(Kiel) Die Axel Sprin­ger AG darf bestimm­te E‑Mails in direk­ter oder indi­rek­ter Rede weder ver­brei­ten noch ver­brei­ten las­sen, die die Pri­vat­sphä­re des frü­he­ren bran­den­bur­gi­schen Innen­mi­nis­ters Rai­ner Speer betref­fen.

In einem Beru­fungs­ver­fah­ren bestä­tig­te das Kam­mer­ge­richt am 18.04.2011 inso­weit ein ent­spre­chen­des Ver­bot des Land­ge­richts Ber­lin durch eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung vom 2. Sep­tem­ber 2010, so der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Kam­mer­ge­richts (KG) Ber­lin vom 18. April 2011 – Az.: 10 U 149/10 u. a.

Das Gericht bejah­te jedoch ein hohes öffent­li­ches Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se an den Umstän­den, die zum Rück­tritt des Minis­ters geführt haben und beschränk­te das Ver­bot auf die Wie­der­ga­be in wört­li­cher oder indi­rek­ter Rede.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter des für Pres­se­sa­chen zustän­di­gen 10. Zivil­se­nats erläu­ter­te im Ter­min zur Urteils­ver­kün­dung, bei der gebo­te­nen Abwä­gung zwi­schen dem Recht auf Mei­nungs- und Medi­en­frei­heit und dem Recht auf Schutz der Per­sön­lich­keit und Ach­tung des Pri­vat­le­bens sei nach den Umstän­den des Fal­les dem Per­sön­lich­keits­recht Speers der Vor­rang ein­zu­räu­men. Zwar bestehe am Ver­hal­ten von Per­so­nen des poli­ti­schen Lebens unter dem Gesichts­punkt demo­kra­ti­scher Trans­pa­renz und Kon­trol­le ein gestei­ger­tes Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit. Aus den umstrit­te­nen E‑Mails sei jedoch ein beson­de­res per­sön­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis der Betei­lig­ten erkenn­bar: Sie hät­ten dar­auf ver­traut, dass ihre Kor­re­spon­denz nicht einem grö­ße­ren Per­so­nen­kreis zugäng­lich gemacht wer­de. Das ver­stär­ke den Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht im Fal­le einer Ver­öf­fent­li­chung. Der Senat hal­te es für über­wie­gend wahr­schein­lich, dass die E‑Mails durch Straf­ta­ten Drit­ter beschafft wor­den sei­en. Die Rechts­wid­rig­keit der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung kön­ne den ver­ant­wort­li­chen Redak­teu­ren nicht ver­bor­gen geblie­ben sein. Ande­rer­seits ste­he es nicht fest, dass der Antrag­stel­ler eine Straf­tat began­gen habe. Ein Min­dest­be­stand an Bewei­s­tat­sa­chen, der eine Ver­dachts­be­richt­erstat­tung recht­fer­ti­gen kön­ne, läge eben­so­we­nig vor.

Letzt­lich kön­ne der Senat bei die­ser Sach­la­ge nicht fest­stel­len, dass die Bedeu­tung der Infor­ma­ti­on für die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung ein­deu­tig die Nach­tei­le über­wie­ge, die sich aus der straf­ba­ren Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung für den Poli­ti­ker und die Gel­tung der Rechts­ord­nung ergä­ben.

Die Ent­schei­dung des Land­ge­richts, jede publi­zis­ti­sche Nut­zung der E‑Mails zu ver­bie­ten, sei aller­dings zu weit­ge­hend. Es sei nur gerecht­fer­tigt, ihre wört­li­che oder sinn­ge­mä­ße Ver­brei­tung zu unter­sa­gen.

Mit ähn­li­cher Begrün­dung hat das Kam­mer­ge­richt – abwei­chend vom Land­ge­richt und in Abän­de­rung erst­in­stanz­li­cher Ent­schei­dun­gen – in drei wei­te­ren Ver­fah­ren zu ähn­li­chen The­men­kom­ple­xen die Erle­di­gung der Haupt­sa­che fest­ge­stellt. Die dort gestell­ten Unter­las­sungs­an­trä­ge — zwei davon gegen die Bild digi­tal GmbH & Co. KG — sei­en zunächst gerecht­fer­tigt gewe­sen. Der Rück­tritt Speers sei jedoch als erle­di­gen­des Ereig­nis im Sin­ne des Pro­zess­rechts anzu­se­hen, weil dadurch ein neu­es Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit an den Umstän­den der Amts­auf­ga­be ent­stan­den sei.

Da die Ent­schei­dun­gen sämt­lich in Eil­ver­fah­ren ergan­gen sind, kön­nen sie nicht mit einem Rechts­mit­tel ange­grif­fen wer­den.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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