(Kiel)  Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat am 26.11.2009 ent­schie­den, dass das Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­rä­te­ge­setz die Her­stel­ler der­ar­ti­ger Gerä­te zu Recht ver­pflich­tet, die auf den Sam­mel­stel­len der öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger bereit­ge­stell­ten und mit Alt­ge­rä­ten gefüll­ten Behält­nis­se auf eige­ne Kos­ten zurück­zu­neh­men und zu ent­sor­gen, auch soweit die­se frem­de Alt­ge­rä­te ent­hal­ten.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Arbeits- und Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts (BVerwG) vom 26.11.2009, Az.: 7 C 20.08.


Die Klä­ge­rin ist bei der beklag­ten Stif­tung Elek­tro-Alt­ge­rä­te Regis­ter als Her­stel­le­rin von Elek­tro­ge­rä­ten, näm­lich bestimm­ter hoch­wer­ti­ger elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­te, regis­triert. Die Stif­tung orga­ni­siert als “Gemein­sa­me Stel­le” sämt­li­cher Her­stel­ler deren Rück­nah­me­pflich­ten für Elek­tro- und Elek­tro­nik-Alt­ge­rä­te, die von den öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­gern auf ihren kom­mu­na­len Sam­mel­stel­len in fünf ver­schie­de­nen Grup­pen in Con­tai­nern gesam­melt wer­den. Die wei­te­re Ent­sor­gung die­ser Alt­ge­rä­te ist eben­so wie das Abho­len gefüll­ter und das Bereit­stel­len lee­rer Con­tai­ner nach dem Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­rä­te­ge­setz Auf­ga­be der Her­stel­ler. Wie oft, wann und wo die Her­stel­ler Con­tai­ner abho­len und neu bereit­stel­len müs­sen, berech­net die Beklag­te auf der Grund­la­ge des Anteils, den der jewei­li­ge Her­stel­ler im Kalen­der­jahr pro Gerä­te­art in Ver­kehr gebracht hat bzw. des Anteils von Alt­ge­rä­ten des Her­stel­lers an der gesam­ten Alt­ge­rä­te­men­ge pro Gerä­te­art. Der her­an­ge­zo­ge­ne Her­stel­ler muss nach die­sem Sys­tem auch frem­de Alt­ge­rä­te ent­sor­gen.


Mit Beschei­den vom Juni 2006 for­der­te die Beklag­te die Klä­ge­rin auf, einen gefüll­ten Behäl­ter der Sam­mel­grup­pe 3 (“Infor­ma­ti­ons- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­te, Gerä­te der Unter­hal­tungs­elek­tro­nik”) zur wei­te­ren Ent­sor­gung abzu­ho­len und ein neu­es Behält­nis bereit­zu­stel­len. Die Klä­ge­rin kam der Anord­nung nach, erhob jedoch Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt. Auf­grund der im Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­rä­te­ge­setz fest­ge­schrie­be­nen Ein­tei­lung der Alt­ge­rä­te in nur fünf ver­schie­de­ne Sam­mel­grup­pen und des dar­an anknüp­fen­den Berech­nungs­sys­tems müs­se sie Gerä­te ent­sor­gen, die nicht aus ihrer Pro­dukt­pa­let­te stamm­ten und auch kei­ne Ähn­lich­keit mit den von ihr her­ge­stell­ten Gerä­ten hät­ten. Das Berech­nungs­sys­tem der Beklag­ten sei nicht trans­pa­rent und benach­tei­li­ge die Her­stel­ler qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Pro­duk­te mit lan­ger Lebens­dau­er. Die vom Gesetz­ge­ber fest­ge­leg­te Anzahl der Sam­mel­grup­pen sei zu nied­rig und zu undif­fe­ren­ziert.


Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung blieb ohne Erfolg, betont Henn.


Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof erkann­te in den Vor­ga­ben des Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­set­zes kei­ne Ver­stö­ße gegen euro­päi­sches Gemein­schafts­recht, den Gleich­heits­grund­satz und die Berufs­frei­heit der Klä­ge­rin. Eben­so wenig ver­sto­ße die Berech­nung des Umfangs der Abhol- und Bereit­stel­lungs­ver­pflich­tung der Klä­ge­rin gegen die Vor­schrif­ten des Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­rä­te­ge­set­zes.


Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat eben­falls die Ver­ein­bar­keit der strei­ti­gen Vor­schrif­ten des Elek­tro- und Elek­tro­nik­ge­rä­te­ge­set­zes mit über­ge­ord­ne­tem Gemein­schafts- und Ver­fas­sungs­recht bejaht. Das gemein­schafts­recht­lich vor­ge­schrie­be­ne Ver­ur­sa­cher­prin­zip gestat­te es, einem Her­stel­ler auch die Ent­sor­gungs­kos­ten für frem­de Alt­ge­rä­te auf­zu­er­le­gen. Das sei auch mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, weil nur so der Geset­zes­zweck einer aus Umwelt­schutz­grün­den mög­lichst umfas­sen­den Alt­ge­rä­te­ent­sor­gung erreicht wer­den kön­ne und die­se Ver­pflich­tung wegen deren Aus­rich­tung am Markt­an­teil des jewei­li­gen Her­stel­lers und durch wei­te­re Kom­pen­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten finan­zi­ell zumut­bar sei. Nur ein­ge­schränkt gericht­lich nach­prüf­bar sei die von der Klä­ge­rin in ers­ter Linie ange­grif­fe­ne Zuord­nung von Elek­tro­ge­rä­ten zu Gerä­te­ar­ten, nach deren jewei­li­gem Anteil sich die Ver­pflich­tung des Her­stel­lers zur Rück­nah­me maß­geb­lich berech­net; die Gren­zen des Beur­tei­lungs­spiel­raums sei­en hier nicht über­schrit­ten. Nicht gefolgt wer­den kön­ne dem Beru­fungs­ge­richt aber in der Annah­me, dass die Bekannt­ga­be der kon­kre­ten Berech­nung der Abhol- und Bereit­stel­lungs­ver­pflich­tung und damit die Prü­fung der mate­ri­el­len Recht­mä­ßig­keit der ange­foch­te­nen Beschei­de wegen des Schut­zes von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen ande­rer Her­stel­ler dem Gericht ver­wehrt sei­en. Inso­weit kom­me die Bekannt­ga­be anony­mi­sier­ter Daten in Betracht. Zur Nach­ho­lung der bis­lang unter­blie­be­nen Über­prü­fung der Beschei­de auf die­ser Grund­la­ge hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Sache an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ver­wie­sen.


Henn mahn­te, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Micha­el Henn      
Rechts­an­walt      
Fach­an­walt für Erbrecht     
Fach­an­walt für Arbeits­recht    
DASV – Vize­prä­si­dent     
Rechts­an­wäl­te Dr. Gaupp & Coll   .
Theo­dor-Heuss-Str. 11     
70174 Stutt­gart      
Tel.: 0711/30 58 93–0
Fax: 0711/30 58 93–11     
stuttgart@drgaupp.de     
www.drgaupp.de