(Kiel)  Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 10.09.2009 dar­über ent­schie­den, wie die in den Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen eines öffent­li­chen Ver­ga­be­ver­fah­rens ent­hal­te­ne Klau­sel “Beginn der Aus­füh­rung spä­tes­tens 12 Werk­ta­ge nach Zuschlags­er­tei­lung” aus­zu­le­gen ist.

Dar­auf ver­weist der Reck­ling­häu­ser Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht sowie für Bau- und Archi­tek­ten­recht Edu­ard Disch­ke von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 10. Sep­tem­ber 2009, VII ZR 152/08.


Der Auf­trag­neh­mer ver­langt von der beklag­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land u. a. des­halb eine Mehr­ver­gü­tung, weil sich nach sei­ner Auf­fas­sung infol­ge einer Ver­schie­bung des in einer öffent­li­chen Aus­schrei­bung vor­ge­se­he­nen Zuschlags­ter­mins um meh­re­re Mona­te auch die vor­ge­se­he­ne Bau­zeit geän­dert habe und infol­ge­des­sen die Bau­kos­ten gestie­gen sei­en. Die Par­tei­en haben über die Aus­le­gung der oben genann­ten Klau­sel gestrit­ten, die so oder in ähn­li­cher Form in vie­len öffent­li­chen Aus­schrei­bun­gen zu fin­den ist. Die Beklag­te ver­trat die Auf­fas­sung, die vor­ge­se­he­ne Bau­zeit habe sich nicht geän­dert. Der Beginn der Aus­füh­rung sol­le nach die­ser Klau­sel an die tat­säch­li­che Zuschlags­er­tei­lung geknüpft sein. Der Auf­trag­neh­mer mein­te hin­ge­gen, Anknüp­fungs­punkt für den Bau­be­ginn sei der in der Aus­schrei­bung vor­ge­se­he­ne Zuschlags­ter­min, so dass des­sen Ver­schie­bung auch zu einer Ver­schie­bung der ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Bau­zeit geführt habe.


Der für das Werk­ver­trags­recht zustän­di­ge VII. Zivil­se­nat hat ent­schie­den, dass der Bau­be­ginn an die aus­ge­schrie­be­ne Zuschlags­frist anknüpft, wenn – wie hier — der Zuschlag erst nach  Ablauf der in den Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen fest­ge­leg­ten Zuschlags­frist erfolgt, so Disch­ke.


Eine ande­re Aus­le­gung sei nicht mög­lich, weil sie gegen § 9 Nr. 2 VOB/A ver­stie­ße. Nach die­ser Rege­lung darf dem Bie­ter kein unge­wöhn­li­ches Wag­nis auf­ge­bür­det wer­den für Umstän­de und Ereig­nis­se, auf die er kei­nen Ein­fluss hat und deren Ein­wir­kung auf die Prei­se und Fris­ten er nicht im Vor­aus schät­zen kann. Ein der­ar­ti­ges unwäg­ba­res Risi­ko hät­te die Beklag­te den Bie­tern auf­er­legt, wenn der ver­trag­lich an den Zuschlag gekop­pel­te Aus­füh­rungs­be­ginn über den in den Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­nen Zuschlags­ter­min hin­aus völ­lig offen blie­be. Denn dann könn­te eine Preis­kal­ku­la­ti­on nicht mehr auf ver­läss­li­chen Bau­ter­mi­nen, son­dern nur auf Mut­ma­ßun­gen auf­bau­en.


Auf die­ser Grund­la­ge ist es zu einer Ver­schie­bung der ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Bau­zeit gekom­men, so dass der Ver­trag durch eine nach­träg­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en oder durch ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung an die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se anzu­pas­sen und der Mehr­ver­gü­tungs­an­spruch dem Grun­de nach gerecht­fer­tigt ist (unter Bezug­nah­me auf das Senats­ur­teil vom 11. Mai 2009 – VII ZR 11/08).


Disch­ke mahn­te, den Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die auf Bau- und Archi­tek­ten- und Ver­ga­be­recht sowie Ver­wal­tungs­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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