(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 13.01.2010 erneut einer Kla­ge von Kun­den eines Gas­ver­sor­gers gegen Preis­er­hö­hun­gen statt­ge­ge­ben.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 13.01.2010, Az. VIII ZR 81/08.


Die in den Erd­gas-Son­der­ver­trä­gen der kla­gen­den Kun­den ver­wen­de­ten Preis­an­pas­sungs­klau­seln sind hier wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung der Kun­den unwirk­sam. Ein Preis­an­pas­sungs­recht des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens ergibt sich auch nicht aus einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung.


In dem Fall, so Klar­mann, strit­ten die Par­tei­en um die Wirk­sam­keit von Gas­preis­er­hö­hun­gen, die von der Beklag­ten, einem kom­mu­na­len Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Ruhr­ge­biet, ein­sei­tig vor­ge­nom­men wor­den waren. Die 180 Klä­ger schlos­sen spä­tes­tens im Sep­tem­ber 2004 mit der Beklag­ten Gas­lie­fer­ver­trä­ge nach den Son­der­ab­kom­men SOA1 und SOA2. Die von der Beklag­ten vor­for­mu­lier­ten Bedin­gun­gen für das Son­der­ab­kom­men lau­ten aus­zugs­wei­se wie folgt (bei Ver­trä­gen, die vor 1984 abge­schlos­sen wur­den, haben die Bedin­gun­gen einen gering­fü­gig abwei­chen­den Wort­laut):


4. Die Stadt­wer­ke [= Beklag­te] behal­ten sich eine Ände­rung der Prei­se und Bedin­gun­gen die­ses Son­der­ab­kom­mens vor. Für das Wirk­sam­wer­den genügt eine ent­spre­chen­de Ver­öf­fent­li­chung in der […] Tages­pres­se. Ist der Kun­de mit einer Ände­rung nicht ein­ver­stan­den, so kann er das Son­der­ab­kom­men mit zwei­wö­chi­ger Frist auf das Ende des der öffent­li­chen Bekannt­ma­chung fol­gen­den Monats schrift­lich kün­di­gen und eine wei­te­re Belie­fe­rung zu den Prei­sen und Bedin­gun­gen der Son­der­ver­ein­ba­rung oder als Tarif­kun­de nach den AVB­GasV und den hier­zu jeweils gül­ti­gen Anla­gen der Stadt­wer­ke und damit ins­be­son­de­re zu den “All­ge­mei­nen Tari­fen” ver­lan­gen. Die ver­ein­bar­te Ver­trags­lauf­zeit bleibt hier­von unbe­rührt.


5. Soweit in die­sem Son­der­ab­kom­men nichts ande­res ver­ein­bart ist, gel­ten die Bestim­mun­gen der AVB­GasV ent­spre­chend.


9. Die Lauf­zeit die­ses Ver­tra­ges beträgt – soweit nichts ande­res ver­ein­bart – zwei Jah­re; er ver­län­gert sich um jeweils ein Jahr, wenn er nicht drei Mona­te vor Ablauf schrift­lich gekün­digt wird.”


Die Beklag­te erhöh­te die Arbeits­prei­se zum 1. Okto­ber 2004, 1. April 2005, 1. Okto­ber 2005, 1. Janu­ar 2006 und zum 1. Okto­ber 2006. Dage­gen wen­den sich die Klä­ger mit ihrer Fest­stel­lungs­kla­ge. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Ober­lan­des­ge­richt hat sie abge­wie­sen.


Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger hat­te Erfolg, betont Klar­mann.


Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die umstrit­te­nen Gas­preis­er­hö­hun­gen unwirk­sam sind, weil die Preis­an­pas­sungs­klau­seln in den For­mu­lar­ver­trä­gen einer Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht stand­hal­ten und des­halb kein Recht des Gas­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung des Gas­prei­ses besteht. Die Preis­an­pas­sungs­klau­seln benach­tei­li­gen die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben jeden­falls des­halb unan­ge­mes­sen, weil sie nur das Recht des Ver­sor­gers vor­se­hen, Ände­run­gen der Gas­be­zugs­kos­ten an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, nicht aber die Ver­pflich­tung, bei gesun­ke­nen Geste­hungs­kos­ten den Preis zu sen­ken. Eine Preis­an­pas­sungs­klau­sel muss aber das ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis wah­ren und darf dem Ver­wen­der nicht die Mög­lich­keit geben, über die Abwäl­zung kon­kre­ter Kos­ten­stei­ge­run­gen hin­aus einen zusätz­li­chen Gewinn zu erzie­len (vgl. dazu zuletzt Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 28. Okto­ber 2009 – VIII ZR 320/07, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 220/2009).


Dem beklag­ten Unter­neh­men ist auch, anders als das Beru­fungs­ge­richt gemeint hat, nicht im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung ein Preis­än­de­rungs­recht zuzu­bil­li­gen. Eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung bei Unwirk­sam­keit von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen kommt nur dann in Betracht, wenn die ent­ste­hen­de Rege­lungs­lü­cke zu einem Ergeb­nis führt, das den bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen nicht mehr in ver­tret­ba­rer Wei­se Rech­nung trägt, son­dern das Ver­trags­ge­fü­ge ein­sei­tig zuguns­ten des Kun­den ver­schiebt. Das ist ange­sichts der für das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men bestehen­den Kün­di­gungs­mög­lich­kei­ten nicht der Fall.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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