(Kiel) Der für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass der Ver­si­che­rer, selbst wenn er über die mög­li­chen Fol­gen von Falsch­an­ga­ben nicht aus­rei­chend belehrt hat, zum Rück­tritt vom Ver­si­che­rungs­ver­trag berech­tigt ist, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer oder der für ihn han­deln­de Mak­ler arg­lis­tig fal­sche Anga­ben im Antrag gemacht hat.


Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 12.03.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: IV ZR 306/13.


Der Klä­ger, der zuvor mit einem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler einen Mak­ler­ver­trag geschlos­sen hat­te, stell­te im Jahr 2010 bei dem beklag­ten Ver­si­che­rer einen Antrag auf Abschluss einer Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Dort waren die Fra­gen nach Krank­hei­ten und Beschwer­den unvoll­stän­dig und die nach psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Behand­lun­gen nicht beant­wor­tet. In der Fol­ge erhielt die Beklag­te ein wei­te­res Antrags­for­mu­lar, in dem die­se Fra­gen mit “nein” beant­wor­tet wur­den. Die Beklag­te stell­te hier­auf einen Ver­si­che­rungs­schein aus. Mit Schrei­ben vom 22. Sep­tem­ber 2011 erklär­te sie den Rück­tritt vom Ver­trag, weil der Klä­ger ihr ver­schie­de­ne erheb­li­che Erkran­kun­gen ver­schwie­gen hat­te. Spä­ter erklär­te sie noch die Anfech­tung ihrer Ver­trags­er­klä­rung wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung. Die auf Fest­stel­lung gerich­te­te Kla­ge, dass der Ver­trag weder durch Rück­tritt noch durch Anfech­tung been­det ist, hat­te in den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg. Nach Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts ist die Beklag­te wirk­sam vom Ver­trag zurück­ge­tre­ten.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, so Kroll, dass der Ver­si­che­rer zum Rück­tritt vom Ver­trag berech­tigt ist.


Der arg­lis­tig han­deln­de Ver­si­che­rungs­neh­mer kann sich nicht mit Erfolg auf eine Ver­let­zung der Pflicht des Ver­si­che­rers, ihn über die Fol­gen einer Anzei­ge­pflicht­ver­let­zung zu beleh­ren, beru­fen. Der Ver­si­che­rer kann im Fal­le einer arg­lis­ti­gen Täu­schung durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer mit­hin auch dann vom Ver­trag zurück­tre­ten, wenn er den Ver­si­che­rungs­neh­mer im Antrags­for­mu­lar ent­ge­gen den Anfor­de­run­gen des § 19 Absatz 5 Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz nicht oder nicht aus­rei­chend belehrt hat. Ent­schei­dend hier­für ist, dass die Beleh­rungs­pflich­ten zum Schutz des Ver­si­che­rungs­neh­mers ange­ord­net sind, der arg­lis­tig han­deln­de Ver­si­che­rungs­neh­mer aber nicht glei­cher­ma­ßen schutz­wür­dig ist. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer kann sich fer­ner auch nicht dar­auf beru­fen, er habe gegen­über dem von ihm ein­ge­schal­te­ten Ver­si­che­rungs­mak­ler wahr­heits­ge­mä­ße Anga­ben gemacht. Viel­mehr muss er sich nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Senats grund­sätz­lich das arg­lis­ti­ge Ver­hal­ten des Mak­lers zurech­nen las­sen. Einer der Aus­nah­me­fäl­le, in denen eine der­ar­ti­ge Zurech­nung nicht in Betracht kommt, lag im Streit­fall nach den für das Revi­si­ons­ver­fah­ren bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht vor.


Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

 

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