(Kiel) In einem Urteil vom 17.11.2009 muss­te sich der Bun­des­ge­richts­hof mit der Fra­ge befas­sen, ob der Abdruck kri­ti­scher Mei­nungs­äu­ße­run­gen gegen Focus Chef­re­dak­teur Mark­wort einen Unter­las­sungs­an­spruch begrün­den.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17.11.2009, Az.: VI ZR 226/08.


Der Klä­ger ist Chef­re­dak­teur des Nach­rich­ten­ma­ga­zins “Focus”. Er ver­langt von dem beklag­ten Zei­tungs­ver­lag die Unter­las­sung des künf­ti­gen Abdrucks von Tei­len eines Inter­views. Gegen­stand des Inter­views waren Äuße­run­gen des Autors und Kaba­ret­tis­ten Roger Wil­lem­sen aus Anlass des bevor­ste­hen­den Büh­nen­auf­tritts “Ich gebe Ihnen mein Ehren­wort – Die Welt­ge­schich­te der Lüge”. Die Beklag­te druck­te das Inter­view weni­ge Tage vor einem Ver­an­stal­tungs­ter­min in der von ihr ver­leg­ten ört­li­chen Tages­zei­tung ab. Roger Wil­lem­sen äußer­te u. a.: “Heu­te wird offen gelo­gen”. Im Hin­blick auf einen Bericht über Ernst Jün­ger in der Zeit­schrift “Focus” erklär­te Roger Wil­lem­sen: “Das Focus-Inter­view, das Mark­wort mit Ernst Jün­ger geführt haben will, war schon zwei Jah­re zuvor in der Bun­ten erschie­nen.” Der Klä­ger meint, durch die­se Äuße­run­gen ent­ste­he in der Öffent­lich­keit ein sei­nem Anse­hen abträg­li­cher Ein­druck.


Die Kla­ge war in den Vor­in­stan­zen erfolg­reich. Der u. a. für den Schutz des Per­sön­lich­keits­rechts zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf die Revi­si­on der Beklag­ten die Kla­ge jedoch abge­wie­sen, betont Scheel-Pötzl.


Die Ver­brei­tung der Äuße­run­gen war zuläs­sig. Es han­delt sich um eine nicht gegen den Klä­ger per­sön­lich gerich­te­te Mei­nungs­äu­ße­rung mit einem wah­ren Tat­sa­chen­kern. Die Aus­sa­ge “Heu­te wird offen gelo­gen” rich­tet sich gegen die Bericht­erstat­tung im Maga­zin “Focus”, für die der Klä­ger als Chef­re­dak­teur ver­ant­wort­lich war. Sie gibt die dem Beweis nicht zugäng­li­che Mei­nung des Inter­view­ten über die man­geln­de Wahr­heits­lie­be in den Medi­en wie­der. Durch das von ihm ange­führ­te Bei­spiel des Inter­views Mark­worts mit Ernst Jün­ger, das Mark­wort jeden­falls nicht selbst geführt hat, wird der Klä­ger zwar in sei­nem Per­sön­lich­keits­recht tan­giert, doch über­wiegt das von Roger Wil­lem­sen ver­folg­te Inter­es­se der Öffent­lich­keit an der Wahr­heit und Serio­si­tät der Medi­en­ar­beit. Der Per­sön­lich­keits­schutz des Klä­gers hat mit­hin hin­ter dem Recht der Beklag­ten auf Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit zurück­zu­tre­ten.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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