(Kiel) Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt hat soeben die Beru­fung einer Hotel- und Host­el­be­trei­be­rin zurück­ge­wie­sen, mit der die­se errei­chen woll­te, dass ihr Hotel / Hos­tel nicht mehr in dem von der Beklag­ten betrie­be­nen Hotel­be­wer­tungs­por­tal bewer­tet wer­den darf.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 19.01.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 5 U 51/11.

Die Klä­ge­rin betreibt in Ber­lin unter einem Dach ein Hotel und ein Hos­tel.

Die Beklag­te ver­mit­telt in ihrem Rei­se­por­tal im Inter­net Rei­sen und Hotel­über­nach­tun­gen. Zugleich bie­tet sie Inter­net­nut­zern die Mög­lich­keit, in dem Bewer­tungs­be­reich des Por­tals Kom­men­ta­re über Hotels und Rei­sen abzu­ge­ben und die Kom­men­ta­re ande­rer Nut­zer anzu­se­hen. Auch über das Haus der Klä­ge­rin befan­den sich Bewer­tun­gen im Por­tal der Beklag­ten. Hier berich­te­ten Nut­zer von zahl­rei­chen Män­geln ihrer Unter­kunft.

Die Klä­ge­rin ist der Auf­fas­sung, ihr ste­he gegen die Beklag­te hin­sicht­lich der Bewer­tung ihres Hau­ses ein Unter­las­sungs­an­spruch zu. Die Beklag­te habe mit dem Por­tal einen vir­tu­el­len „Pran­ger” geschaf­fen, an dem jeder­mann – unab­hän­gig davon, ob er Gast im Hotel gewe­sen sei — völ­lig anonym und risi­ko­los ver­öf­fent­li­chen kön­ne, was er wol­le, und zwar ohne dass eine aus­rei­chen­de Inhalts­kon­trol­le statt­fin­de.

Nach­dem die Kla­ge der Klä­ge­rin bereits vor dem Land­ge­richt Ham­burg abge­wie­sen wor­den war, hat­te nun auch die Beru­fung gegen das land­ge­richt­li­che Urteil kei­nen Erfolg, so Dr. Ise­le.

Der zustän­di­ge 5. Zivil­se­nat des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts hat ent­schie­den, die Abwä­gung der Inter­es­sen der Klä­ge­rin gegen jene der Beklag­ten, der Nut­zer des Bewer­tungs­por­tals sowie der an Hotel­be­wer­tungs­por­ta­len inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit erge­be, dass der Klä­ge­rin der gel­tend gemach­te umfas­sen­de Unter­las­sungs­an­spruch nicht zuste­he. Die Klä­ge­rin sei unzu­tref­fen­den und für ihren Hotel­be­trieb abträg­li­chen Bewer­tun­gen nicht schutz­los aus­ge­lie­fert, da sie deren Löschung ver­lan­gen und dies ggf. auch gericht­lich durch­set­zen kön­ne. Das von der Klä­ge­rin begehr­te all­ge­mei­ne Bewer­tungs­ver­bot füh­re jedoch dazu, dass das von der Rechts­ord­nung aner­kann­te Betrei­ben einer Hotel­be­wer­tungs­platt­form unmög­lich gemacht wer­den könn­te. Das lie­ge nicht im Inter­es­se der All­ge­mein­heit, die ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se an Infor­ma­ti­on auch durch der­ar­ti­ge Bewer­tungs­por­ta­le besit­ze. An dem Ergeb­nis der Inter­es­sen­ab­wä­gung ände­re sich nichts dadurch, dass die Beklag­te eine im Wesent­li­chen anony­me Bewer­tung zulas­se. Denn auch anonym abge­ge­be­ne Mei­nungs­äu­ße­run­gen stün­den unter dem Schutz der Mei­nungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­frei­heit. Die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof wur­de nicht zuge­las­sen.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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