(Kiel) Eine Ver­trags­klau­sel, nach der ein Gas­ver­sor­ger die Prei­se bei Ver­än­de­run­gen am Markt für extra­leich­tes Heiz­öl anpas­sen darf, ist unwirk­sam. Zahlt der Kun­de nur den ursprüng­li­chen, nicht aber den ange­pass­ten (erhöh­ten) Preis, ist der Gas­ver­sor­ger daher nicht berech­tigt, die Lie­fe­run­gen ein­zu­stel­len.

Dies, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, ent­schie­den das Amts- und das Land­ge­richt Coburg und gaben damit einem Kun­den Recht, der sich gegen die Preis­er­hö­hun­gen für Erd­gas zur Wehr gesetzt hat­te. (AG Coburg, Az: 11 C 1366/07; LG Coburg, Az: 32 S 105/08).


Die Ver­trags­be­stim­mung benach­tei­ligt nach Ansicht der Gerich­te den Kun­den unan­ge­mes­sen. Denn sie gibt dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zwar das Recht zur Preis­er­hö­hung, ent­hält aber kei­ne Pflicht zur Redu­zie­rung, wenn der Preis für extra­leich­tes Heiz­öl wie­der sinkt.


Der Kun­de hat­te im Jah­re 2004 einen Gas­lie­fe­rungs­ver­trag mit dem Unter­neh­men abge­schlos­sen. In den Ver­trags­be­stim­mun­gen (dem „Klein­ge­druck­ten“) war das Preis­an­pas­sungs­recht des Ver­sor­gers fest­ge­schrie­ben, von dem die­ser auch Gebrauch mach­te. Der Ver­brau­cher zahl­te aber wei­ter­hin nur den ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Preis. Nach­dem nach Auf­fas­sung des Gas­ver­sor­gers ein Rück­stand von rund 430 € auf­ge­lau­fen war, droh­te er dem Kun­den die Ein­stel­lung der Gas­lie­fe­rung an. Als der das durch ein Haus­ver­bot für die Mit­ar­bei­ter des Unter­neh­mens ver­hin­der­te, klag­te der Ver­sor­ger auf Zah­lung und Dul­dung des Lie­fer­stopps.


Ohne Erfolg, so betont Klar­mann.


Amts- und Land­ge­richt Coburg kamen zu dem Ergeb­nis, dass die Preis­an­pas­sungs­klau­sel unwirk­sam ist und die Preis­er­hö­hun­gen daher hin­fäl­lig sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs benach­tei­ligt die Klau­sel die Ver­brau­cher unan­ge­mes­sen, weil bei dem für den Kun­den ungüns­tigs­ten Ver­ständ­nis durch sie ein ein­sei­ti­ges Preis­er­hö­hungs­recht des Ver­sor­gers fest­ge­schrie­ben wird. Ob das Unter­neh­men tat­säch­lich auch Preis­re­du­zie­run­gen vor­ge­nom­men hat, ist für die Wirk­sam­keit der Ver­trags­be­stim­mung ohne Belang. Nach­dem der Ver­trag jähr­lich gekün­digt wer­den kann, ist dem Ver­sor­ger auch nicht im Wege einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung ein Preis­än­de­rungs­recht zuzu­bil­li­gen.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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