(Kiel) Hat der Nut­zer eines Mobil­te­le­fons mit Navi­ga­ti­ons­soft­ware die­ses von sei­nem Mobil­funk­an­bie­ter erwor­ben, so muss er nicht für die Kos­ten der Inter­net­nut­zung auf­kom­men, wenn die Navi­ga­ti­ons­soft­ware bei der Instal­la­ti­on auto­ma­tisch eine kos­ten­pflich­ti­ge Kar­ten­ak­tua­li­sie­rung star­tet und ein aus­drück­li­cher Hin­weis sei­nes Mobil­funk­an­bie­ters auf die Kos­ten­fol­ge fehlt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­rich­tes (OLG) vom 26. Sep­tem­ber 2011 zu sei­nem Urteil vom 15.9.2011, Az.: 16 U 140/10.

Das kla­gen­de Unter­neh­men ist ein Mobil­funk­an­bie­ter. Das Unter­neh­men schloss mit dem beklag­ten Ver­brau­cher einen Ver­trag über Mobil­funk­leis­tun­gen, der auch die Nut­zung des Inter­nets umfass­te. Die Prei­se für die Inter­net­nut­zung rich­te­ten sich nach der abge­ru­fe­nen Daten­men­ge und dem Zeit­um­fang der Nut­zung. Der Tarif für die Inter­net­nut­zung rech­ne­te sich nur bei gering­fü­gi­ger Inter­net­nut­zung. Für einen Zeit­raum von 20 Tagen stell­te der Mobil­funk­an­bie­ter dem Ver­brau­cher 11.498,05 Euro in Rech­nung.

Der Ver­brau­cher hat­te von dem Mobil­funk­an­bie­ter anläss­lich einer Ver­trags­ver­län­ge­rung güns­tig gegen Zuzah­lung ein Mobil­te­le­fon erwor­ben, das nach der Wer­bung des Mobil­funk­an­bie­ters auch eine Navi­ga­ti­ons­soft­ware umfass­te. Als der Ver­brau­cher die Navi­ga­ti­ons­soft­ware auf dem neu­en Mobil­te­le­fon instal­lier­te, star­te­te auto­ma­tisch eine Aktua­li­sie­rung des vor­han­de­nen Kar­ten­ma­te­ri­als über das Inter­net, die meh­re­re Stun­den dau­er­te.

Das Ober­lan­des­ge­richt sah in dem Ver­hal­ten des Mobil­funk­an­bie­ters eine Ver­let­zung ver­trag­li­cher Pflich­ten, so dass die­sem nach “Treu und Glau­ben” nicht das ver­ein­bar­te Ent­gelt für die Inter­net­nut­zung zusteht, betont Klar­mann: “Die Klä­ge­rin hat ihre Neben­pflich­ten aus dem Mobil­funk­ver­trag ver­letzt, indem sie den Beklag­ten ohne nach­drück­li­che War­nung vor der Kos­ten­fal­le ein Mobil­te­le­fon ver­kauf­te, das im Rah­men der Instal­la­ti­on der Navi­ga­ti­ons­soft­ware eine kos­ten­pflich­ti­ge auto­ma­tisch star­ten­de Kar­ten­ak­tua­li­sie­rung vor­sah. Neben­pflicht im Rah­men eines Mobil­funk­ver­tra­ges ist die Pflicht bei­der Ver­trags­part­ner für eine mög­lichst rei­bungs­lo­se und trans­pa­ren­te Abwick­lung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses zu sor­gen, und die Für­sor­ge­pflicht, mög­lichst Schä­den von der ande­ren Sei­te abzu­wen­den. Der Käu­fer eines Mobil­te­le­fons mit Navi­ga­ti­ons­soft­ware geht davon aus, dass die­se auf aktu­el­lem Stand ist. Muss er sich im Lau­fe der Instal­la­ti­on ent­schei­den, ob er eine Kar­ten­ak­tua­li­sie­rung in Gang set­zen will, so wird und darf er den­ken, dass er nur so und ohne wei­te­re Kos­ten an die ihm nach dem Kauf­ver­trag zuste­hen­de aktu­el­le Soft­ware gelan­gen kann. Auf Abwei­chen­des müss­te der Ver­käu­fer aus­drück­lich hin­wei­sen, was hier nicht gesche­hen ist.”

Der beklag­te Ver­brau­cher muss jetzt ledig­lich 35,93 Euro für die Inan­spruch­nah­me wei­te­rer Mobil­funk­leis­tun­gen zah­len.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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