(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 07. Juli 2010 ent­schie­den, dass ein Ver­käu­fer von Waren im Fern­ab­satz­ge­schäft einen Ver­brau­cher nicht mit den Ver­sand­kos­ten für die Hin­sen­dung der Ware an den Ver­brau­cher belas­ten darf, wenn die­ser von sei­nem Wider­rufs- oder Rück­ga­be­recht Gebrauch macht.

Hier­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Mathi­as Zim­mer-Goertz von der Kanz­lei Bei­ten Burk­hardt und Mit­glied der DASV — Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7. Juli 2010 – VIII ZR 268/07.

Der Klä­ger ist ein Ver­brau­cher­ver­band,  die Beklag­te ein Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­men. Sie stellt ihren Kun­den für die Zusen­dung der Ware einen Ver­sand­kos­ten­an­teil von pau­schal 4,95 € pro Bestel­lung in Rech­nung. Der Klä­ger nimmt die Beklag­te auf Unter­las­sung der Erhe­bung sol­cher Kos­ten nach Aus­übung des Wider­rufs- oder Rück­ga­be­rechts bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten in Anspruch. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die dage­gen gerich­te­te Beru­fung zurück­ge­wie­sen.

Die Revi­si­on des Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­mens hat­te kei­nen Erfolg, betont Zim­mer-Goertz.

Der VIII. Zivil­se­nat des BGH hat­te das Revi­si­ons­ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob die Richt­li­nie 97/7/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Ver­brau­cher­schutz bei Ver­trags­ab­schlüs­sen im Fern­ab­satz (Fern­ab­satz-Richt­li­nie) dahin aus­zu­le­gen ist, dass sie einer natio­na­len Rege­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kos­ten der Zusen­dung der Waren auch dann dem Ver­brau­cher auf­er­legt wer­den kön­nen, wenn er den Ver­trag wider­ru­fen hat (Beschluss vom 1. Okto­ber 2008, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 184/2008). Dies hat der EuGH bejaht und zur Begrün­dung aus­ge­führt, dass mit Arti­kel 6 der Fern­ab­satz-Richt­li­nie ein­deu­tig das Ziel ver­folgt wird, den Ver­brau­cher nicht von der Aus­übung sei­nes Wider­rufs­rechts abzu­hal­ten. Des­halb lie­fe eine Aus­le­gung, nach der es den Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on erlaubt wäre, eine Rege­lung vor­zu­se­hen, die dem Ver­brau­cher im Fall eines sol­chen Wider­rufs die Kos­ten der Zusen­dung in Rech­nung stellt, die­sem Ziel zuwi­der (EuGH, Urteil vom 15. April 2010 — Rs. C-511/08, NJW 2010, 1941).

Auf­grund die­ser für die natio­na­len Gerich­te bin­den­den Aus­le­gung der Fern­ab­satz-Richt­li­nie durch den EuGH ist § 346 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit §§ 312d, 357 BGB richt­li­ni­en­kon­form dahin aus­zu­le­gen, dass dem Ver­brau­cher nach dem Wider­ruf eines Fern­ab­satz­ver­tra­ges ein Anspruch auf Rück­ge­währ geleis­te­ter Hin­sen­de­kos­ten zusteht. Dem­entspre­chend ist es Ver­käu­fern von Waren im Fern­ab­satz­ge­schäft – wie der Beklag­ten im ent­schie­de­nen Fall – ver­wehrt, Ver­brau­chern die Kos­ten für die Hin­sen­dung der von ihr ver­trie­be­nen Waren auch dann auf­zu­er­le­gen, wenn die­se von ihrem Wider­rufs- oder Rück­ga­be­recht Gebrauch machen.

Bei hier­zu auf­kom­men­den Rechts­fra­gen ver­weist Rechts­an­walt Zim­mer-Goertz u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. — www.mittelstands-anwaelte.de.

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Mathi­as Zim­mer-Goertz
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