(Kiel) Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat heu­te in zwei Ver­fah­ren ent­schie­den, dass ein gegen Gewäh­rung einer ange­mes­se­nen Bar­ab­fin­dung aus der Gesell­schaft aus­ge­schlos­se­ner Min­der­heits­ak­tio­när die einem außen­ste­hen­den Aktio­när auf­grund eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags zuste­hen­de Aus­gleichs­zah­lung für ein zurück­lie­gen­des Geschäfts­jahr nicht mehr ver­lan­gen kann, wenn alle Akti­en der Min­der­heits­ak­tio­nä­re im Zeit­punkt der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung für die­ses Geschäfts­jahr mit Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses in das Han­dels­re­gis­ter bereits auf den Haupt­ak­tio­när über­ge­gan­gen sind.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter-ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH)  vom 19. April 2011 — II ZR 237/09.

Die Klä­ger waren Aktio­nä­re der Wel­la AG. Die­se hat­te sich 2004 in einem mit der Beklag­ten als herr­schen­dem Unter­neh­men abge­schlos­se­nen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag ver­pflich­tet, ihren Gewinn an die Beklag­te abzu­füh­ren. Nach dem Ver­trag schul­de­te die Beklag­te den übri­gen Aktio­nä­ren der Wel­la AG eine jähr­li­che Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 3,83 € je Vor­zugs­ak­tie. Der Aus­gleich soll­te jeweils am Tag nach der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG für das abge­lau­fe­ne Geschäfts­jahr fäl­lig wer­den, das vom 1. Juli eines Jah­res bis zum 30. Juni des Fol­ge­jah­res dau­er­te.

In der Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG vom 13./14. Dezem­ber 2005 wur­de die Über­tra­gung der Akti­en der Min­der­heits­ak­tio­nä­re auf die beklag­te Haupt­ak­tio­nä­rin gegen eine Bar­ab­fin­dung von 80,37 € je Stück­ak­tie beschlos­sen. Der Über­tra­gungs­be­schluss wur­de am 12. Novem­ber 2007 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen und am fol­gen­den Tag bekannt gemacht. Am 23. Janu­ar 2008 fand die ordent­li­che Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG für das Geschäfts­jahr 2006/2007 statt.

Die Klä­ger haben u. a. Zah­lung des Aus­gleichs für das Geschäfts­jahr 2006/2007 ver­langt, der Klä­ger im Ver­fah­ren II ZR 244/09 außer­dem antei­li­gen Aus­gleich bis zur Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses für das Geschäfts­jahr 2007/2008. Das Land­ge­richt hat die Beklag­te zur Zah­lung des Aus­gleichs für das Geschäfts­jahr 2006/2007 ver­ur­teilt. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­gen ins­ge­samt abge­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­sio­nen der Klä­ger zurück­ge­wie­sen, so Dr. Gie­se­ler.

Der Anspruch auf Zah­lung des Aus­gleichs für ein abge­lau­fe­nes Geschäfts­jahr ent­steht wie der Anspruch auf eine Divi­den­de, den der Aus­gleichs­an­spruch bei einem Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag ersetzt, jedes Jahr neu mit der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung der abhän­gi­gen Gesell­schaft. Da die Klä­ger am Tag der Haupt­ver­samm­lung vom 23. Janu­ar 2008 infol­ge der Über­tra­gung der Akti­en auf die Beklag­te nach Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses am 12. Novem­ber 2007 nicht mehr Aktio­nä­re der Wel­la AG waren, steht ihnen für das Geschäfts­jahr 2006/2007 und antei­lig für das Geschäfts­jahr 2007/2008 kein Aus­gleich zu. 

Gie­se­ler mahn­te, dies zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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