(Kiel) Das Ober­lan­des­gerichts Köln am 11.03.2009 Frau Thea Sih­ler-Jauch, der Ehe­frau des Fernsehmod­er­a­tors Gün­ter Jauch, eine Geldentschädi­gung in Höhe von 15.000,- € für die Veröf­fentlichung eines Paparaz­zo-Fotos in der Zeitschrift „FreizeitRe­vue“ Nr. 30/2006 zuge­sprochen. Das Foto war anlässlich der Hochzeit der Jauchs im Som­mer 2006 aufgenom­men wor­den. (OLG Köln, AZ.: Az. 15 U 163/08).

Darauf ver­weist die Ham­burg­er Fachan­wältin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pöt­zl von der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Pressemit­teilung des OLG Köln vom 11.03.2009.


In dem Fall fand die standesamtliche Hochzeit im Pots­damer Schloss Belvedere, die kirch­liche Trau­ung in der Frieden­skirche Pots­dam statt. Das Paar wün­schte, dass die Hochzeit in einem auss­chließlich pri­vat­en Rah­men stat­tfand und auch keine Medi­en­berichter­stat­tung über den Ablauf der Feier­lichkeit­en erfol­gte, um an diesem Tag vor Paparazzi-Jag­den ver­schont zu bleiben und auch ihre Kinder vor Berichter­stat­tung zu schützen. Fotografen waren zu den Feier­lichkeit­en nicht zuge­lassen. Das Gelände um das Schloss war abges­per­rt und durch eine Sicher­heits­fir­ma bewacht. 


In der von Bur­da ver­legten „FreizeitRe­vue“ Nr. 30/2006 erschien ein Bericht unter der Über­schrift „Nach 18 Jahren heiratete er seine Thea – Gün­ter Jauch – Warum wollte er sein Glück nicht mit seinen Fans teilen?“ Der Beitrag war mit diversen Fotos bebildert. Eines zeigte Frau Sih­ler-Jauch beim Warten auf die standesamtliche Trau­ung im Inneren des Schloss­es Belvedere, und zwar hin­ter dem Gemäuer rechts von ein­er geöffneten Eisen­git­tertür ste­hend. Einge­blendet war der Schriftzug: „Die Braut. Thea im weißen Hochzeit­skostüm – und ein wenig anges­pan­nt. Wegen des unnöti­gen Trubels?“ 


Frau Sih­ler-Jauch hat im Prozess behauptet, das Foto habe nur mit Hil­fe eines starken Teleob­jek­tivs aus einem schrä­gen Winkel aufgenom­men wer­den kön­nen, wodurch ihre Pri­vat­sphäre gegen ihren aus­drück­lichen Willen in schw­er­er und hart­näck­iger Weise ver­let­zt wor­den sei. Der Bur­da-Ver­lag hat sich demge­genüber auf die Frei­heit der Presse­berichter­stat­tung sowie darauf berufen, dass die Hochzeit des bekan­nten Fernsehmod­er­a­tors ein zeit­geschichtlich­es Ereig­nis ersten Ranges sei, an dem die Öffentlichkeit ein hohes Inter­esse habe.


Das Ober­lan­des­gerichts Köln hat in der Begrün­dung seines Urteils nun fest­gestellt, dass das Per­sön­lichkeit­srecht durch die Bild­nisveröf­fentlichung schw­er­wiegend und schuld­haft ver­let­zt wor­den sei, so Scheel-Pötzl. 


Im Rah­men der gebote­nen Abwä­gung sei dem konkreten sit­u­a­tiv­en Kon­text, in dem das Foto ent­standen sei, im Hin­blick auf den gesteigerten Schutz der Pri­vat­sphäre in „örtlich­er Abgeschieden­heit“ beson­dere Bedeu­tung beizumessen. Das Bild unter­schei­de sich the­ma­tisch deut­lich von üblicher­weise veröf­fentlicht­en Hochzeits­bildern, bei denen das Paar auf dem Weg zur Trau­ung oder danach gemein­sam abge­bildet sei. Das Foto zeige den sehr pri­vat­en Moment vor Beginn der eigentlichen Trau­ungsz­er­e­monie, als Frau Sih­ler-Jauch sich in einen abgeschiede­nen Bere­ich des ohne­hin schon weiträu­mig abges­per­rten Are­als zurück­ge­zo­gen habe. Sie habe davon aus­ge­hen dür­fen, in diesem Moment nur von den­jeni­gen Per­so­n­en beobachtet zu wer­den, die sich an sich her­an­ließ, um in der von ihr gewün­scht­en Pri­vatheit zumin­d­est in diesem Augen­blick klar respek­tiert zu wer­den. Auch die Höhe der vom Landgericht zuerkan­nten Geldentschädi­gung wurde nicht bean­standet. Vor dem Landgericht hat­te Frau Sih­ler-Jauch sich noch auf eine gütliche Eini­gung dahin ver­ständigt, dass der beklagte Ver­lag einen Betrag von 10.000,- € an eine gemein­nützige Organ­i­sa­tion zahlen sollte. Diesen Ver­gle­ich hat­te allerd­ings der Bur­da-Ver­lag widerrufen. 


Die Revi­sion gegen das Urteil wurde nicht zuge­lassen. Dem Ver­lag ste­ht danach nur die sog. Nichtzu­las­sungs­beschw­erde zur Ver­fü­gung, die inner­halb eines Monats ab Urteil­szustel­lung zum Bun­des­gericht­shof einzule­gen ist.


Scheel-Pöt­zl emp­fahl Medi­enun­ternehmen, das Urteil zu beacht­en und bei ähn­lichen Fällen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen und ver­wies in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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