­zer der Trans­port­leis­tun­gen sei­en im Wesent­li­chen nicht zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tig­te Ein­rich­tun­gen.

Zwar wür­den in der Regel die Rech­te eines Steu­er­pflich­ti­gen nicht dadurch ver­letzt, dass ein ande­rer Steu­er­pflich­ti­ger zu nied­rig besteu­ert wer­de. Anders sei dies aller­dings, wenn die zu nied­ri­ge Besteue­rung gegen eine Norm ver­sto­ße, die zumin­dest auch dem Schutz der Inter­es­sen Drit­ter die­nen sol­le. Die im Streit­fall mög­li­cher­wei­se ein­schlä­gi­ge Rege­lung des § 65 Nr. 3 AO sol­le steu­er­lich nicht begüns­tig­te Betrie­be — wie die Klä­ge­rin — davor schüt­zen, dass Mit­be­wer­ber, die auf­grund ihrer Zweck­be­stim­mung grund­sätz­lich steu­er­lich begüns­tigt sei­en, auch bezüg­lich von ihnen getä­tig­ter Umsät­ze steu­er­lich begüns­tigt wür­den, die gera­de nicht der Erfül­lung ihrer die Steu­er­be­güns­ti­gung begrün­den­den Zweck­be­stim­mung dien­ten.

Der 15. Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Gie­se­ler mahn­te, dies beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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