(Kiel) Mit inso­weit zwi­schen­zeit­lich rechts­kräf­ti­gem Beschluss vom 24.05.2011 hat das Fürst­li­che Ober­ge­richt in Liech­ten­stein ent­schie­den, dass Liech­ten­stein kei­ne Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen leis­tet, wenn ein aus­län­di­sches Rechts­hil­fe­er­su­chen auf Infor­ma­tio­nen beruht, die durch eine straf­ba­re Hand­lung beschafft wor­den sind, so dass ein ent­spre­chen­des Amts­hil­fe­er­su­chen gem. Art. 8 Abs. 2 Steu­er­amts­hil­fe­ge­setz (SteAHG) abzu­leh­nen wäre.

Dar­auf ver­weist der Liech­ten­stei­ner Rechts­an­walt Johan­nes N. Vieh­ba­cher, Vaduz, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf den rechts­kräf­ti­gem Beschluss des Fürst­li­chen Ober­ge­richts in Liech­ten­stein vom 24.05.2011 (Az. 14 RS.2009.150).

Jeden­falls nach Wahr­neh­mung einer Viel­zahl liech­ten­stei­ni­scher Rechts­an­wäl­te und Treu­hän­der schie­nen seit dem Inkraft­tre­ten des revi­dier­ten Rechts­hil­fe­ge­set­zes (RHG) vom 15. Sep­tem­ber 2000 in Liech­ten­stein kei­ner­lei Gren­zen für die Gewäh­rung von Rechts­hil­fe an das Aus­land mehr zu exis­tie­ren. Dem ist nun ein wenig Ein­halt gebo­ten wor­den. Die Liech­ten­stei­ni­schen Gerich­te wer­den aus­län­di­sche Rechts­hil­fe­er­su­chen zukünf­tig im Rah­men der obli­ga­to­ri­schen ord­re-pulic-Prü­fung auch an der Vor­schrift des Art. 8 Abs. 2 SteAHG mes­sen.

Mit inso­weit rechts­kräf­ti­gem Beschluss vom 24.05.2011 (Az. 14 RS.2009.150) schloss sich das Fürst­li­che Ober­ge­richt in vol­lem Umfang dem Vor­brin­gen der Ver­tei­di­gung an, dass vor dem Grund­satz der Ein­heit­lich­keit der Rechts­ord­nung bei Rechts­hil­fe­ge­setz und Steu­er­amts­hil­fe­ge­setz nicht mit unter­schied­li­chem Maß gemes­sen wer­den dür­fe. Es kon­kre­ti­siert damit den sehr all­ge­mei­nen ord­re-public-Vor­be­halt in Art. 2 RHG in höchst pra­xis­re­le­van­ter Wei­se.

Wört­lich führt das Fürst­li­che Ober­ge­richt auf Sei­te 20 f. des Beschlus­ses aus:

Der Gesetz­ge­ber hat in Art. 8 Abs. 2 SteAHG … aus­drück­lich nor­miert, dass einem Ersu­chen, das auf Infor­ma­tio­nen beruht, die durch eine in Liech­ten­stein gericht­lich straf­ba­re Hand­lung beschafft wor­den sind, nicht zu ent­spre­chen ist. (…) Die für das Ver­fah­ren der inter­na­tio­na­len Amts­hil­fe in Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten gel­ten­de Wer­te­ord­nung hat jeden­falls glei­cher­mas­sen auch für das Ver­fah­ren der inter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen zu gel­ten. Einen „gespal­te­nen” ord­re public kann es in die­sem Sin­ne im Steu­er­amts- und Straf­rechts­hil­fe­be­reich nicht geben.”

Die­se Ent­schei­dung ist in ihrer Reich­wei­te über den Ein­zel­fall hin­aus nicht hoch genug ein­zu­schät­zen.

• Zur Vor­ge­schich­te:

Im Jah­re 2009 wur­de das Fürs­ten­tum Liech­ten­stein von einer deut­schen Staats­an­walt­schaft im Rah­men eines Rechts­hil­fe­er­su­chens gebe­ten, Durch­su­chun­gen von Büro- und Geschäfts­räu­men und die Sicher­stel­lung von Daten und Unter­la­gen in Liech­ten­stein vor­zu­neh­men. Dem kam das Fürs­ten­tum Liech­ten­stein umge­hend nach. Im Ver­lauf des wei­te­ren Ver­fah­rens, und noch vor der – von der Ver­tei­di­gung erfolg­reich bekämpf­ten – Über­sen­dung der sicher­ge­stell­ten Daten und Unter­la­gen nach Deutsch­land, zeig­te sich, dass die deut­schen Erkennt­nis­se über die in Liech­ten­stein bele­ge­nen Daten und Unter­la­gen aber von den deut­schen Ermitt­lungs­be­hör­den auf eine Art und Wei­se beschafft wur­den, wel­che jeden­falls in Liech­ten­stein einen oder sogar meh­re­re Straf­tat­be­stän­de erfül­len. Die Rechts­wid­rig­keit bestimm­ter Ermitt­lun­gen wur­de sogar durch ein deut­sches Land­ge­richt rechts­kräf­tig fest­ge­stellt. Dies wur­de dem Fürst­li­chen Land­ge­richt von der Ver­tei­di­gung im Rah­men des Rechts­hil­fe­ver­fah­rens in ers­ter Instanz zur Kennt­nis gebracht, fand dort jedoch kein Gehör.

Die Rechts­an­walts­kanz­lei Vieh­ba­cher leg­te dar­auf­hin Beschwer­de ans Fürst­li­che Ober­ge­richt ein, wel­ches die Beschwer­de u.a. in die­sem ent­schei­den­den Punkt für begrün­det hielt und die Sache dies­be­züg­lich mit dem oben genann­ten Beschluss zur neu­er­li­chen Ent­schei­dung ans Fürst­li­che Land­ge­richt zurück­ver­wies. Die­sem wur­de vom Fürst­li­chen Ober­ge­richt nun­mehr auf­ge­ge­ben, die ersu­chen­de deut­sche Staats­an­walt­schaft „zur zwei­fels­frei­en Klä­rung unter Vor­la­ge der ent­spre­chen­den Ermitt­lungs­er­geb­nis­se auf­zu­for­dern” und sodann erneut über die Gewäh­rung der Rechts­hil­fe zu ent­schei­den.

• Aus­blick:

Im kon­kre­ten Ver­fah­ren wird abzu­war­ten sein, ob die ersu­chen­de Behör­de in der Lage ist, ihr Rechts­hil­fe­er­su­chen und des­sen For­mu­lie­rung aus dem Jah­re 2009 rück­wir­kend und zwei­fels­frei auf ande­re dama­li­ge (!) Erkennt­nis­se zu stüt­zen als auf die­je­ni­gen aus den rechts­wid­ri­gen Ermitt­lun­gen. Gelingt ihr dies nicht zwei­fels­frei (!), wird das Rechts­hil­fe­er­su­chen vom Fürst­li­chen Land­ge­richt end­gül­tig abzu­leh­nen sein.

• Fazit:

Der von der Rechts­an­walts­kanz­lei Vieh­ba­cher (Vaduz/München/Wien) nun­mehr erwirk­te Beschluss des Fürst­li­chen Ober­ge­richts hat weit­rei­chen­de Bedeu­tung über den Ein­zel­fall hin­aus. Er eröff­net den man­da­tier­ten Ver­tei­di­gern ein wei­tes Feld, da nun­mehr die aus­län­di­schen Ermitt­lun­gen regel­mä­ßig en Detail auf Ihre Recht­mä­ßig­keit zu prü­fen sein wer­den. Zunächst von der Ver­tei­di­gung und – bei Vor­lie­gen ent­spre­chen­der Anhalts­punk­te und ent­spre­chend fun­dier­tem Vor­trag der Ver­tei­di­gung – auch von den liech­ten­stei­ni­schen Rechts­hil­fe­ge­rich­ten. Zugleich ergibt sich damit eine Aus­deh­nung der Mög­lich­keit, der ersu­chen­den aus­län­di­schen Behör­de im Zuge der Ver­tei­di­gung im Rechts­hil­fe­ver­fah­ren immer wie­der in die Kar­ten zu sehen, sie zu Stel­lung­nah­men zu zwin­gen, die in- und aus­län­di­sche Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie dar­auf abzu­stim­men bzw. anzu­pas­sen und damit einen wert­vol­len Bei­trag für einen posi­ti­ven Aus­gang des Ver­fah­rens zu Guns­ten der Man­dant­schaft zu leis­ten. Der liech­ten­stei­ni­sche Gesetz­ge­ber schließ­lich ist aktu­ell auf­ge­ru­fen, eine dem Art. 8 Abs. 2 SteAHG ent­spre­chen­de Rege­lung auch im revi­dier­ten RHG vor­zu­se­hen.

Rechts­an­walt Vieh­ba­cher emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Dipl.-Jur. (Univ.)
Johan­nes N. Vieh­ba­cher
Rechts­an­walt | Attor­ney-at-law
Liech­ten­stein
Bang­ar­ten 22
FL-9490 Vaduz
Pho­ne (+423) 384 01 55
Fax (+423) 384 01 56

Über die Rechts­an­walts­kanz­lei Vieh­ba­cher:

Die Rechts­an­walts­kanz­lei Vieh­ba­cher ist mit ihren Büros in Liech­ten­stein, Deutsch­land und Öster­reich seit vie­len Jah­ren spe­zia­li­siert auf die inter­na­tio­na­le Bera­tung und Ver­tre­tung in allen deutsch­spra­chi­gen Län­dern im Zivil‑, Straf- und Steu­er­recht. Beson­de­re Exper­ti­se bie­tet sie ihren Man­dan­ten bei grenz­über­grei­fen­den Straf­rechts­man­da­ten (Inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe) und bei inter­na­tio­na­ler Amts­hil­fe, wie z.B. bei Ver­tei­di­gun­gen in inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­straf­sa­chen und Steu­er­straf­sa­chen zwi­schen Liech­ten­stein und Deutsch­land bzw. Öster­reich. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.viehbacher.com.