(Kiel) Der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len setz­te sich auch in zwei­ter Instanz mit sei­nem Unter­las­sen­be­geh­ren hin­sicht­lich unver­bind­li­cher Flug­zei­ten gegen einen Rei­se­ver­an­stal­ter durch.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat soeben den Rei­se­ver­an­stal­ter ver­ur­teilt, zukünf­tig die Ver­wen­dung sol­cher Klau­seln zu unter­las­sen, die ihnen eine nach­träg­li­che Ände­rung der Flug­zei­ten ermög­licht sowie sol­che Bestim­mun­gen in Pau­schal­rei­se­ver­trä­ge auf­zu­neh­men, wonach Infor­ma­tio­nen über Flug­zei­ten durch Rei­se­bü­ros unver­bind­lich sei­en.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Cel­le vom 12.02.2013 zu sei­nem Urteil vom 07. Febru­ar 2013 (AZ: 11 U 82/12).

Bis­her war es dem Rei­se­ver­an­stal­ter auf­grund des Vor­be­halts „Die end­gül­ti­ge Fest­le­gung der Flug­zei­ten obliegt dem Ver­an­stal­ter mit den Rei­se­un­ter­la­gen” mög­lich, sogar in Fäl­len in denen bei der Buchung der Rei­se fes­te An- und Abflug­zei­ten benannt wur­den, die­se nach­träg­lich ein­sei­tig neu fest­zu­le­gen.

Der für das Rei­se­recht zustän­di­ge 11. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le hat nun­mehr ent­schie­den, so Klar­mann, dass die ver­wen­de­te Klau­sel unwirk­sam sei, da sie gegen­über dem Rei­sen­den zum Aus­druck brin­ge, die Flug­zei­ten könn­ten jeder­zeit ohne Begrün­dung geän­dert wer­den. Indem der Rei­se­ver­an­stal­ter mit Flug­zei­ten wer­be, wür­den die­se Ein­fluss auf die Ent­schei­dung des Rei­sen­den neh­men und sei­en ent­spre­chend Gegen­stand des Rei­se­ver­tra­ges. Wäre eine im Rei­se­bü­ro oder im Inter­net benann­te Flug­zeit tat­säch­lich unver­bind­lich, so kön­ne der Rei­se­ver­an­stal­ter nach­träg­lich die begehr­ten Flug­zei­ten in weni­ger begehr­te ändern, um mit den wie­der frei gewor­de­nen begehr­ten Flug­zei­ten neu zu wer­ben und wei­te­re Ver­trä­ge zu schlie­ßen. Die­se Art der Neben­ab­re­de unter­lä­ge jedoch dem Recht all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen. Der Rei­se­ver­an­stal­ter dür­fe sich hier­nach eine völ­lig freie Flug­zei­ten­än­de­rung, wie die vor­lie­gen­de, nicht vor­be­hal­ten. Weder kön­ne der Ver­an­stal­ter ohne Anga­be trif­ti­ger Grün­de ein­sei­tig neue Flug­zei­ten bestim­men, noch im Fal­le nicht benann­ter Flug­zei­ten die­se ohne berech­tig­tes Inter­es­se ein­sei­tig erst­ma­lig fest­ge­le­gen. Eine Ände­rung der Flug­zei­ten füh­re zur Ände­rung der ver­trag­li­chen Leis­tung und müs­se für den Rei­sen­den zumin­dest durch zuvor kon­kret beschrie­be­ne trif­ti­ge Grün­de über­schau­bar sein.

Dar­über hin­aus ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt, dass die bis­her ver­wen­de­te Klau­sel, „Infor­ma­tio­nen über Flug­zei­ten durch Rei­se­bü­ros sind unver­bind­lich”, nicht wei­ter in die Ver­trä­ge über Pau­schal­rei­sen auf­ge­nom­men wer­den dür­fe. Dem Rei­sen­den wür­de der Ein­druck ver­mit­telt, sämt­li­che Anga­ben des Rei­se­bü­ros zu Flug­zei­ten sei­en immer unver­bind­lich. Dies sei irre­füh­rend. Denn gäbe das Rei­se­bü­ro ledig­lich die Flug­an­ga­ben des Rei­se­ver­an­stal­ters wei­ter, müs­se sich der Rei­se­ver­an­stal­ter an sei­ne selbst genann­ten Anga­ben in jedem Fall fest­hal­ten las­sen. Ob es sich jedoch um eige­ne Anga­ben des Rei­se­bü­ros oder wei­ter­ge­lei­te­te Anga­ben des Rei­se­ver­an­stal­ters han­de­le, kön­ne der Rei­sen­de nicht erken­nen. Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig. Der Rei­se­ver­an­stal­ter kann in nächs­ter Instanz den Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he anru­fen.

Der Pres­se­spre­cher und Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt Dr. Götz Wet­tich erläu­tert: „Die getrof­fe­ne Ent­schei­dung ist bahn­bre­chend und bedeu­tet einen wei­te­ren Erfolg der Ver­brau­cher­schüt­zer, die bun­des­weit gegen die Pra­xis deut­scher Rei­se­ver­an­stal­ter im Hin­blick auf unver­bind­li­che Flug­zei­ten vor­ge­gan­gen sind. Sie wird die Rei­se­pla­nung der Flug­gäs­te wesent­lich erleich­tern und die Rei­se­ver­an­stal­ter künf­tig dazu anhal­ten, im har­ten Wett­be­werb um begehr­te Kun­den mit ver­bind­li­chen und früh­zei­tig fest­ge­leg­ten Flug­zei­ten zu punk­ten.”

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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