(Kiel) Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat am 02.12.2009 über die Beschwer­den der Bun­des­netz­agen­tur gegen Beschlüs­se des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin betref­fend die Ver­pflich­tung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men zur Schaf­fung der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die sog. Vor­rats­da­ten­spei­che­rung nach dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL. M., von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die am 07.12.2009  ver­öf­fent­lich­ten Beschlüs­se des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg (OVG) vom 02.12.2009, Az.: OVG 11 S 81.08, 8.09, 9.09, 10.09 und 32.09.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te den Anträ­gen der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men auf Erlass einst­wei­li­ger Anord­nun­gen statt­ge­ge­ben und somit deren Ver­pflich­tung zur Umset­zung der gesetz­li­chen Rege­lung vor­läu­fig aus­ge­setzt. Sei­ne Ent­schei­dung hat­te es im Wesent­li­chen dar­auf gestützt, die Über­tra­gung der nicht uner­heb­li­chen Kos­ten für der­ar­ti­ge öffent­li­che Auf­ga­ben auf die Unter­neh­men stel­le einen unzu­läs­si­gen Ein­griff v.a. in deren Grund­recht auf Frei­heit der Berufs­aus­übung dar. Auf­grund der die­sen dro­hen­den irrepa­ra­blen Fol­gen — ein spä­te­rer staat­li­cher Ent­schä­di­gungs­an­spruch bestehe nicht — müs­se die Fol­genab­wä­gung zu ihren Guns­ten aus­ge­hen.

Der 11. Senat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin hat den Beschwer­den in vier der fünf Ver­fah­ren statt­ge­ge­ben, so betont Leis.

Es hat dies im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass an der Kos­ten­re­ge­lung Zwei­fel jeden­falls nicht in einem Maße bestün­den, die es recht­fer­ti­gen, die auf zwin­gen­dem Gemein­schafts­recht, der Richt­li­nie 2006/24/EG, beru­hen­de Ver­pflich­tung zur Umset­zung der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung vor­läu­fig aus­zu­set­zen. Auch eine Fol­genab­wä­gung der Nach­tei­le für die Auf­ga­ben­er­fül­lung im Bereich der Straf­ver­fol­gung und Gefah­ren­ab­wehr mit den Inter­es­sen der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men müs­se zu deren Las­ten aus­ge­hen. Den Unter­neh­men droh­ten kei­ne der­art schwer­wie­gen­den Schä­den, dass das Gemein­schafts­in­ter­es­se an einem effek­ti­ven Voll­zug der EU-Richt­li­nie zurück­tre­ten müs­se. Ledig­lich in dem Beschwer­de­ver­fah­ren eines klei­nen Web­hos­ting-Unter­neh­mens, das Spei­cher­platz auf Web­ser­vern mit Inter­net­an­bin­dung nebst der Mög­lich­keit anbie­tet, E‑Mail-Fächer selbst­stän­dig ein­zu­rich­ten und zu betrei­ben, ver­blieb es bei der erst­in­stanz­li­chen vor­läu­fi­gen Aus­set­zungs­ent­schei­dung. Maß­geb­lich hier­für waren Zwei­fel des Senats, ob die­ses Unter­neh­men über­haupt der Vor­rats­da­ten­spei­che­rungs­pflicht unter­liegt, sowie der Umstand, dass das (Klein)Unternehmen vor­aus­sicht­lich zur Ein­stel­lung sei­nes Geschäfts­be­triebs gezwun­gen wäre.

Vor­sorg­lich weist das Gericht dar­auf hin, dass die vor­lie­gen­den Ent­schei­dun­gen nur die Pflicht der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men zur Spei­che­rung auf eige­ne Kos­ten betref­fen, nicht aber die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung im Ver­hält­nis zum Bür­ger. Dar­über wird das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Ver­fah­ren 1 BvR 256/08 vor­aus­sicht­lich in Kür­ze ent­schei­den.

Leis emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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