(Kiel) Bestrei­tet ein Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber, dass von ihm bestimm­te Umsät­ze getä­tigt wor­den sind, muss das Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men dar­le­gen und bewei­sen, dass die abge­rech­ne­ten Umsät­ze von dem berech­tig­ten Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber ver­an­lasst wor­den sind.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le vom 10.06.2009, Az.: 3 U 2/09.


In dem Fall wur­den mit die­ser Kre­dit­kar­te im Zeit­raum zwi­schen Dezem­ber 2006 und Febru­ar 2007 eine Rei­he von Umsät­zen getä­tigt, die alle die Anmie­tung von Fahr­zeu­gen bei der Auto­ver­mie­tung H. betra­fen. Das Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men hat­te behaup­tet, die Kre­dit­kar­ten­um­sät­ze sei­en ent­we­der von dem Mit­ge­schäfts­füh­rer der Beklag­ten, B., oder einem ihrer Ange­stell­ten ver­an­lasst wor­den. Zum Beleg hat sie auf die Miet­wa­gen­un­ter­la­gen der Fir­ma H. Bezug genom­men. Die Beklag­te ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten und hat eine ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung der Kre­dit­kar­te bestrit­ten. Viel­mehr beruh­ten die Umsät­ze aus der Zeit zwi­schen Janu­ar und März 2007 auf einem Miss­brauch der Kre­dit­kar­te. Dies habe sie — so hat sie behaup­tet — nach Zugang der Monats­ab­rech­nung vom 26. Janu­ar 2007 auch der Sach­be­ar­bei­te­rin des Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­mens tele­fo­nisch mit­ge­teilt. Die­se habe aber ent­ge­gen ihrer Auf­for­de­rung die Kre­dit­kar­te nicht gesperrt.


Das Land­ge­richt hat­te der Kla­ge mit Aus­nah­me der Inkas­s­o­kos­ten statt­ge­ge­ben und zur Begrün­dung aus­ge­führt, der Sach­vor­trag der Beklag­ten lie­fe­re kei­ne aus­rei­chen­den Hin­wei­se dafür, dass die Kre­dit­kar­te miss­bräuch­lich ver­wen­det wor­den sei.


Das, so Kroll, sah das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le jedoch anders.


Die Vor­aus­set­zun­gen des Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs habe das Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men zu bewei­sen. Gemäß § 676h BGB kann ein Kre­dit­in­sti­tut Auf­wen­dun­gen für die Ver­wen­dung von Zah­lungs­kar­ten oder von deren Daten nur ver­lan­gen, wenn die­se nicht von einem Drit­ten miss­bräuch­lich ver­wen­det wur­den. Dabei hat das Kre­dit­in­sti­tut zu bewei­sen, dass der Kun­de Auf­wen­dun­gen getä­tigt hat und die Über­nah­me die­ser Auf­wen­dun­gen erfor­der­lich war. Das kar­ten­aus­ge­ben­de Insti­tut muss dabei auch dar­stel­len, dass der Kar­ten­in­ha­ber die Geschäf­te vor­ge­nom­men hat.


Bestrei­tet er das, liegt die Beweis­last beim Kre­dit­in­sti­tut. Der Anspruch hängt davon ab, dass die Kar­te nicht von einem Drit­ten recht­miss­bräuch­lich — also ohne wirk­sa­me Wei­sung des Kun­den (§ 665 BGB) — ver­wen­det wor­den ist. Eine Beweis­last­um­kehr zu Las­ten des Kun­den kom­me danach — ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts — gera­de nicht in Betracht. In Anbe­tracht des­sen, dass die Miss­brauchs­ge­fahr bei der Ver­wen­dung einer Kre­dit­kar­te — gera­de mit Blick auf das sog. „kör­per­lo­se“ Ver­fah­ren (etwa bei Buchun­gen nur über die Kar­ten­num­mer) — beson­ders hoch sei und es Auf­ga­be des Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­mens ist, für die Imple­men­tie­rung eines aus­rei­chen­den Kon­troll­sys­tems zu sor­gen (BGH, Urteil vom 13. Janu­ar 2004 — XI ZR 479/02, BGHZ 157, 256 ff.),  erschei­ne es auch sach­ge­recht, das Miss­brauchs­ri­si­ko dem Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men auf­zu­bür­den.


Im vor­lie­gen­den Fall sei die­ser Beweis gera­de nicht geführt. Die der Rech­nung vom 26. Febru­ar 2007 zugrun­de lie­gen­den Abrech­nun­gen des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens sei­en — mit einer Aus­nah­me — nicht unter­zeich­net, was nur bedeu­ten kön­ne, dass der Ver­trags­schluss und der Aus­gleich der Rech­nung nicht durch eine bei dem Miet­wa­gen­un­ter­neh­men vor­stel­lig gewor­de­ne Per­son unter Vor­la­ge der Kre­dit­kar­te erfolgt sein kann. Näher lie­ge viel­mehr, dass das Geschäft über das Inter­net unter Ver­wen­dung der Kre­dit­kar­ten­num­mer abge­wi­ckelt wor­den ist. Es sei daher genau­so gut mög­lich, dass die Kre­dit­kar­te bzw. deren Daten ohne Wis­sen und Bil­li­gung der Beklag­ten von einem unbe­fug­ten Drit­ten benutzt wor­den sind.


Im Übri­gen las­se sich hier auch nicht fest­stel­len, dass die Beklag­te ihre Pflicht, die Kre­dit­kar­te sorg­fäl­tig zu ver­wah­ren, ver­letzt habe oder einen ver­mu­te­ten Miss­brauch nicht recht­zei­tig ange­zeigt und dadurch wei­te­re miss­bräuch­li­che Umsät­ze wegen der unter­blie­be­nen Sper­rung der Kar­ten ermög­licht habe.


Kön­ne nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Kre­dit­kar­te von einem unbe­fug­ten Drit­ten benutzt wor­den ist, spre­che eben­falls nicht der Beweis des ers­ten Anscheins dafür, dass der Kar­ten­in­ha­ber die Ver­wen­dung der Kar­te durch unsach­ge­mä­ße Auf­be­wah­rung o.ä. ermög­licht habe, wenn der unbe­fug­te Drit­te die Daten auch auf ande­re Wei­se ohne Ver­schul­den des Kar­ten­in­ha­bers erlangt haben kann. Der auf der Kar­te auf­ge­druck­ten Kre­dit­kar­ten­num­mer kön­ne inso­weit nicht die glei­che Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den wie einer PIN­Num­mer.


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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