(Kiel) Das Land­ge­richt Itze­hoe hat am 06.08.2009 die Kla­ge eines Anle­gers gegen eine Bank auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz wegen feh­ler­haf­ter Anla­ge­be­ra­tung im Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Leh­man Bro­thers-Zer­ti­fi­ka­ten abge­wie­sen.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Land­ge­richts Itze­hoe (LG) vom 06.08.2009, Az.: 7 O 39/09.


In dem Fall erwarb der Klä­ger m Novem­ber 2006 nach einem Gespräch mit dem Kun­den­be­treu­er der beklag­ten Bank Wert­pa­pie­re in Form von Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, die von der Leh­man Bro­thers Trea­su­ry Co. B.V. als Emit­ten­tin her­aus­ge­ge­ben wor­den sind. Und zwar erwarb er 10 Leh­man Bro­thers Bonus Bar­rie­re Quan­to Zer­ti­fi­ka­te auf Nik­kei 225 zum Preis von ins­ge­samt 10.265,00 EUR. Nach der Insol­venz der US-Invest­ment­bank Leh­man Bro­thers droht dem Klä­ger nun der Total­ver­lust der Anla­ge. Daher begehrt der Klä­ger Scha­dens­er­satz von der Beklag­ten wegen der Ver­let­zung ihrer Bera­tungs­pflich­ten.  Der Klä­ger behaup­tet, die Beklag­te habe ihn pflicht­wid­rig nicht über das hohe Risi­ko die­ser Anla­ge auf­ge­klärt; er habe in siche­re Kapi­tal­an­la­ge­for­men inves­tie­ren wol­len.


Die Beklag­te hin­ge­gen trägt vor, der Klä­ger sei nicht auf­klä­rungs­be­dürf­tig gewe­sen, weil er bereits im Jah­re 2003 ange­ge­ben habe, sei­ne Risi­ko­be­reit­schaft sei sehr hoch und er ver­fü­ge über einen Anla­ge­ho­ri­zont von mehr als 10 Jah­ren. Dar­über hin­aus habe der Klä­ger im Jah­re 2005 an ris­kan­ten Geschäf­ten wie dem „Dayt­ra­ding“ teil­ge­nom­men.


Das LG Itze­hoe hat die Kla­ge nun am 06.08.2009 abge­wie­sen, betont Kroll.


Die beklag­te Bank hat nach Auf­fas­sung des Gerichts kei­ne Bera­tungs­pflich­ten ver­letzt und sich daher auch nicht scha­dens­er­satz­pflich­tig gemacht. Ent­schei­dend für den Umfang der Bera­tungs­pflich­ten der Bank sei der sogen. „Anle­ger­ho­ri­zont“, also die Fra­ge, ob es sich hier um einen kon­ser­va­ti­ven Anle­ger ohne Erfah­rung mit Wert­pa­pier­an­la­gen han­de­le oder um einen risi­ko­be­rei­ten Anle­ger mit Erfah­run­gen im Wert­pa­pier­ge­schäft und einer ent­spre­chen­den Anla­ge­stra­te­gie. Die münd­li­che  Ver­hand­lung ergab hier, dass der Klä­ger bereits die Erfah­rung gemacht hat­te, dass gehan­del­te kurs­ab­hän­gi­ge Papie­re Kurs­ge­win­nen und ‑ver­lus­ten zugäng­lich waren. Ein sol­cher risi­ko­be­rei­ter Anle­ger sei bei der Anla­ge­be­ra­tung nicht in glei­chem Umfang auf­zu­klä­ren wie ein Neu­kun­de oder wie ein Kun­de, der erst­ma­lig ihm unbe­kann­te risi­ko­träch­ti­ge Anla­gen emp­foh­len erhält, so das Gericht.


Eine Pflicht­ver­let­zung der Bank fol­ge auch nicht dar­aus, dass die­se den Klä­ger nicht über das Insol­venz­ri­si­ko von Leh­man Bro­thers auf­ge­klärt habe. Zum Zeit­punkt des Bera­tungs­ge­sprächs im Novem­ber 2006 sei das Insol­venz­ri­si­ko der immer­hin viert­größ­ten Invest­ment­bank der Welt für die Bank nicht erkenn­bar gewe­sen und daher rein theo­re­ti­scher Natur.


Ent­ge­gen den vom Land­ge­richt  Ham­burg kürz­lich ent­schie­de­nen Fäl­len, in denen die Anle­ger gegen die Bank obsieg­ten, konn­ten im hier vor­lie­gen­den Fall auch nicht die Grund­sät­ze der als “Kick-Back”-Urteile bezeich­ne­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hof (BGH) zur Anwen­dung kom­men. Die­ser hat fest­ge­stellt, dass eine Bank im Zusam­men­hang mit der Bera­tung durch sie oder einen Drit­ten dar­auf hin­wei­sen muss, wenn der Bera­ten­de eine Rück­ver­gü­tung oder Pro­vi­si­on erhält, ohne dass der Kun­de dies aus dem Ver­trag selbst erken­nen kann, z.B. weil die Innen­pro­vi­si­on in dem Kauf­preis ver­steckt sei.


Hier konn­te die Bank jedoch dar­le­gen und unter Beweis stel­len, dass irgend­wel­che Leis­tun­gen außer­halb der bank­üb­li­chen Ver­triebs­pro­vi­si­on in Höhe von 3,5% an sie oder den Ver­mitt­ler nicht geflos­sen sind, so dass im vor­lie­gen­den Fall nicht von den Grund­sät­zen der  “Kick-Back-Pro­vi­si­on” aus­ge­gan­gen wer­den kann. Damit unter­schei­de sich der Fall von den Ham­bur­ger Fäl­len. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.
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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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