(Kiel) Der für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass der seit dem 1. Janu­ar 2009 gel­ten­de § 206 Abs. 1 Satz 1 Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz (VVG) nicht jede außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges, der eine Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG erfüllt, durch den Ver­si­che­rer aus­schließt.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7.12.2011 zu sei­nen Urtei­len vom glei­chen Tage, Az.: IV ZR 50/11 und IV ZR 105/11.

Nach den Ent­schei­dun­gen ist § 206 Abs. 1 Satz 1 VVG teleo­lo­gisch dahin­ge­hend zu redu­zie­ren, dass er zwar die Kün­di­gung wegen Prä­mi­en­ver­zugs unter­sagt, jedoch in Fäl­len sons­ti­ger schwe­rer Ver­trags­ver­let­zung eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung durch den Ver­si­che­rer nach § 314 Abs. 1 BGB in Betracht kom­men kann. In die­sem Fall wird die Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung mit dem bis­he­ri­gen Ver­si­che­rer weder im Basis­ta­rif (§ 12 Abs. 1a VAG) fort­ge­setzt, noch steht dem Ver­si­che­rungs­neh­mer ein Anspruch auf Abschluss eines der­ar­ti­gen Ver­tra­ges mit sei­nem bis­he­ri­gen Ver­si­che­rer zu. Ein aus­rei­chen­der Schutz des Ver­si­che­rungs­neh­mers wird dadurch erzielt, dass er wei­ter­hin dar­auf Anspruch hat, gemäß § 193 Abs. 5 VVG bei einem ande­ren Ver­si­che­rer im Basis­ta­rif nach § 12 Abs. 1a VVG ver­si­chert zu wer­den.

Im Bereich der Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung ist hin­ge­gen jede außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Ver­si­che­rers gemäß § 110 Abs. 4 SGB XI aus­ge­schlos­sen, da hier die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der gesetz­li­chen Bestim­mung und das Feh­len eines geson­der­ten Basis­ta­rifs einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on ent­ge­gen­ste­hen.

Den Ent­schei­dun­gen lagen fol­gen­de Sach­ver­hal­te zu Grun­de, so Kroll:

• Ver­fah­ren: IV ZR 50/11

Im Ver­fah­ren IV ZR 50/11 unter­hielt der Klä­ger eine pri­va­te Krank­heits­kos­ten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung bei dem beklag­ten Ver­si­che­rer. Die Krank­heits­kos­ten-ver­si­che­rung wur­de vom Beklag­ten 2009 mit der Begrün­dung außer­or­dent­lich gekün­digt, dass der Klä­ger bzw. sei­ne für ihn han­deln­de Ehe­frau in den Jah­ren 2007 bis 2009 ins­ge­samt 168 angeb­li­che Medi­ka­men­ten­be­zü­ge zur Abrech­nung ein­ge­reicht habe, tat­säch­lich aber vie­le Medi­ka­men­te nicht bezo­gen und bezahlt wor­den sei­en, so dass eine Über­zah­lung von 3.813,21 € vor­lie­ge. Die Pfle­ge­ver­si­che­rung blieb unge­kün­digt. Die Vor­in­stan­zen haben die auf Fest­stel­lung des Fort­be­stehens des Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on wur­de zurück­ge­wie­sen.

• Ver­fah­ren: IV ZR 105/11

Im Ver­fah­ren IV ZR 105/11 unter­hielt der Klä­ger bei dem Beklag­ten eine pri­va­te Krankheitskosten‑, Kran­ken­ta­ge­geld- und Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung. Nach einer Herz­ope­ra­ti­on erhielt der als selb­stän­di­ger Unter­neh­mer eines “Recy­cling-Parks” täti­ge Klä­ger Kran­ken­ta­ge­geld. Im Zuge des Besuchs durch einen Außen­dienst­mit­ar­bei­ter der Beklag­ten griff der Klä­ger die­sen mit einem Bol­zen­schnei­der tät­lich an und bedroh­te ihn, wor­auf der Beklag­te 2009 den gesam­ten Ver­trag mit dem Klä­ger außer­or­dent­lich kün­dig­te. Der Klä­ger begehrt die Fest­stel­lung, dass der Ver­trag über die Krank­heits­kos­ten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung fort­be­steht, hilfs­wei­se die Fest­stel­lung, dass die Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung zum Basis­ta­rif und die Pfle­ge­ver­si­che­rung fort­be­stehen, wei­ter hilfs­wei­se, den Beklag­ten zu ver­ur­tei­len, mit dem Klä­ger eine Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung zum Basis­ta­rif abzu­schlie­ßen. Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Unter Zurück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Rechts­mit­tel des Klä­gers wur­de das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und das erst­in­stanz­li­che Urteil dahin­ge­hend geän­dert, dass das Wei­ter­be­stehen der Pfle­ge­ver­si­che­rung fest­ge­stellt und die Kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen wur­de.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V.
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