(Kiel) Der Hal­ter eines Tie­res haf­tet für Schä­den, die durch typi­sches Tier­ver­hal­ten wie etwa das Bei­ßen eines Hun­des oder Aus­tre­ten eines Pfer­des ver­ur­sacht wer­den. Dies gilt nach einem Urteil des 20. Zivil­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le selbst dann, wenn das Tier die Schä­den ver­ur­sacht, wäh­rend es sich in der Obhut einer ande­ren Per­son — etwa eines Tier­arz­tes — befin­det und der Hal­ter damit kei­ner­lei Mög­lich­keit hat, steu­ernd auf sein Tier ein­zu­wir­ken.

Das Urteil zei­ge ein­mal mehr, so das OLG, wie wich­tig für Tier­hal­ter der Abschluss einer Tier­hal­ter­haft­pflicht­ver­si­che­rung sei.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Cel­le vom 13.07.2012 zu sei­nem Urteil vom 11. Juni 2012 – Az. 20 U 38/11.

Der 20. Zivil­se­nat hat­te über einen Fall zu ent­schei­den, in dem die Hal­te­rin eines Schä­fer­hun­des die­sen in die Klein­tier­kli­nik des Klä­gers gebracht hat­te. Dort wur­de der Hund für die Behand­lung nar­ko­ti­siert. Beim Erwa­chen aus der Nar­ko­se biss das Tier den Tier­arzt in die rech­te Hand und ver­ur­sach­te schwe­re Ver­let­zun­gen. Für die­se Ver­let­zun­gen ver­lang­te der Tier­arzt Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld im sechs­stel­li­gen Bereich, weil er durch die Hand­ver­let­zun­gen sei­ne tier­chir­ur­gi­sche Tätig­keit nicht mehr aus­üben kön­ne.

Die beklag­te Hun­de­hal­te­rin mein­te, für die Schä­den nicht ein­ste­hen zu müs­sen, weil sie kei­ne Mög­lich­keit gehabt hät­te, auf ihren Hund Ein­fluss zu neh­men. Die­se Mög­lich­keit hät­te allein der Klä­ger gehabt, der als Tier­arzt über eine beson­de­re Sach­kun­de ver­fügt und sich dem Risi­ko, von dem Hund ange­grif­fen zu wer­den, bewusst aus­ge­setzt habe.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te der 20. Zivil­se­nat jedoch nicht, so Klar­mann, son­dern ent­schied, dass allein der Umstand, dass man sein Tier zum Zweck der Behand­lung o.ä. in die Obhut einer ande­ren Per­son gebe, nicht dazu füh­ren kön­ne, dass die Haf­tung des Hal­ters aus­ge­schlos­sen sei. Denn die Haf­tung des Tier­hal­ters bestehe unab­hän­gig von der Mög­lich­keit sei­ner Ein­fluss­nah­me. Aller­dings kön­ne die Haf­tung beschränkt wer­den, wenn der Geschä­dig­te durch inad­äqua­tes Ver­hal­ten zu der Ver­let­zung selbst bei­getra­gen habe. Da Hun­de wäh­rend des Erwa­chens aus der Nar­ko­se mit­un­ter außer­ge­wöhn­lich und aggres­siv reagie­ren wür­den, hät­te der Tier­arzt im zu ent­schei­den­den Fall beson­de­re Vor­sicht beim Her­an­ge­hen an den Hund wal­ten las­sen müs­sen, was er jedoch nicht getan hat­te. Dem­entspre­chend konn­te er nur einen Teil der gel­tend gemach­ten Schä­den ersetzt ver­lan­gen.

Der Pres­se­spre­cher und Cel­ler Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt Dr. Götz Wet­tich beton­te: „Ange­sichts der Schä­den, die durch Biss­ver­let­zun­gen ent­ste­hen kön­nen, hat das Land Nie­der­sach­sen gut dar­an getan, im Gesetz über das Hal­ten von Hun­den den Abschluss einer Haft­pflicht­ver­si­che­rung vor­zu­schrei­ben. Wer gegen die­ses Gebot ver­stößt, ris­kiert nicht nur, bei Unfäl­len hor­ren­de Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen aus eige­ner Tasche zah­len zu müs­sen, son­dern auch die Ver­hän­gung einer emp­find­li­chen Geld­bu­ße bis zu 10.000,- €.”

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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