(Kiel) Der 13. Zivil­se­nat des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt hat am 24. Juni 2011 in einem Beru­fungs­ver­fah­ren über den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung u.a. über die Reich­wei­te des Liby­en- Embar­gos des UN-Sicher­heits­ra­tes und der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 27.06.2011 — (Az.: 13 U 83/11).

Die Klä­ge­rin, die ihren Sitz in Zypern hat, betreibt über ein deut­sches Toch­ter­un­ter­neh­men ca. 390 Tank­stel­len in Deutsch­land. Dabei belie­fert sie Tank­stel­len im nord­deut­schen Raum über eige­ne Raf­fi­ne­ri­en, Tank­stel­len außer­halb des nord­deut­schen Raums lässt sie von Ver-trags­part­nern, z.B. der Beklag­ten, einem bri­ti­schen Mine­ral­öl­un­ter­neh­men, belie­fern. Über eine Ket­te von Betei­li­gun­gen steht die Klä­ge­rin mehr­heit­lich im Eigen­tum der staat­li­chen Erd­öl­ge­sell­schaft Liby­ens, die wie­der­um der Kon­trol­le Muammar al Gad­da­fis unter­steht. Erd­öl­ge­sell­schaft und Gad­da­fi befin­den sich auf der Lis­te von Per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­rich­tun­gen, denen nach den im März 2011 erlas­se­nen EU-Sank­tio­nen gegen Liby­en weder unmit­tel­bar noch mit­tel­bar Gel­der oder wirt­schaft­li­che Res­sour­cen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den oder zugu­te­kom­men dür­fen (Art. 5 Abs. 2 Ver­ord­nung [EU] 204/2011).

Unter Beru­fung auf die­se Rege­lung stell­te die Beklag­te im März 2011 die Belie­fe­rung der Tank­stel­len der Klä­ge­rin ein. Hier­ge­gen erwirk­te die Klä­ge­rin beim Land­ge­richt Ham­burg eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung, die die Beklag­te ver­pflich­tet, die von der Klä­ge­rin für März 2011 abge­ru­fe­nen Treib­stoff­men­gen zu lie­fern. Gegen die­se Ent­schei­dung hat die Beklag­te Beru­fung zum Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­legt.

Der 13. Zivil­se­nat des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts hat die­se Beru­fung nun mit der Begrün­dung zurück­ge­wie­sen, so Dr. Ise­le, die Beklag­te sei ver­trag­lich ver­pflich­tet, die Tank­stel­len der Klä­ge­rin zu belie­fern.

Zuguns­ten der Klä­ge­rin grei­fe die Aus­nah­me­vor­schrift des Art. 6a der EU-Ver­ord­nung ein. Danach dür­fen u.a. Gesell­schaf­ten, an denen auf der Sank­ti­ons­lis­te genann­te Per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­rich­tun­gen eine Betei­li­gung hal­ten, ihre recht­mä­ßi­gen Geschäf­te wei­ter­füh­ren, sofern dies nicht dazu führt, dass einer auf der Sank­ti­ons­lis­te benann­ten Per­son, Orga­ni­sa­ti­on oder Ein­rich­tung Gel­der oder wirt­schaft­li­che Res­sour­cen bereit­ge­stellt wer­den. Die Klä­ge­rin habe mit den im Ver­fü­gungs­ver­fah­ren erfor­der­li­chen Mit­teln belegt, dass weder die staat­li­che Erd­öl­ge­sell­schaft noch der liby­sche Staat auf die Ein­nah­men aus den Ver­käu­fen des Treib­stoffs an den deut­schen Tank­stel­len zugrei­fen kön­nen.

Bei der Ent­schei­dung sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Tank­stel­len ohne Belie­fe­rung durch die Beklag­te bin­nen kur­zer Zeit ihren Geschäfts­be­trieb ein­stel­len müss­ten. Dies sei nicht im Sin­ne der EU-Sank­tio­nen, denn die­se wür­den das Ziel ver­fol­gen, die ein­ge­fro­re­nen Ver­mö­gens­wer­te sobald wie mög­lich zum Nut­zen des liby­schen Vol­kes zu ver­wen­den. Das set­ze aber zwin­gend den Erhalt die­ser Ver­mö­gens­wer­te und damit die Fort­füh­rung der Unter­neh­men vor­aus.

Schließ­lich müs­se im Rah­men der auch in die­sem Fall erfor­der­li­chen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung der dro­hen­de erheb­li­che Ver­lust an Arbeits­plät­zen in der Bun­des­re­pu­blik berück­sich­tigt wer­den. Nach Auf­fas­sung des Senats soll Art. 6a der Ver­ord­nung gera­de sol­che schwe­ren Beein­träch­ti­gun­gen der gewöhn­li­chen Geschäfts­tä­tig­keit nicht gelis­te­ter Unter­neh­men ver­hin­dern.

Das Urteil ist rechts­kräf­tig. Aller­dings sind vor dem Land­ge­richt Ham­burg wei­te­re Ver­fah­ren der Par­tei­en anhän­gig, die die Lie­fe­rungver­pflich­tun­gen der Beklag­ten für die Zeit nach März 2011 betref­fen.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies und die wei­te­ren Ver­fah­ren zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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