(Kiel) Ein Her­stel­ler eines Pro­dukts kann mit einer Kla­ge vor den Wett­be­werbs­ge­rich­ten nicht errei­chen, dass aus der Patent­schrift eines für einen Kon­kur­ren­ten erteil­ten Patents Anga­ben über angeb­li­che Nach­tei­le die­ses Pro­dukts gestri­chen wer­den.

Das, so die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) mit Urteil vom 10. Dezem­ber 2009, Az.: I ZR 46/07 – Fisch­do­sen­de­ckel -, ent­schie­den.


Die Beklag­te, die wie die Klä­ge­rin Deckel für Fisch­do­sen her­stellt, mel­de­te im Sep­tem­ber 1993 ein Patent für einen Auf­reiß­de­ckel aus Blech für eine Dose an. In der Anmel­dung gab sie, wie es im Paten­ter­tei­lungs­ver­fah­ren vor­ge­schrie­ben und üblich ist, den für die­ses tech­ni­sche Gebiet bekann­ten Stand der Tech­nik an. In die­sem Zusam­men­hang benann­te sie eine euro­päi­sche Patent­schrift und leg­te ein­zel­ne Nach­tei­le des nach die­ser Patent­schrift von der Klä­ge­rin her­ge­stell­ten Auf­reiß­de­ckels dar. Sodann beschrieb sie die durch ihre eige­ne Erfin­dung zu lösen­de Auf­ga­be: Es gehe dar­um, einen Auf­reiß­de­ckel zu schaf­fen, der die zuvor ange­führ­ten Nach­tei­le des bekann­ten Deckels der Klä­ge­rin nicht auf­wei­se. Das Patent wur­de der Beklag­ten im Juni 2002 erteilt. Die Patent­schrift wur­de Ende 2003 ver­öf­fent­licht.


Die Klä­ge­rin hält die Anga­ben über die angeb­li­chen Nach­tei­le des von ihr her­ge­stell­ten Auf­reiß­de­ckels in der Patent­an­mel­dung der Beklag­ten für unzu­tref­fend. Die Beklag­te set­ze das Pro­dukt der Klä­ge­rin daher in unzu­läs­si­ger Wei­se her­ab und ver­sto­ße damit gegen § 4 Nr. 8 des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG). Nach die­ser Vor­schrift ist die Behaup­tung nicht erweis­lich wah­rer geschäfts­schä­di­gen­der Tat­sa­chen über Mit­be­wer­ber unlau­ter. Mit ihrer Kla­ge hat sie von der Beklag­ten ver­langt, der­ar­ti­ge Behaup­tun­gen zu unter­las­sen und durch Abga­be von ent­spre­chen­den Erklä­run­gen gegen­über dem Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt die Löschung der bean­stan­de­ten Anga­ben in der Patent­schrift zu bewir­ken. Sie hat fer­ner der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land den Streit ver­kün­det, die — ver­tre­ten durch das Deut­sche Patent- und Mar­ken­amt — dem Rechts­streit auf Sei­ten der Beklag­ten bei­getre­ten ist.


Das Land­ge­richt Dres­den hat über die Rich­tig­keit der von der Klä­ge­rin bean­stan­de­ten Anga­ben Beweis durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens erho­ben und der Kla­ge sodann teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den hat die Beklag­te in vol­lem Umfang ver­ur­teilt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat auf die Revi­si­on der Beklag­ten die vor­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen auf­ge­ho­ben und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen, betont Scheel-Pötzl.


Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs rich­tet sich die Fra­ge, wel­che Anga­ben in die Fas­sung der Patent­an­mel­dung auf­zu­neh­men sind, auf­grund deren das Patent erteilt wor­den ist und die als Bestand­teil der Patent­schrift ver­öf­fent­licht wer­den, aus­schließ­lich nach den für die Paten­ter­tei­lung gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten des Patent­ge­set­zes. Rechts­strei­tig­kei­ten dar­über sind in den dafür nach dem Patent­ge­setz vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren aus­zu­tra­gen. Eine Rechts­ver­fol­gung vor den ordent­li­chen Gerich­ten ist mit den Erfor­der­nis­sen eines sach­ge­rech­ten, im Patent­ge­setz geson­dert gere­gel­ten Paten­ter­tei­lungs­ver­fah­rens nicht ver­ein­bar. Eine Kla­ge, mit der — wie im vor­lie­gen­den Rechts­streit — außer­halb der durch das Patent­ge­setz zur Ver­fü­gung gestell­ten Ver­fah­rens­ord­nung auf die Paten­ter­tei­lung oder das wei­te­re recht­li­che Schick­sal eines erteil­ten Patents Ein­fluss genom­men wer­den soll, ist daher bereits unzu­läs­sig. Soweit die Klä­ge­rin Unter­las­sung der bean­stan­de­ten Äuße­run­gen auch außer­halb einer Patent­an­mel­dung begehrt hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof die Kla­ge zwar für zuläs­sig erach­tet. Er hat sie aber als unbe­grün­det abge­wie­sen. Die Klä­ge­rin hat­te nicht vor­ge­tra­gen, dass die Beklag­te die nach­tei­li­gen Aus­sa­gen über das Pro­dukt der Klä­ge­rin auch außer­halb des Paten­ter­tei­lungs­ver­fah­rens zu machen beab­sich­tig­te.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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