(Kiel)  Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass Dienst­leis­tun­gen, wie sie mit einer Unter­neh­mens- und Sanie­rungs­be­ra­tung erbracht wer­den, auch bei einer Akti­en­ge­sell­schaft kei­ne ver­deck­te Sach­ein­la­ge dar­stel­len, da Ver­pflich­tun­gen zu Dienst­leis­tun­gen nicht sach­ein­la­gen­fä­hig sind und die Vor­schrif­ten über die Sach­ein­la­ge mit ihnen nicht umgan­gen wer­den.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 01.02.2010, Az.: II ZR 173/08 “Euro­bike”.


Die Beklag­te zu 2, eine 100%ige Toch­ter der Beklag­ten zu 1, ist in dem Fall eine Bera­tungs­fir­ma, die u. a. im Rah­men von Sanie­run­gen tätig wird. Zum Kon­zept der Beklag­ten gehört es, dass sich die Beklag­te zu 1 wirt­schaft­lich bei Kun­den der Beklag­ten 2 enga­giert, wenn sich dies im Ein­zel­fall als sinn­voll erweist.


Der Klä­ger ist Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen der Euro­bike AG, die in einer Kri­sen­si­tua­ti­on die Beklag­te zu 2 gegen ein monat­lich zu zah­len­des Pau­schal­ho­no­rar für die Erar­bei­tung eines Sanie­rungs­kon­zepts und die Beglei­tung bei der Umset­zung enga­gier­te. Teil des Kon­zepts war eine Kapi­tal­erhö­hung, in deren Ver­lauf die Beklag­te zu 1 einen gro­ßen Teil der neu­en Akti­en über­nahm. Nach­dem die Sanie­rung geschei­tert und das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wor­den ist, ver­langt der Klä­ger von den Beklag­ten Zah­lung von mehr als 2,6 Mio. €. Er begrün­det die­se For­de­rung damit, dass die Beklag­te zu 1 trotz Zah­lung von rund 3,4 Mio. € ihre Ein­la­ge­schuld nicht erfüllt habe, weil sie sich die dafür erfor­der­li­chen Mit­tel über die von ihrer Toch­ter, der Beklag­ten zu 2 ver­ein­nahm­ten, von der Schuld­ne­rin stam­men­den Bera­tungs­ho­no­ra­re ver­schafft habe. Inso­fern han­de­le es sich um eine ver­deck­te Sach­ein­la­ge, bzw. um ein ver­bo­te­nes Hin- und Her­zah­len. Die Beklag­te zu 2 sei des­we­gen zur Zah­lung ver­pflich­tet, weil nach den Regeln der ver­deck­ten Sach­ein­la­ge die Bera­tungs­ver­trä­ge nich­tig sei­en.


Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen, das Beru­fungs­ge­richt hat der Kla­ge gegen die Beklag­te zu 1 statt­ge­ge­ben und die Revi­si­on wegen Grund­satz­be­deu­tung zuge­las­sen.


Der II. Zivil­se­nat des BGH hat das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und auch die Kla­ge gegen die Beklag­te zu 1 abge­wie­sen, betont Gie­se­ler.


Er hat — wie schon in dem die GmbH betref­fen­den “Qivive”-Urteil (BGHZ 180, 35) — ent­schie­den, dass Dienst­leis­tun­gen, wie sie mit der Unter­neh­mens- und Sanie­rungs­be­ra­tung erbracht wur­den, auch bei der Akti­en­ge­sell­schaft kei­ne ver­deck­te Sach­ein­la­ge dar­stel­len, weil Ver­pflich­tun­gen zu Dienst­leis­tun­gen nicht sach­ein­la­ge­fä­hig sind und die Vor­schrif­ten über die Sach­ein­la­ge mit ihnen nicht umgan­gen wer­den. Die Zah­lung des Bera­tungs­ho­no­rars durch die Euro­bike AG und die nach­fol­gen­de Ein­la­ge­zah­lung durch die Beklag­te zu 1 sei­en auch kei­ne ver­bo­te­ne Finan­zie­rung der Ein­la­ge durch die Akti­en­ge­sell­schaft in der Form des Her- und Hin­zah­lens. Die Gesell­schaft finan­zie­re die Ein­la­ge nicht, wenn sie für ihre Zah­lung an den Ein­la­ge­schuld­ner oder ein von ihm abhän­gi­ges Unter­neh­men eine ent­spre­chend wert­hal­ti­ge Bera­tungs­leis­tung erhal­te.


Gie­se­ler mahn­te, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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