(Kiel) Nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 13. Juli 2010 hat ein Erwerbs­tä­ti­ger kei­nen Anspruch auf vor­beu­gen­de Schuld­ner­be­ra­tung zur Ver­hin­de­rung des Ein­tritts von Bedürf­tig­keit.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Sozi­al­recht Klaus H. Ganz­horn, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) vom 13. Juli 2010 — B 8 SO 14/09 R.

Die erwerbs­tä­ti­ge Klä­ge­rin hat­te im Jahr 2005 ein monat­li­ches Net­to­ein­kom­men in Höhe von über 1.400 Euro. Wegen Über­schul­dung nahm sie Schuld­ner­be­ra­tung des bei­gela­de­nen Cari­tas-Ver­ban­des in Anspruch. Der Sozi­al­hil­fe­trä­ger hat die Über­nah­me der dafür ange­fal­le­nen Kos­ten abge­lehnt, weil die Klä­ge­rin als Er¬werbsfähige kei­nen Anspruch hier­auf nach §§ 11, 15 Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch   Sozi­al­hil­fe   (SGB XII) habe. Wäh­rend das Sozi­al­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt nach Bei­la­dung des nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch   Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de   (SGB II) zu¬ständigen Leis­tungs­trä­gers (ARGE) die­sen ver¬urteilt, über den Anspruch auf Kos­ten­über­nah­me zu befin­den.

Mit sei­ner Ent­schei­dung vom 13.7.2010 hat der 8. Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts die Ent­schei­dung des LSG zwar dar­in bestä­tigt, dass der erwerbs­fä­hi­gen Klä­ge­rin kei­ne Schuld­ner­be­ra­tung nach dem SGB XII zur Ver­mei­dung des Ein­tritts von Hil­fe­be­dürf­tig­keit zuste­hen kön­ne, so Ganz­horn.

Auf­ge­ho­ben wur­de jedoch das Urteil des LSG, soweit die bei­gela­de­ne ARGE als nach dem SGB II zustän­di­ger Leis­tungs­trä­ger ver¬urteilt wor­den ist. Ent­ge­gen der Ansicht des LSG setzt die Schuld­ner­be­ra­tung nach § 16 Abs 2 aF SGB II zum einen eine bereits bestehen­de Hil­fe­be­dürf­tig­keit und zum ande­ren vor­aus, dass sie für die Ein¬gliederung des Erwerbs­fä­hi­gen in das Erwerbs­le­ben erfor­der­lich ist. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die Klä­ge­rin nicht. Anders als im SGB XII genügt ins¬besondere nicht, dass eine Hil­fe­be­dürf­tig­keit erst droht. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die §§ 1, 3 SGB II auch auf die Ver­mei­dung von Hilfebedürftig¬keit hin­wei­sen. Die­se Vor­schrif­ten beinhal­ten ledig­lich Pro­gramm­sät­ze, die der Umset­zung in der jewei­li­gen Anspruchs­norm bedür­fen. Dies ist in § 16 SGB II für die Schuld­ner­be­ra­tung der Erwerbs¬fähigen gera­de nicht gesche­hen. Hier­in liegt kei­ne unzu­läs­si­ge Ungleich­be­hand­lung gegen­über den Nicht­er­werbs­fä­hi­gen, für die §§ 11, 15 SGB XII auch eine prä­ven­ti­ve Schuld­ner­be­ra­tung vor¬sehen. Von einem erwerbs­fä­hi­gen Nicht­hil­fe­be­dürf­ti­gen kann erwar­tet wer­den, dass er auf eige­ne Kos­ten prä­ven­ti­ve Maß­nah­men ergreift, um den Ein­tritt von Hil­fe-bedürf­tig­keit zu ver­mei­den und sei­ne Erwerbs¬tätigkeit bei­zu­be­hal­ten.

Ganz­horn emp­fahl, das Urteil und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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