(Kiel) Der u. a. für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass ein “tages­ak­tu­el­les Preis­sys­tem”, bei dem sich der Rei­se­ver­an­stal­ter in sei­nem Pro­spekt für die Zeit bis zur Buchung Flug­ha­fen­zu- und ‑abschlä­ge bis zu 50 € für jede Flug­stre­cke vor­be­hält, nicht gegen gel­ten­des Preis­recht ver­stößt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 29. April 2010 – I ZR 23/08 – Cos­ta del Sol.


Die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs hat­te den Rei­se­ver­an­stal­ter TUI wegen der Preis­an­ga­ben in einem Pro­spekt für Pau­schal­rei­sen vor allem an die Cos­ta del Sol ver­klagt. In dem Pro­spekt wur­de im Zusam­men­hang mit der Anga­be der Kos­ten  für den Hotel­auf­ent­halt und den Flug auf eine Über­sicht Bezug genom­men, aus der sich für ein bestimm­tes Rei­se­ziel – je nach aus­ge­wähl­tem Hotel, Zim­mer­ka­te­go­rie und Rei­se­zeit – ein Grund­preis ergab. Hin­sicht­lich der Zu- oder Abschlä­ge für den jewei­li­gen Abflug­ha­fen ver­wies der Pro­spekt dar­auf, dass sich der Rei­se­preis je nach Buchungs­zeit­punkt und Abflug­ha­fen um 50 Euro pro Flug­stre­cke erhö­hen oder ermä­ßi­gen kön­ne. Die­se Zu- oder Abschlä­ge könn­ten tages­ak­tu­ell beim Rei­se­bü­ro erfragt wer­den.


Nach Ansicht der Klä­ge­rin ver­stößt TUI gegen das gel­ten­de Preis­recht, weil der Ver­brau­cher dem Pro­spekt kei­nen ver­bind­li­chen Rei­se­preis ent­neh­men kön­ne. Das Land­ge­richt Han­no­ver hat­te TUI antrags­ge­mäß ver­ur­teilt. Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat­te die Kla­ge abge­wie­sen.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts im Ergeb­nis bestä­tigt, so Klar­mann.


Das Ober­lan­des­ge­richt hat­te aller­dings zu Unrecht ange­nom­men, dass die bean­stan­de­te Wer­bung schon des­we­gen zuläs­sig ist, weil ein­zel­ne vom Ver­brau­cher zu tra­gen­de Preis­kom­po­nen­ten zum Zeit­punkt der Wer­bung noch nicht bekannt waren. Die bean­stan­de­te Wer­bung der Beklag­ten ent­hält jedoch einen Preis­an­pas­sungs­vor­be­halt, der – so der BGH – jeden­falls nach der seit 1. Novem­ber 2008 gel­ten­den Rege­lung in § 4 Abs. 2 Satz 2 und 3 BGB-InfoV zuläs­sig ist. Ein sol­cher Vor­be­halt ermög­licht den Rei­se­ver­an­stal­tern bei kata­log­ba­sier­ten Ange­bo­ten eine grö­ße­re Preis­fle­xi­bi­li­tät, wie sie beim Inter­net­ver­trieb ohne wei­te­res besteht. Die Beklag­te hat sich in dem bean­stan­de­ten Pro­spekt eine Preis­än­de­rung nur in beschränk­tem Aus­maß (±50 € pro Flug­stre­cke) und nur hin­sicht­lich der Flug­ha­fen­zu- und abschlä­ge vor­be­hal­ten. Auf den Umstand, dass sich die end­gül­ti­gen Prei­se in die­sem Rah­men noch vor der Buchung ändern könn­ten, wur­de mit aus­rei­chen­der Deut­lich­keit hin­ge­wie­sen.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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