(Kiel)  In einem am 04. August 2010 ver­kün­de­ten Urteil hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main den Scha­dens­er­satz­an­spruch eines kom­mu­na­len Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens einer süd­deut­schen Groß­stadt (Stadt­wer­ke) gegen die Deut­sche Bank wegen eines fehl­ge­schla­ge­nen Anla­ge­ge­schäfts als unbe­grün­det ange­se­hen und das vor­aus­ge­hen­de statt­ge­ben­de Urteil des Land­ge­richts abge­än­dert.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Frank­furt vom 04.08.2010- 23 U 230/08.

Im Hebst 2004 streb­ten die Stadt­wer­ke im Hin­blick auf die durch Schul­den ver­ur­sach­te Zins­be­las­tung eine Kos­ten­er­spar­nis an und führ­ten des­halb meh­re­re Gesprä­che mit der beklag­ten Bank über die Mög­lich­keit einer “Zins­op­ti­mie­rung”. Anfang 2005 fan­den  dar­auf­hin zwei durch Bild­schirm­prä­sen­ta­tio­nen unter­stütz­te Bera­tungs­ge­sprä­che zwi­schen den Par­tei­en statt. Dabei stell­te die Beklag­te zur gewünsch­ten “Zins­op­ti­mie­rung” einen sog. “CMS Spread Lad­der Swap” (Swap) vor. Ein ent­spre­chen­der Ver­trag wur­de im Febru­ar 2005 geschlos­sen. Der Ver­trag war auf eine Lauf­zeit von bis zu sie­ben Jah­ren kon­zi­piert und beruh­te auf einem Bezugs­be­trag von 25 Mio. €. Nach einem anfäng­li­chen Anstieg brach der Markt­wert des Swap ein. Im April 2006 erklär­ten die Stadt­wer­ke des­halb die Anfech­tung des Swap-Ver­trags wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung und ver­lang­ten die Rück­ab­wick­lung. Im Dezem­ber 2007 lös­ten die Par­tei­en den Ver­trag auf, wobei sich die Stadt­wer­ke mit der Zah­lung des nega­ti­ven Markt­wer­tes des Swap über damals rund 4,1 Mio. € “frei­kauf­ten”.
Mit der Kla­ge for­dern die Stadt­wer­ke Scha­den­er­satz von rund 3,9 Mio. €.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts hat sich die beklag­te Bank scha­dens­er­satz­pflich­tig gemacht, weil die Bera­tung der Stadt­wer­ke nicht anle­ger­ge­recht gewe­sen sei. Die Emp­feh­lung zum Abschluss des Swap-Geschäfts habe nicht den beson­de­ren Ver­hält­nis­sen und Bedürf­nis­sen der Stadt­wer­ke ent­spro­chen.

Die­ser Auf­fas­sung folgt der für die Beru­fung zustän­di­ge 23. Zivil­se­nat des OLG Frank­furt nicht, betont Kroll.

In sei­nem Urteil stellt er fest, dass der Abschluss des Swap-Geschäfts mit den Stadt­wer­ken als kom­mu­na­lem Unter­neh­men weder gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­sto­ße noch die beklag­te Bank ihre Auf­klä­rungs­pflich­ten aus dem zwi­schen den Par­tei­en zustan­de gekom­me­nen Bera­tungs­ver­trag ver­letzt habe. Im Wesent­li­chen führt der Senat dazu aus:

Die Emp­feh­lung des “Spread Lad­der Swaps” sei anle­ger­ge­recht gewe­sen. Die Bank sei nicht ver­pflich­tet, die Stadt­wer­ke dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Geschäft mög­li­cher­wei­se mit ihrer Stel­lung als kom­mu­na­les Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men unver­ein­bar sei. Die Durch­set­zung des kom­mu­nal­recht­lich ver­an­ker­ten Spe­ku­la­ti­ons­ver­bots sei nicht Auf­ga­be der Bank, son­dern viel­mehr Ange­le­gen­heit der staat­li­chen Rechts­auf­sicht und gehö­re auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zum ori­gi­nä­ren Auf­ga­ben­be­reich der ent­spre­chen­den Über­wa­chungs­gre­mi­en. Zudem rich­te sich das Spe­ku­la­ti­ons­ver­bot an Gemein­den, nicht aber an juris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts, auch wenn sie aus­schließ­lich Auf­ga­ben der Daseins­vor­sor­ge erfüll­ten. Die kla­gen­den Stadt­wer­ke sei­en jedoch als GmbH & Co. KG pri­vat­recht­lich orga­ni­siert.

Die beklag­te Bank habe die Stadt­wer­ke auch hin­rei­chend über die Chan­cen und Risi­ken des Swap-Geschäfts auf­ge­klärt. So wer­de aus den Prä­sen­ta­ti­ons­un­ter­la­gen das unbe­grenz­te Ver­lust­ri­si­ko der Anla­ge deut­lich. Dort sei bei der Dar­stel­lung des “worst case” der Hin­weis ent­hal­ten, dass der Ver­lust nicht bezif­fer­bar sei. Die Stadt­wer­ke sei­en auch im Hin­blick auf den spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ter des Geschäfts hin­rei­chend auf­ge­klärt gewe­sen. Die feh­len­de Mög­lich­keit einer zuver­läs­si­gen Pro­gno­se habe den Stadt­wer­ken auf­grund zwei­er durch­ge­führ­ter Prä­sen­ta­tio­nen klar gewe­sen sein müs­sen.
Schließ­lich kön­ne auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Swap-Geschäft für das erklär­te Ziel der Stadt­wer­ke — die “Zins­op­ti­mie­rung” in dem von ihr ver­stan­de­nen Sin­ne — grund­sätz­lich unge­eig­net gewe­sen sei. 

Gegen die Ent­schei­dung ist die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen wor­den.


Kroll riet, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Master of Insuran­ce Law
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